08/11/2019
Kommentar:
Liebe Fußball- & Fangemeinde, liebe Menschen wie Du & ich,
erstaunlich, wie nun nach einer Dekade ein Schneeball wieder eine Lawine ins Rollen bringt. Dabei frage ich mich, ob jeder Schneeball dabei einen Funken dazu beiträgt, einen Gedanken dafür verschwendet, eine Tat dafür vollbringt, dass diese Lawine ins Rollen kommt. Oder ist es das "Mit dem Strom schwimmen", das uns jetzt an eine der tiefsten Stunden des deutschen Sportlergesellschaftslebens erinnert. Wie viele Schneebälle würden ins Rollen kommen, wäre er der Erste gewesen? Wie viele Funken wären entzündet, wenn die Flamme noch gar nicht aufgekommen wäre? Um den Metaphermodus kurz auszublenden: Übermorgen, am 10. November, jährt sich der Todestag unseres Deutschen Nationaltorwarts und Familienvaters Robert Enke zum zehnten Mal.
Als 14jähriger kam ich damals vom Training heim und entnahm beim Abendessen im Rahmen meiner Familie als erster diese schockierende Nachricht seines Freitods. Schon damals machte ich mir Gedanken, ob dieser Begriff richtig sei. Eine weltweit unterschätzte psychische Krankheit, die, weil sie vermutlich nicht greifbar ist, im 21. Jahrhundert unserer Gesellschaft immer noch auf Inakzeptanz stoßt, zwingt das Vorbild einer 82-Millionen Nation, seine Familie, die selbst aufgrund eines frühen Kindstods das Schicksal zu hinterfragen bedarf, zurückzulassen.
Zehn Jahre später frage ich mich, bedingt durch viele private Erkenntnisse während dieser Zeit, ob unser Horizont der menschlichen Evolution bis dato erreicht wurde.
Medien schlachten unsere Prominenten verbal aus, gerade in Zeiten des Social Media Wahnsinns, in denen sich unter Pseudonymen jeder Internet-Troll ausleben darf, wie er es in der realen Welt -sofern diese noch völlig existiert- sich nie zu trauen vermag. In Zeiten, in den Religionen und Nationen diverser Ideologien ausfechten, wem die Vorherrschaft obliegt. In Zeiten, in denen viele getreu dem Motto "Nach uns die Sinnflut" handeln.
Wer sich damit nicht identifizieren möchte, stößt bei mir auf teilweise Verständnis. Völlig indiskutabel finde ich allerdings, gerade im Bezug auf die Krankheit Depression, ein Hinwegschauen gegenüber vermeintlich Schwächerer oder Schüchterner.
Robert Enke opferte sich, nicht zuletzt durch eine von Autor Ronald Reng ausführlich dokumentierte Biografie sowohl für alle Opfer als auch für die Täter, indem er uns zum Umdenken bewegen sollte.
Dies gelang uns. Etwa eine Woche NACH dem 10. November 2009. Und eine Woche VOR dem 10. November 2019. In Addition zwei Wochen binnen dieser Dekade. Für viele ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich denke, ein paar Tropfen mehr können den eingangs erwähnten Funken entzünden.
In aller Dankbarkeit und allem Respekt
an Nationaltorwart Robert Enke
Pat
Beachsoccer Weiden 2012 e.V.