17/06/2026
In den letzten Wochen hatte ich eine Erfahrung, die mich sehr nachdenklich gemacht hat.
Ich begleite seit über einem Jahr ein Team im psychosozialen Bereich in Supervision und Teamentwicklung. Einen Tag vor unserem letzten Workshop erhielt ich einen Anruf: Die Führungskraft des Teams – mein direkter Auftraggeber – wurde suspendiert.
Im Workshop selbst zeigt sich dann etwas, das ich so nicht erwartet hatte: Viele der Konflikte, die wir über Monate bearbeitet hatten, hatten ihren Ursprung in der Führungsebene. Das Team hat mich als vermittelnde, sichere Instanz gesehen – und darauf bestanden, dass unsere Arbeit weitergeht. In unseren Workshops war Widerspruch (besser) möglich.
Und wenn ich ehrlich bin: Ich hatte den Eindruck, dass die Konflikte eher im Team lagen, und übersehen, wie stark die Führungskraft die Dynamik beeinflusst hat.
Was mich beschäftigt:
Ich habe dieser Führungskraft mehrfach gespiegelt, dass sie ihr Team unterschätzt. Und trotzdem frage ich mich, wie ich die Tiefe des Problems so lange nicht erkennen konnte.
Was ich daraus lerne:
Auch wenn man Teams über längere Zeit begleitet, bleibt es entscheidend, bewusst hinzuhören, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen und offen für andere (auch unausgesprochene) Perspektiven zu bleiben. Dynamiken verändern sich – und manchmal zeigen sie sich erst, wenn sich etwas im System verschiebt.
Warum ich das erzähle?
Mir geht es nicht ums Urteil – dafür gibt es berufenere Stellen.
Aber es erinnert mich daran, wie anspruchsvoll und gleichzeitig wertvoll meine Arbeit ist. Und wie wichtig meine eigene Reflektionsfähigkeit (und der Gang zur Supervision) ist.
Manchmal geht es nur darum, kleine Räume für Mut zu schaffen.
Und in Zukunft schaue ich genauer hin.
P.S.: Dank geht an Julia Pirkenau von surWHYve.at für das Foto, und fürs gemeinsame Denken, Arbeiten, Reflektieren und den gelegentlichen Tritt in den Allerwertesten
20/03/2026
In den letzten Monaten komme ich immer wieder in ähnliche Situationen mit Klient:innen:
Der Moment, in dem mein Gegenüber erkennt, dass Hoffnung nicht nur trägt – sondern manchmal auch festhält.
Und dass Loslassen nicht Kapitulation bedeutet, sondern Freiheit für Veränderung.
Viele der Menschen, die ich derzeit begleite, arbeiten in Organisationen, die unter öffentlicher Beobachtung stehen und durch schwierige Zeiten gehen. Die vorherrschenden Gefühle sind oft dieselben: Enttäuschung über eine Organisation, an die man so sehr geglaubt hat, Scham und oft die Frage, ob man etwas hätte früher sehen müssen. Und Wut, die oft kein Ventil findet.
Eine Freundin hat vor kurzem einen Blog gefunden, der das gut zusammenfasst:
"Moral injury in the workplace is deep psychological, emotional, and spiritual distress resulting from actions—or inaction—that transgress deeply held moral beliefs and values. It occurs when employees are forced to violate their ethics, witness unethical behavior, or feel betrayed by leaders, leading to profound guilt, shame, and burnout."
Alles völlig normale Reaktionen auf Situationen, die alles andere als normal sind.
Am Anfang einer Supervision sage ich deshalb oft: „Es ist in Ordnung, dass es dir so geht. Das ist eine normale Reaktion auf eine abnormale Situation.“
Und das kann der Moment sein, in dem jemand zum ersten Mal wieder durchatmet – oder die Faust ballt und einmal richtig auf den Tisch oder in ein Polster hauen kann.
Danach entsteht mit der Zeit Raum: für Ruhe, für Sortieren, für neue Perspektiven.
Eine Klientin meinte letztens: „Ich bin so erleichtert, dass ich da nicht alleine durch muss.“
Ich fühle mich nie so sinnvoll wie in diesen Momenten.
Wenn du gerade viel trägst, unter Druck stehst oder Orientierung suchst:
Ich biete Einzelsupervision an – online, in Graz oder nach Vereinbarung in Wien.
Ein 20‑minütiges Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
09/02/2026
Ich habe heute in der Mittagspause Bad Bunny’s Superbowl‑Auftritt nachgeschaut. Ich glaube, ich habe das überhaupt noch nie getan: weder ein American‑Football‑Spiel noch einen Superbowl‑Act gesehen. Aber ich mag Bad Bunny, DtMF läuft bei mir in Dauerschleife – und wenn sich der aktuelle US‑Präsident so darüber aufregt, wollte ich es mir selbst ansehen.
Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie viele unausgesprochene Hierarchien wir in uns tragen.
