17/07/2026
So viele Menschen sind mit ihrem Job unzufrieden. Ich war in den über 20 Jahren meiner Selbstständigkeit und auch zuvor die 10 Jahre in so unglaublich vielen Unternehmen und bei so vielen Bildungseinrichtungen beruflich aktiv, dass ich sicherlich Vergleiche ziehen kann. Wenn es menschlicher wird, Stück für Stück, die Auftraggeber, die Klienten, die Kollegen, einfach alles, dann zeigt sich auch die innere Entwicklung. Es wird innen ruhiger, zufrieden und man nimmt die Herausforderungen an, aber stolpert nicht mehr darüber. Denn die Basis stimmt. Die Diakonie in Pinneberg ist wirklich besonders. So etwas habe ich selten erlebt. Sie kümmern sich um jeden Bedürftigen, die Obdachlosen, Süchtigen, psychologisch beratend, in Erziehungsfragen, mit Hausbesuchen, mobil unterwegs, mit einem oft gefüllten Kühlschrank vor der Tür und Essen zum Abholen, mit der Geflüchteten- und Migrationsberatung, Deutschkursen, usw. Immer habe ich herzliche Gespräche mit Kollegen, einen respektvollen Umgang miteinander, dankbare Teilnehmer und Menschen, auch Obdachlose, die täglich vorbeikommen, um einfach nur draußen zu sitzen und zu reden. Menschlichkeit, etwas, dem man woanders seltener begegnet. Und da arbeiten sie, keine AfD-Wähler! Die Kollegen wählen links. Warum? Weil sie Verständnis haben und verstehen, erleben und geben! Schon lange hängt dort die Friedenstaube und das Transparent, dass Rassismus der Seele schadet. An der Tür der Leiterin des Migrationsbereichs steht: Man lässt keine Menschen ertrinken! Punkt! Und unten bei der Wohnungsnotstelle hängt inzwischen ein Bild mit FCK NZS. Der soziale Bereich wurde politisch attackiert und es wurde massiv eingegriffen und gestrichen. Was macht man nur, hätte man diese sogenannten Gutmenschen nicht, was ja schon zum Schimpfwort des Jahres 2026 gekürt werden kann: Gutmensch! Was würde die Gesellschaft ohne Menschen machen, die gern geben und die soziale Arbeit übernehmen, die immer auch emotional ist und damit auch schwierig, da Bedürftige kommen. Sich 5 Tage pro Woche mit den Problemen anderer auseinanderzusetzen und diese Energie zu spüren, das Leid zu hören, das ist schon auch kräftezehrend. Es ist eine Entscheidung, Wutbürger zu werden und zu polarisieren. Am Ende ist man auf Hilfe angewiesen und da steht ein herzlicher Gutmensch oder gar ein netter integrierter Geflüchteter, der anderen helfen möchte. Was dann? Ich arbeite interkulturell. Meine Arbeitskollegen kommen aus Afghanistan, Syrien, der Türkei, der Ukraine, dem Irak, dem Iran, Afrika und aus Deutschland. Das funktioniert extrem gut! Inzwischen ist mein Französisch wieder bestens, da ich mich mit meiner afrikanischen Kollegin auf Französisch unterhalte. Ich könnte so gute Aufträge in den Firmen haben, aber ich bin so happy über die beiden Deutschkurse und meine Therapie- und Coachingklienten neben meinem Studium. Zudem wird der Deutschunterricht freiberuflich noch gut bezahlt. Es ist immer die persönliche Entscheidung, ob ich sauer, enttäuscht, wütend und hasserfüllt sein möchte oder wirklich offen bin und offen auf alle Menschen zugehe. Überall gibt es auch mal schwierige Momente. Aber auch da entscheidet jeder, wie er damit umgeht. Ich ärgere mich auch über die Regierung. Jeder sieht die Schwierigkeiten, gerade dann, wenn man mitten drin arbeitet. Aber die Menschen zu sehen, auch die Bedürftigen und nicht wegzuschauen oder sich nur auf seinen eigenen Vorteil zu fokussieren, das ist wirklich menschlich. Alles andere ist Selbstbetrug. Entweder mag ich andere Menschen oder nicht, dann differenziere ich auch nicht nach