05/10/2026
Es gibt keine Universalantwort auf die Frage, ob wir viele Fachkräfte dazu gewonnen haben oder nicht. Allerdings muss ich deutlich sagen, dass es schwierig ist, darüber zu urteilen, wenn keine ausländischen Studienabschlüsse in irgendeiner Form anerkannt werden. Immer wieder habe ich auch ehemalige Deutschschüler, meine Besten, bei mir im Jobcoaching. Bahareh aus Teheran im Iran hat einen in Deutschland anerkannten Bachelorabschluss. Sie musste dafür sogar länger studieren als wir. Bis zum Bachelorabschluss dauerte es 4 Jahre, bei uns nur 3. Der Abschluss von der Uni in Teheran wurde international hoch bewertet. Sie hat in nur 2,5 Jahren, was unglaublich schnell ist, das C1-Deutschsprachniveau erreicht. Sie war in meinem C1-Deutschsprachkurs, Schwerpunkt Beruf, mit entsprechendem Wortschatz. Wir haben diverse Bewerbungen geschrieben, inzwischen sind wir bei 130 in der Zahl und dennoch wollte keiner ihren Abschluss als Vermessungsingenieurin anerkennen, der behördlich in Deutschland genauestens geprüft und anerkannt wurde. Ein Personalvermittler schrieb sogar, dass die Abschlüsse von den Unternehmen nicht akzeptiert werden. Ah, da ist also das Salz in der Suppe… Ein einziges Unternehmen hatte sie immerhin als Vermessungstechnikerin zum Vorstellungsgespräch eingeladen, ihr sogar das Kompliment gemacht, dass sie besser Deutsch spreche als andere Mitarbeiter und ab morgen darf sie drei Tage zur Probe arbeiten. Ich drücke ihr von Herzen alle Daumen! Sorry, für mich ist es unverständlich, dass diverse Hamburger Unternehmen und Behörden Vermessungsingenieure und Techniker suchen, angeblich sogar dringend, aber man sie nicht einmal zum Gespräch einlädt. Die Stadt Hamburg erwartet sogar C2 Deutsch, also Muttersprachler, zumindest in der 2. Muttersprache. Das Jobcenter hat ihr netterweise alles ermöglicht und bezahlt, die Deutschkurse, die sie bestens bestanden hat und das sofort und so schnell, eine Fortbildung als Vermessungsingenieurin und einen Führerschein, damit sie zu den Baustellen fahren kann. Und dann, dann hat keiner Interesse. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Um ihre Deutschkenntnisse zu prüfen, darf man sich sicherlich die Zeit nehmen, ein kurzes Telefonat zu führen. Nein, das ist schon für viele zuviel Arbeit, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten..! Interkulturelle Kompetenzen, damit würde es ja beginnen! Sollen alle Geflüchteten in die Reinigung, in den Sicherheitsdienst, an den Empfang, ins Krankenhaus und Pflegeheim gehen? Nett ist das wohl kaum, wenn einige qualifizierter sind! Und so wird es immer mehr Frust geben. Ich arbeite seit über 20 Jahren interkulturell und es war und ist nicht immer einfach, aber wenn man das gut macht, dann kann man alles. Es ist dasselbe mit der Führung von Mitarbeitern. Das lernt man sicherlich nicht in der Schule oder im Studium. Immer, wenn man an seine Grenzen kommt oder andere immer etwas von einem wollen oder Hilfe brauchen, wird etwas anderes gefordert und das nennt sich Interesse an anderen Menschen, sich selbst zurückzunehmen, Empathie und Sozialkompetenz. Dem einen gelingt es mehr und dem anderen weniger und einigen überhaupt nicht! Der eine lässt auch seine Familie für die Karriere sitzen und versteht nicht, dass man das nicht abspalten kann, um wirklich emphatisch und nett zu sein. Es ist nicht wahr, dass man beruflich und privat unterschiedlich ist und dabei authentisch sein kann. Echt ist man immer oder eben auch nicht! So sitze ich grad allabendlich und spiele, weil meine Tochter das wünscht, seit neuestem nach vielen Jahren wieder Schach. Es fördert das logische Denken, die Problemlösefähigkeit und die Konzentration. Wie schön, dass meine Tochter Lust dazu hat. Von allen diesen drei Fähigkeiten kann man nicht genug haben! Ich finde immer eine Lösung und dafür braucht man das logische Denken. Vielleicht half mir ja das frühere intensivere Schachspielen dabei. Wenn man zu lange überlegt, was man mit einer Herausforderung am besten macht und was die beste Lösung sei, ist der innere Stress schon da und die Zeit verflogen, vielleicht auch der beste Moment, etwas zu klären. Man fühlt sich leichter, schneller eine Lösung zu finden. Und man kann den Weg ja immer wieder ändern. Wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel! Auch an die Firmen gerichtet, mal Neues auszuprobieren!