Welche „Ausländer“ als „gut“ gelten und welche als „schlecht“. Welche Sprachen als „wertvoll“ gelten und welche als „unnötig“. Nichts Neues – aber immer wieder ernüchternd.
In den USA geht es viel um POC und Latinx. Bei uns zeigen sich zusätzlich Antislawismus, antimuslimischer Rassismus, und auch Antisemitismus sitzt tief im kollektiven Unterbewusstsein.
Ich merke das oft an kleinen Dingen:
Englisch, Französisch, Spanisch? Kein Problem.
Griechisch? Stirnrunzeln.
Persisch (Dari) oder Kroatisch? Ein hörbares „Warum das?“.
Wenn ich erzähle, dass ich in Italien mit Jugendlichen gearbeitet habe: alles easy. Wenn ich sage, dass das im Auftrag einer israelischen Organisation war und die Jugendlichen jüdischer Abstammung sind, verändert sich sofort etwas. Und wenn ich erwähne, dass ich um ein Haar bei dem israelischen Festival gewesen wäre, das angegriffen wurde, lande ich in Schubladen, in denen ich mich selbst nicht wiederfinde. Gewalt ist für mich falsch. Immer. Und das Töten von Kindern sowieso.
Dann ist da noch meine Zeit bei SOS Kinderdorf. Und die Band, die wir damals „The G‑Meiners“ genannt haben. Hätten wir gewusst, was wir heute wissen, hätten wir diese T‑Shirts nicht gedruckt. Und trotzdem: wichtige Arbeit an vielen Orten, und gleichzeitig furchtbare Dinge, die passiert sind. Wer mich heute dazu fragt, bekommt meist ein „Wie viel Zeit hast du?“.
Das Leben besteht aus Ambiguität. Aus Widersprüchen. Aus Dingen, die gleichzeitig wahr sind und schwer auszuhalten.
Damit klarzukommen, sehe ich als Teil meines Menschseins. Und als Teil meiner Arbeit: sortieren, Klarheit schaffen, weitergehen. Und miteinander reden – gerade wenn es nicht einfach ist.
04/02/2026
Last week, I put on my moving clothes to attend a powerful workshop on Leadership in the Body, facilitated by Ana Bernardes, Paola Bortini, and Pierre Goirand, hosted by alp – activating leadership potential.
I arrived with a knee that had been bothering me for a while. Which turned out to be part of the work rather than an obstacle. Movement became less about performance and more about listening.
On the second evening, over dinner with friends, I tried to explain what embodiment does to leadership. How what we feel and sense shapes our stance, our focus, our energy, and what we transmit to others. And how this, in turn, affects the people around us.
I’m not sure I succeeded. Some things are hard to put into words. They are meant to be experienced.
What stayed with me was a quiet but profound shift. A bit of healing. And an embodied realization: those who hurt us should not have power over us. Something I understood intellectually before, but which has now landed more fully in my body.
One practice keeps returning to me, simple and precise:
Inhale – uplift
Exhale – relax
Expand – be spacious
Invite – a quality of your choosing
This kind of embodied work continues to inform my practice as a supervisor and coach, and it also weaves into how I currently think about leadership on and off the stage.
If you’re curious to explore this kind of work, feel free to reach out.
08/01/2026
Heute ist der Tag des Schaumbades.
Kein großer Hashtag-Feiertag.
Kein Produktlaunch. (Sowas mache ich sowieso nicht.)
Ich hab auch keine „5 Learnings aus dem Schaumbad“ für Euch.
Nur eine kleine Erinnerung.
In meiner Arbeit geht es oft um Dynamiken, Verantwortung, Konflikte, Führung. Um Menschen, die viel halten, viel denken, viel tragen.
Ich arbeite mit Leuten, die oft das Gefühl haben, permanent unter Wasser zu sein und kaum Luft zu bekommen.
Zeit zum Atmen? Fehlanzeige.
Und genau deshalb sage ich heute:
Pausen sind kein Luxus.
Regeneration ist kein Bonus.
Sie ist Teil von Professionalität.
Niemand kann immer unter Wasser sein.
Niemand kann alles allein tragen, kontrollieren, tun.
Manchmal braucht es keinen neuen Impuls.
Sondern warmes Wasser.
Ruhe.
Einen Raum, in dem niemand etwas von dir will.
Happy Tag des Schaumbades.
Was auch immer dein Schaumbad gerade ist. 🫧
03/01/2026
Neujahrsidentität statt Neujahrsvorsätze.
Nicht fragen, was du tun willst –
sondern wer du werden möchtest.
Und wenn du eine Sparring‑Partnerin fürs Denken suchst, meld dich gerne.
02/01/2026
Heute ist der Tag der Introvertierten.
Und ich, kaum zu glauben, fühle mich angesprochen.
Ich bin ambivertiert.
Ich liebe Tiefe und Stille genauso wie Austausch, Bühne und lebendige Diskussionen.