Geschlecht, Religion, Herkunft und wenn, dann nach den Handlungen. Entweder liebe ich Tiere oder nicht und sage, nur Hunde oder nur Katzen. Es geht auch nicht um rechts oder links, auch nicht um für oder gegen Palästina, sondern um klare menschliche Werte, die jeder vertreten sollte, der die Gemeinschaft schätzt. Denn wir sind in einer interkulturellen Welt und auch ein jeder in einem solchen Land. Hier leben inzwischen Juden und Palästinenser und auch in meinen Deutschkursen gibt es Juden aus Israel oder der Ukraine, Palästinenser, Russen und Ukrainer, egal woher, einfach Menschen! Sonst sollte man auswandern, wenn es so schlimm ist, was ja auch einige getan haben. Aber da ist man dann selbst Ausländer. Das sollte man wissen! Jeder, der sich schneller auf Veränderungen einstellen kann, die nicht änderbar sind und diese akzeptiert, ärgert sich weniger bis gar nicht! Was ich inzwischen alles sein soll: Eine linke Zecke, meine Tochter dann auch, weil ich zwei Business-Seats beim FC Sankt Pauli habe, schwierig soll ich sein, weil ich differenziert Dinge betrachte und nicht einfach mitlaufe und weil ich keinen Partner habe, obwohl ich selbst oft nein gesagt habe und das von mir aus entschieden habe. Früher war ich angeblich Ausländerin, die gut Deutsch spricht. Was Quatsch ist, da ich in Hamburg geboren wurde und von deutschen Eltern als Baby adoptiert wurde. Meine Muttersprache und zwar die einzige, ist also Deutsch! Dennoch verleugne ich nicht meine Herkunft. Meine leiblichen Eltern kamen als politisch Verfolgte Ende der 60er Jahre aus Afghanistan. Es ist dramatisch, dass Menschen, die deutlich später kamen, bereits ihre Wurzel und Herkunft verleugnen, sich also selbst und die AfD wählen, die sich wünschen, dass sie dahin gehen, woher sie, ihre Eltern oder Großeltern kamen! Auch Alice Weidel sprach so über ihre adoptierte Partnerin. Ja, man kann seine Wurzeln leugnen, seine leiblichen Eltern nicht kennenlernen wollen, nichts auf den Grund gehen, nicht in Kontakt mit sich selbst gehen. Bin ich dann wirklich bei mir selbst? Ich war es nicht, solange ich nichts geklärt hatte! Ich bin alleinerziehend und selbstständig und mache alles allein und das gern. Sonst unterstützen mich mit meiner Tochter auch mal meine Eltern. Die Hälfte meiner Einnahmen geht als Freiberuflerin an das Finanzamt! Darüber bin ich wenig amüsiert, zumal ich mehr Geld gern für mich und meine Tochter hätte und dann gern das Übrige den Bedürftigen im Land geben würde, was noch mehr sein könnte, wenn man sich die Großstädte ansieht. Dennoch wähle ich aus Protest niemals eine rechte Partei und würde immer links wählen! Die soziale Verantwortung stirbt dann aus, wenn Menschen ihren Wohlstand in Not sehen und dadurch angstmotiviert und frustriert sind. So wird man nicht glücklich werden und darum sollte es doch im Leben gehen. Wie werde ich glücklich, zufrieden und innerlich frei! Klar, helfend und mitfühlend ist sicherlich eine Komponente. Dienstags und donnerstags kommt die „Tafel“ immer in die eingemietete Kirche der Diakonie, in der mein Vormittagsdeutschkurs stattfindet. Da kommen auch diverse Nationalitäten hin und es unterscheidet dort keiner, wer mehr oder weniger erhält. Überwiegend ältere Frauen verteilen dort ehrenamtlich, sinnvoll während der Rente. Jetzt habe ich 4 Wochen Urlaub und freue mich, zurückzukehren! Zum Abendstudium passt es gut und es ist sinnvoll, was ich tue und zwar für andere. Zum Abschied in den Urlaub haben mich einige Schüler und Kollegen umarmt und Kuchen und andere Leckereien gebacken. Wer wird so in den Urlaub verabschiedet?