18/09/2026
Bereit für das Abenteuer Landesliga: PSV Franken Neustadt greift an
Wenn am Samstag die erste Kugel rollt, beginnt für die Sportkegler des PSV Franken Neustadt ein neues Kapitel – und eines, das große Erwartungen weckt. Nach vielen Jahren auf höchstem Niveau über die klassische 200-Kugel-Distanz schlagen die „Puppenstädter“ endgültig einen neuen Weg ein. Im 120-Wurf-System soll nun eine neue Erfolgsgeschichte geschrieben werden. Die Voraussetzungen dafür könnten kaum besser sein: Der PSV startet als einer der großen Favoriten in die Landesliga Nord.
Fast der gesamte Kader blickt auf eine erfolgreiche Vergangenheit in der 1. Bundesliga zurück. Erfahrung, Qualität und Nervenstärke sind reichlich vorhanden. Doch mit dem Verbandswechsel und dem endgültigen Schritt ins 120-Wurf-System beginnt für die Neustadter dennoch eine neue Zeitrechnung.
Ganz unbekannt ist das Terrain allerdings nicht. Bereits in der vergangenen Saison spielte die Mannschaft in der Landesliga eine gute Rolle – und das, obwohl die zahlreichen Bundesliga-Akteure längst nicht regelmäßig zur Verfügung standen. Nun kann der PSV deutlich häufiger aus dem Vollen schöpfen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.
Angeführt wird das Team von einem Mann, der die Neustadter seit Jahren prägt: Alexander Wellach übernimmt neben seiner Rolle als Leistungsträger ab dieser Saison zusätzlich das Amt des Kapitäns. Der erfahrene Ex-Bundesligakegler des SKC Staffelstein bringt reichlich Routine mit – und vor allem eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaft auftreten soll.
Einstellung, Disziplin und der kompromisslose Fokus auf die eigenen Stärken – Wellachs Marschroute lässt wenig Interpretationsspielraum. Der neue Kapitän verlangt absoluten Trainingsfleiß und höchste Konzentration.
Taktische Spielchen oder ein übermäßiger Blick auf den Gegner spielen in seinen Überlegungen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Der PSV soll sein eigenes Spiel durchziehen, selbstbewusst auftreten und sich nicht davon beeinflussen lassen, wer auf der anderen Seite der Bahn steht.
Die Botschaft ist klar: Wenn Neustadt sein eigenes Leistungsvermögen abruft, soll sich der Gegner nach dem PSV richten – und nicht umgekehrt.
In der Vorbereitung noch Luft nach oben
Dass Wellach seine Forderungen selbst vorlebt, zeigte sich bereits in den Vorbereitungsspielen. Die Resultate und vor allem die Leistungen machten allerdings deutlich, dass bis zum Saisonstart noch Steigerungspotenzial vorhanden ist.
Im dritten Test empfingen die Neustädter die Bundesliga-Reserve des SKC Victoria Bamberg, die in der Bayernliga Nord an den Start geht. Am Ende stand zwar ein knapper 5:3-Erfolg für die Puppenstädter, vollends zufrieden konnte man mit den gezeigten Ergebnissen aber noch nicht sein.
Ein echtes Ausrufezeichen setzte dabei Alexander Wellach. Der Spielertrainer erzielte starke 612 Kegel und sicherte sich damit souverän die Tagesbestleistung. Auch Michael Moosburger präsentierte sich mit sehr guten 587 Kegeln bereits in ansprechender Form. Dahinter blieb bei den Neustädtern allerdings noch einiges an Luft nach oben.
Dabei haben sich die Voraussetzungen auf der heimischen Anlage sogar verbessert. Durch frisch gewechselte Keile fallen die Kegel auf den Neustädter Bahnen inzwischen deutlich besser. Das vorhandene Potenzial konnte die Mannschaft bislang dennoch noch nicht über die gesamte Breite abrufen.
