24/01/2026
Meine Gedanken zum Fall "Sam"...
Ehrlich? Ich bin so sauer die ganzen Tage schon!
Vorab: Hier soll es nicht darum gehen ob der Hund nun wirklich Schuld war oder nicht, Diskussionen darüber sind deshalb auch unerwünscht an dieser Stelle.
Mir gehts um was ganz anderes:
Kommt in den Schlagzeilen, dass ein Hund eingeschläfert werden soll, weil er einen Menschen getötet hat, gibts einen RIESEN Aufschrei! Tausende Menschen unterschreiben, demonstrieren sogar. Jeder dritte ist plötzlich bereit so einen Hund aufzunehmen.
Kurze Frage: Wo seid ihr alle die restliche Zeit im Jahr? In Deutschland sterben Hunde oder sitzen lebenslänglich weil sie "nur" (schwer) verletzt haben! Wo seid ihr bei diesen Hunden? Wer unterschreibt für diese Hunde? Bewirbt sich für sie? Setzt sich ein oder spendet?
Ein paar wenige!
Das finde ich macht sauer. Es ist unfair, dass ein Hund alle paar Jahre, der getötet haben soll, so viel Unterstützung bekommt, weil es groß in den Medien ist während soooo viele andere komplett ungesehen bleiben.
An all die Menschen die unterschrieben haben oder unbedingt diesen Hund nehmen wollen:
Schaut doch z.b. mal bei der , bei oder bei . Hier wird was für all die Hunde getan die in Deutschland getötet werden sollen. Spendet, werdet laut, bewerbt euch. Das sind wirklich Projekte die was tun an den richtigen Stellen und Unterstützung brauchen! Nicht nur ein Hund alle paar Jahre, nur weil er in den Nachrichten ist!
Das Problem ist natürlich das die meisten die schreien "Ich würde ihn sofort nehmen" nicht in der Lage sind solche Hunde zu führen...
Aber das ist nochmal ein anderes Thema.
Sorry, musste heute dringend raus 🙈
22/01/2026
"Aber der hat doch noch niemanden gebissen?!"
Den Satz hab ich über die Jahre öfter gehört und vor kurzem auch wieder.
Charly hat keine Beißvorfälle in seiner Lebensgeschichte und deshalb wird ihm schnell nachgesagt, dass ja alles gar nicht so "schlimm" wäre und der Maulkorb auch unnötig.
Fakt ist: Charly ist nicht auffällig geworden weil ich sein Potenzial erkannt habe rechtzeitig und ihn seit dem korrekt führe und sichere. Ich lebe mit ihm also so, dass er nach außen hin möglichst unauffällig wirkt. So wie es eben sein sollte mit schwierigen Hunden.
Durch viel Training und Routinen sieht das auch von außen alles "leicht" aus. Was schnell vergessen wird: wir sind ein eingespieltes Team das über min. 8 Jahre zusammen gewachsen ist bis es so aussah. Ich muss über den Umgang mit ihm nicht nachdenken, es ist nicht schwer einfach deshalb weil es in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Vor ca. 5-6 Jahren nahm ich ihn in einen Kurs mit das erste mal (da war er 6/7 Jahre). Es war eine Katastrophe. Ich konnte kaum unterrichten, er ist permanent total ausgerastet und als Folge dessen ist tatsächlich ein Kunde auch nicht wieder gekommen. Klar, eine Trainerin die ihren Hund nicht unter Kontrolle hat? Diese Stunde blieb lange hängen in meinem Kopf.
Ich nahm ihn natürlich nicht mehr mit und wir trainierten weiter vor uns hin. 2 Jahre später hab ichs dann nochmal gewagt und hab ihn mitgenommen und er war durch unser unermüdliches Training ein mega Begleiter in den Kursen. Und nach außen hin häufig unauffällig. Einige Kunden kennen allerdings die ein oder andere Eskalation.
Der Maulkorb und den Kontakt den ich ab da zulassen konnte machte auch nochmal deutlich wie ernst er es meint. Es waren einige Kontakte dabei wo klar war: wäre da kein Draht dazwischen gewesen wäre das sehr böse geworden.
Aber am Anfang stand das Wichtigste: bewusst werden, dass dieser Hund durchaus ernsthaft verletzen würde. Rosarote Brille weg, ehrlich zu sich selbst sein und sich nix schön reden. Emotionen so gut es geht mal zurück stellen und das ganz nüchtern betrachten.
Und an alle die solche Hunde führen: es wird besser. Nicht sofort, aber es wird Leichtigkeit rein kommen. Bleibt dran ❤️