20/10/2026
Klartext: 16.496 Unfälle mit 38 Toten - brauchen E-Scooter-Fahrer jetzt einen Führerschein?
Einordnung:
Für einen E-Scooter mit Straßenzulassung braucht ihr in Deutschland keinen Führerschein. Wer mindestens 14 Jahre alt ist, darf losfahren, mit maximal 20 km/h.
Wer dagegen ein Mofa mit 25 km/h fahren will, braucht eine Mofa-Prüfbescheinigung inklusive Kurs und Prüfung und muss mindestens 15 sein. Für 5 km/h mehr also Schulbank und ein Jahr älter. Jetzt wächst der Druck auf diese Lücke: Laut Destatis (Statistisches Bundesamt, die zentrale Statistikbehörde Deutschlands) gab es 2025 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das sind 38,1 Prozent mehr als im Vorjahr (11.944). 38 Menschen kamen ums Leben, 2024 waren es 27.
Pro-Lager: „Ohne Prüfung geht es nicht mehr“
Der DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat, ein Zusammenschluss von Verbänden, Behörden und Unternehmen für mehr Verkehrssicherheit) fordert einen Befähigungsnachweis nach dem Vorbild der Mofa-Prüfbescheinigung, also eine Art kleinen E-Scooter-Führerschein. Vermittelt werden sollen Grundregeln zu Alkohol, Fahrbahn- und Gehwegnutzung sowie Fahrphysik. Laut DVR könnte die Ausbildung direkt in der Schule stattfinden. Außerdem soll das Mindestalter von 14 auf 15 Jahre steigen.
Die Unfallzahlen liefern Argumente: 53,6 Prozent der verunglückten E-Scooter-Fahrer waren unter 25 Jahre alt, bei Rad und Pedelec nur 21,4 Prozent. Der häufigste Fehler ist die falsche Nutzung von Fahrbahn oder Gehweg (21,6 Prozent), auf Platz zwei folgt Alkohol (10,9 Prozent). Und bei Unfällen mit Fußgängern trugen die E-Scooter-Fahrer in 88,7 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Wer die Regeln nicht kennt, kann sie auch nicht einhalten, sagen die Befürworter.
Contra: „Bürokratie für ein Spielzeug“
Die Gegenseite hält eine Prüfpflicht für überzogen. Ein Pedelec unterstützt bis 25 km/h und gilt rechtlich trotzdem als Fahrrad, also ohne Führerschein und ohne Mindestalter.
2025 starben 462 Menschen auf Fahrrädern und Pedelecs, und niemand fordert dafür eine Prüfung. Warum also ausgerechnet beim E-Scooter mit 20 km/h? Kritiker sehen das Problem eher bei fehlenden Kontrollen: Wer betrunken fährt oder auf dem Gehweg rollt, macht das meist nicht aus Unwissen. Statt einer Pflichtprüfung setzt die Deutsche Verkehrswacht auf freiwillige Trainings, etwa über ihre Plattform ScootSkills.
Und die Politik? Für 2027 sind neue Regeln geplant: Blinkerpflicht für neu zugelassene E-Scooter und 25 statt 15 Euro Bußgeld für das Fahren auf dem Gehweg. Einen Führerschein sieht die Reform nicht vor.
Was bedeutet das für euch?
Aktuell ändert sich nichts: Ab 14 Jahren dürft ihr ohne Führerschein fahren. Ihr braucht aber ein gültiges Versicherungskennzeichen. Beim Alkohol gelten dieselben Regeln wie beim Auto: Unter 21 und in der Probezeit gilt 0,0 Promille, für alle anderen ab 0,5 Promille ein Bußgeld, ab 1,1 Promille eine Straftat. Außerdem gilt: Radweg vor Straße, Gehweg ist tabu, und nur eine Person pro Roller. Wenn eure Kinder mit 14 den ersten Scooter wollen, lohnt sich eine gemeinsame Proberunde.
Diskussionsfrage
Kleiner E-Scooter-Führerschein ab 15: überfällig oder Bürokratie-Wahnsinn? Und mal ehrlich: Wüsstet ihr auf Anhieb alle Regeln, die für euren Scooter gelten? Schreibt es in die Kommentare!
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