Zum Abschluss der Vorbereitung wartete dann noch einmal ein echter Härtetest. Am vergangenen Samstag gastierte der PSV beim Bayernligisten Gut Holz Zeil, der in seiner Spielklasse zu den Titelanwärtern zählt. Ohne die Leistungsträger Patrick Kalb und Steffen Hönninger mussten die Franken ersatzgeschwächt antreten und kassierten eine deutliche 1:7-Niederlage.
Gerade vor diesem Hintergrund will Wellach die Resultate der Testphase jedoch nicht überbewerten. Entscheidend sei, was zum Punktspielauftakt auf die Bahn gebracht werde.
„Die Vorbereitungsergebnisse spiegeln nicht unser wahres Leistungsvermögen wider. Wichtig ist nicht, was gestern war, sondern dass wir ab der ersten Kugel am Wochenende voll da sind. Wenn wir unsere Disziplin und unsere Stärken auf die Bahn bringen, bestimmen wir das Spiel“, sagt Wellach.
Von Verunsicherung ist innerhalb der Mannschaft deshalb nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Stimmung ist hervorragend. Die Neustadter wissen, welches Potenzial in ihrem Kader steckt – und wollen pünktlich zum Saisonstart den Schalter umlegen.
Fünf Spieler haben ihren Platz sicher
Auch personell zeichnet sich bereits ein klares Bild ab. Fünf der sechs Plätze für den Saisonauftakt sind vergeben.
Neben Kapitän Alexander Wellach gehören Michael Moosburger, Steffen Hönninger, Tobias Bieberbach und Patrick Kalb zum gesetzten Quintett.
Bleibt noch ein Platz – und um den entwickelt sich ein echtes Familienduell. Jürgen und Bastian Bieberbach kämpfen um das letzte Ticket im Sechser-Team. Beide verfügen über Erstliga-Erfahrung, beide liegen leistungsmäßig eng beieinander, aber beide haben aufgrund von Operationen Trainingsrückstand. Jürgen Bieberbach wurde an der Leiste operiert und Bastian Bieberbach an den Augen. Entscheidend dürfte deshalb die aktuelle Tagesform sein.
Für Bastian Bieberbach, der als 1. Vorsitzender auch abseits der Bahn die Geschicke des Vereins lenkt, ist die neue Saison ohnehin weit mehr als nur der nächste sportliche Wettbewerb.
„Für den PSV Franken Neustadt beginnt mit dem Wechsel ins 120-Wurf-System ein extrem spannendes Kapitel. Man spürt im gesamten Verein eine Vorfreude und eine echte Aufbruchstimmung. Dass wir so viel Qualität im Kader haben, dass sogar um den letzten Platz im Team hart gekämpft werden muss, ist ein Luxusproblem für uns. Wer auch immer am Ende auf der Bahn steht, wird alles für die ersten Punkte des PSV geben.“
Favoritenrolle soll kein Ballast sein
Verstecken will sich beim PSV ohnehin niemand. Dafür ist die individuelle Qualität zu groß – und dafür hat die Mannschaft bereits in der vergangenen Landesliga-Saison angedeutet, was möglich ist, obwohl längst nicht immer sämtliche Topspieler eingesetzt werden konnten.
Jetzt soll der nächste Schritt folgen.
Dass die Vorbereitung noch nicht durchgehend das Leistungsvermögen des Teams widerspiegelte, ändert an den Ambitionen wenig. Vielmehr wissen die Neustadter genau, an welchen Stellschrauben sie bis zum ersten Punktspiel noch drehen müssen. Gleichzeitig zeigten gerade die Leistungen von Wellach und Moosburger, welches Niveau in der Mannschaft steckt.
Die Marschroute von Wellach für den Auftakt beim ambitionierten Aufsteiger im Kreis Schweinfurt ist deshalb eindeutig: die Favoritenrolle annehmen, die eigene personelle Stärke konsequent ausspielen und vom ersten Wurf an Präsenz zeigen.
Denn aus dem vermeintlichen „Abenteuer Landesliga“ soll in Neustadt möglichst schnell mehr werden. Der PSV will nicht nur mitspielen. Die Puppenstädter wollen vorneweg marschieren – und die Mission Wiederaufstieg vom ersten Spieltag an mit Leben füllen.
oph