17/08/2022
Sit Ups und Mensch ärgere dich Nicht
Die zwei grauen Putzeimer neben der Seitenlinie verheißen nichts Gutes. Sie sind gefüllt mit eiskaltem Wasser. Trainer Jens Krüger, den hier alle nur Jenner nennen, legt ein Handtuch hinein. „Kühlt euch zwischendurch ab“, sagt er und blickt in die Runde. Neun Frauen stehen im Halbkreis um den XYZ-Jährigen herum. Es ist 20 Uhr, die Luft ist stickig. In der Ernst-Bertram-Halle in der Krieterstraße staut sich die Hitze des Tages. Manche trinken noch einen schnellen Schluck Wasser. Gleich wird es anstrengend.
„Wenn irgendjemand diese Übung schon einmal gemacht hat, schmeiße ich zehn Euro in die Mannschaftskasse“, sagt Jenner – und dann legt er ein Mensch-Ärgere-dich-nicht-Brett auf einen Sprungkasten. Drei Teams aus je drei Spielerinnen sollen sich bilden. Dann wird gespielt, nach den üblichen Mensch-ärgere-dich-nicht-Regeln, aber mit unterschiedlichen Fitness-Übungen zu jeder Augenzahl. „Zwei; Liegestütze!“, ruft Lizzy, eine der Torfrauen der vierten Damen der SG Wilhelmsburg, nach dem Würfeln ihrem Team Schwarz zu, bevor sie die Figur auf dem Brett bewegt. Es sind nie viele Durchgänge, nur jeweils fünf, aber zwischen Sit-Ups, Hampelmännern und Cross Crunches merkt man erst, wie lang so eine Partie dauert.
„Hätte ich euch gesagt, dass ihr soundso viele Durchgänge machen müsst, hättet ihr gestöhnt“, sagt der Trainer hinterher. „Mit dem Spiel ist es leichter.“ Jenner nimmt sich viel Zeit für die Vorbereitung der Trainingseinheiten. Kein Training ist gleich. Mal wird zum Aufwärmen Fußball mit zwei Bällen gespielt, dann ein Parcour aufgebaut - früher hätte man dazu wohl Zirkeltraining gesagt - oder am Kreis sitzend an den Würfen von Außen gefeilt. Heute kommt nach dem Brettspiel noch eine Frisbee zum Einsatz. Da die Scheibe bei kaum jemandem dorthin fliegt, wohin gezielt wurde, ist das Gelächter groß.
„Egal wie schlecht ich mich vorher fühle, hinterher geht es mir immer besser“, sagt Stephi, eine der Spielerinnen, die am längsten in der Mannschaft dabei sind. Jenner ist es wichtig, dass seine Spielerinnen bei all dem ambitionierten Programm auch Spaß haben. „Ich habe mal von einem Trainer gehört, bei dem war Lachen im Training verboten“, sagt er. „Das geht gar nicht.“
Trotzdem ist es gar nicht leicht, immer genügend Spielerinnen für die Spiele in der Kreisliga zusammen zu bekommen. In den letzten Monaten haben einige Teammitglieder aufgehört – weil sich Arbeitszeiten verändert haben, Umzüge anstanden oder ein anderer Sport lockte. „Wir suchen deshalb Mitspielerinnen, die Lust haben, Handball auszuprobieren“, sagt Jenner. Gut sei, wenn die Interessierten schon ein bisschen Vorerfahrung mitbrächten. „Die Mindestanforderung wäre aber, dass man werfen und fangen kann.“ Und vielleicht die Mensch-ärgere-dich-nicht-Regeln beherrscht. Team Gelb will demnächst eine Revanche.
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