27/09/2026
Die Zuckersteuer wackelt
Ich habe die Zuckersteuer hier verteidigt, Ich habe sie kritisiert.
Heute kommt der dritte Akt, und er ist der schlimmste:
Die Steuer kippt womöglich, bevor sie startet.
Die Unionsfraktion macht mit Christina Stumpp eine erklärte Zuckersteuer Gegnerin zur neuen Sprecherin für Agrar und Ernährungspolitik. Der hessische CDU Ministerpräsident warnt vor der Abgabe, die Gewerkschaft NGG ebenfalls, und Paulaner schießt öffentlich dagegen. Der Start 2027 steht auf einmal wieder infrage.
Und jetzt der Punkt, den in der Debatte niemand ausspricht: Für die Industrie ist das Schlimmste nicht die Steuer. Das Schlimmste ist dieses Hin und Her.
Denn was macht ein Getränkehersteller seit der Ankündigung? Er entscheidet über Rezepturen, die 12 bis 18 Monate Vorlauf brauchen. Über Süßungskonzepte, Anlagen, Verpackungen, Preislisten für 2027. Wer verantwortungsvoll plant, hat längst investiert, in Reformulierung, in Zero Varianten, in genau das, was die Politik seit Jahren fordert.
Kippt die Steuer jetzt, bestraft der Staat exakt die Unternehmen, die ihm geglaubt haben. Und belohnt die, die auf Aussitzen gesetzt haben. Das ist die perfekte Erziehung zur Reformverweigerung: Wer sich bewegt, verliert.
Großbritannien hat gezeigt, wie es richtig geht: Steuer angekündigt, Staffel klar definiert, durchgezogen. Ergebnis: Die Hersteller reformulierten, bevor die Steuer überhaupt galt, der Zuckergehalt fiel massiv. Nicht weil die Briten bessere Menschen sind. Sondern weil sich Investitionen in ein verlässliches Regelwerk rechnen.
Ich bin für eine saubere Lenkungssteuer auf Zucker, mit klarer Staffel und Einnahmen für Prävention. Aber lieber gar keine Steuer als eine, die im Jahrestakt umgebaut wird. Unternehmen können mit fast jeder Regel leben. Nur nicht mit Regeln, die keine sind.
An die Politik, falls hier jemand mitliest: Entscheidet euch, und dann bleibt dabei. Und an die Branche: Habt ihr auf die Steuer hin geplant, oder auf das Kippen gewettet?