Ja, das weißt du wahrscheinlich über mich: Ich kann laut sein - eine Rampensau, die sich in Gruppen wohlfühlt.
Und ich kann sehr leise werden. Dann brauche ich den Ausgleich, die Stille, das Wasser und meine gelbe Couch daheim.
In meiner Arbeit als Supervisorin und Coach erlebe ich es immer wieder:
In Teams sind es oft nicht die Lautesten, die den Durchbruch bringen.
Es sind die, die lange zuhören.
Die feine Verschiebungen wahrnehmen.
Die spüren, was da läuft, während andere vor lauter Reden nichts mehr fühlen.
Manchmal reicht ein ruhiger Satz zur richtigen Zeit, um eine Dynamik zu klären oder einen Konflikt zu lösen.
Nur: diese Stimmen gehen leicht unter, wenn Reden mit Wirksamkeit verwechselt wird.
Gute Zusammenarbeit braucht beides:
Menschen, die den Raum füllen.
Und Menschen, die ihn lesen können.
Wann hast du dir das letzte Mal Zeit genommen, den Leisen in deiner Umgebung zuzuhören? 💙
23/12/2025
As the year slows down, I spent last night and this morning with a dear friend. Sitting at her kitchen table over breakfast, I was reminded how much this season is not about answers, but about listening.
Listening to what the body needs after a full year.
To what wants to be integrated, not fixed.
To what can rest, without having to be productive.
She asked me a simple, powerful question:
What makes you really happy right now?
My answer had two parts.
The first: clients who are happy and who come back to coaching and supervision. Not because things aren’t resolving, but because they are. Because the work is meaningful, and they want to take the next step.
The second: the girls in our youth team. Their voices, their opinions, their hopes and dreams for the future.
For me and for many people around me, this year has been extremely full. Ups and downs. Uncomfortably quiet moments and wildly busy ones. And once again, it reminded me that real leadership often happens quietly. In moments of presence. In choosing not to rush. In letting complexity soften before trying to resolve it.
For the days ahead, I wish you time to land.
To breathe.
To feel what has carried you this far.
May the holidays offer gentleness.
And may the coming year meet you with steadiness, courage, and enough space to sense what’s next. ✨
16/12/2025
Es ist soweit! It's time!
It’s out.
My TEDx talk “Leading Underwater — What Leaders Can Learn from Underwater Rugby” is now live.
This talk comes from years spent underwater — learning what clarity, trust, timing, and shared leadership really mean when communication is limited and pressure is high.
If you’re curious about leadership beyond titles, about teamwork without words, and about knowing when to dive deep — and when to come up for air — I’d love for you to watch.
🎥 Link to the talk in the comments.
I’m curious to hear what resonates with you.
Er ist online.
Mein TEDx-Talk „Leading Underwater — What Leaders Can Learn from Underwater Rugby“ ist jetzt verfügbar.
Der Talk ist aus vielen Jahren unter Wasser entstanden — aus Erfahrungen darüber, was Klarheit, Vertrauen, Timing und geteilte Führung wirklich bedeuten, wenn Kommunikation begrenzt ist und der Druck steigt.
Wenn dich Führung jenseits von Titeln interessiert, Zusammenarbeit ohne Worte — und die Frage, wann es Zeit ist, tief einzutauchen und wann aufzutauchen — dann schau gern rein.
🎥 Link zum Talk in den Kommentaren.
Ich freue mich über Gedanken, Rückmeldungen und Gespräche dazu.
09/12/2025
Heute durfte ich eine Gruppe in der vorweihnachtlichen Gruppensupervision begleiten – und wir haben den Abschluss mit einer meiner Lieblingsübungen gefeiert: der Komplimentedusche.
Zwei Minuten lang bekommt eine Person nur Gutes zu hören. Ausschließlich positives, wertschätzendes Feedback von Kolleg:innen, die gemeinsam durch intensive Monate gegangen sind.
Heute war es besonders schön: Für eine junge Frau war es ihr letzter Termin im Team. Die Wärme, die Verbundenheit, die klaren Worte darüber, was das Team geprägt hat und was bleibt – das war spürbar: Du hast einen Fußabdruck hinterlassen.
Solche Momente zeigen, wie viel Kraft in guter Zusammenarbeit steckt. Und wie wichtig Räume sind, in denen Teams nicht nur arbeiten und einander oft auch kritisch hinterfragen, sondern auch innehalten, anerkennen, und sich gegenseitig auch mal die guten Dinge sagen.
Ein richtig guter Jahresabschluss-Moment. ✨
EN:
Today I got to guide a team through their pre-holiday group supervision – and we closed with one of my favourite exercises: the compliment shower.
For two full minutes, one person receives nothing but kind words. Pure, appreciative feedback from colleagues who have been through an intense few months together.
Moments like these show how much strength lies in healthy collaboration. And how important it is to create spaces where teams not only get the work done and critically question each other, but also pause, acknowledge, and actually tell each other the good things.
A truly lovely way to close the year. ✨