03/12/2022
Ich muss sagen, dass ich mit meinen drei Kindern offensichtlich noch in einer sehr guten Lage bin… Dafür bin ich sehr dankbar!
Gleichzeitig höre ich von überall Berichte und Appelle in diese Richtung. Auch von Ärzt:innen, Therapeut:innen selbst.
Einige Not spüre ich auch bei meinen Kundinnen und ihren Kindern, wo ich wunderbarer Weise wenigstens die inneren Kräfte der Betroffenen so stärken kann, dass sie sicherer durch ihre Herausforderungen gehen können.
Und wenn ich über die Herausforderungen der Gesellschaft nachdenke, die wir uns die Generationen der heutigen Kinder zu bewältigen haben, weil ihre Vorgänger der Lage nicht Her geworden sind, dann steigt auch in mir Wut auf.
Ich denke jeden Tag darüber nach, wie wir für Mütter, oder Eltern, und Kinder das Leben verbessern können.
Wie erlebt ihr das?
Ein trauriger Höhepunkt ist erreicht.
Es gibt keine ausreichende Fachkräfte in Kitas, Schulen und auch in den Kliniken.
Seit Jahren steuern wir auf diesen Zusammenbruch beider Systeme hin.
Alle Elter wissen, wie schwer es ist eine Kinderarztpraxis zu finden, die neue Patientinnen aufnimmt. Wie lange man trotz Termin wartet und wie oft niemand telefonisch zur Terminfindung zu erreichen ist.
Wir alle erleben, wie oft Betreuung nicht gewährleistet werden kann, weil an Personal fehlt und ständig alle krank sind. Die sozialen Medien sind seit Jahren voll von Eltern, die davon berichten gar nicht erst einen Kitaplatz zu finden.
Wir alle kennen die Berichte über marode Schulgebäude und dauernde Unterrichtsausfälle, fehlende Luftfilter, eiskalte Klassenräume, Leistungsdruck, schlechte PISA-Ergebnisse.
Die Pandemie hat vieles sichtbar gemacht, verschärft, dient jedoch vor allem als willkommene Entschuldigung für das Versagen eines Landes auf Kosten jene, die in dieser Gesellschaft keine Stimme haben.
Ich bin so unendlich wütend!
Habe ich 2012 in der Notaufnahme 2 Stunden auf eine Ärztin gewartet, waren es 2016 bereits 4 Stunden. Im Jahr 2022 sind es gar 7 Stunden.
Und doch!
Das sind die Wartezeiten auch bei lebensbedrohliche Erkrankungen!
Pneumonie und Pneumothorax, Apendizitis und Peritonitis.
Keine Einzelfälle.
Für einen Termin beim Kinderpsychiater können auch mal fünf Monate vergehen. Auf dem Überweisungsschein steht "Suizidalität".
Bis zur psychologischen Behandlung weitere 5 Monate.
Es ist lebensbedrohlich!
Es ist kein Einzelfall.
Und eine Garantie für Qualität und Fachlichkeit besteht nach ewigen Warten dennoch längst nicht. Über Menschlichkeit ganz zu schweigen.
Ich bin so wütend über das, was uns in Familien, Schulen und Kitas zugemutet wird.
Ich bin wütend über die zunehmend schlechte pädiatrische und klinische Versorgung unserer Kinder.
Ich bin wütend, im Wissen, dass die Menschen in den Kliniken und Ärztinnenpraxen genauso in Not sind wie wir in Schule und Kita.
Und ich bin wütend, dass Betroffene für sich und ihre Kinder selbst einstehen müssen, wo die Kraft längst gerade so für das Alltägliche reicht.
- Aida S. de Rodriguez
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