29/09/2026
KOTL '26 oder man lernt nie aus.
Ein reines Zeitfahren, ohne WarmUp im Wasser, ohne anschließendem lockeren Auslaufen, einfach nur ein kleines Ründchen Radln und fertig.
Der Attersee präsentierte sich Ende September von seiner perfekten Seite, Sonnenschein, angenehme Temperaturen und nur eine leichte Brise. Es war angerichtet.
Vor Ort neben den vielen Hobbyathleten und ihren geliebten Renn- und Triathlonrädern auch die reinrassigen Zeitfahrmaschinen der Profis und Semi-Profis. Ein Kettenblatt vorne, groß wie ein Tortentablet, keine Storageboxen, keine Flaschenhalter, einfach nur Speed.
Unmittelbar vor dem Rennen versuchte ich noch soviel Info wie möglich hinsichtlich Renneinteilung und Versorgung zu bekommen. Idealerweise standen mit Roli und Patrick Papst, sowie Rene Huber einige Bekannte ebenfalls auf der Startliste. Allesamt bereits mit KOTL Erfahrung, ideal um sich noch ein paar Tipps hinsichtlich Streckenführung, Renneinteilung und Versorgung zu holen.
35' vor meiner Startzeit, war ich auf der WarmUp Strecke unterwegs, locker Pedallieren. Mein Motto, Bewegung ja, aber kein Körnchen zu früh verschießen.
15' vor Startzeit stellte ich mich beim Start an und dann ging alles irgendwie so schnell, dass keine Zeit für Nervosität blieb.
Mit meiner Startnummer "866" hatte ich Glück, mittendrin in einer Gruppe von U60 Fahrern der Kategorie EZF (Einzelzeitfahren) und parallel dazu Teilnehmer mit RR (Rennrad). Parallel heißt, dass von der Startrampe im 12" Abstand wechselweise ein EZF und ein RR auf die 47,2 km lange Reise um den See geschickt wurden.
Gleich nach dem Start ging es eine kurze Steigung hoch, ideal um gleichmal mächtig Watt zu treten, ob's sinnvoll war, egal. Das Ego hat's befriedigt.
Auf dem folgenden leicht abschüssigen Teilstück galt es Aeroposition und Rhythmus zu finden und Iltschi freien Lauf zu lassen.
Als KOTL-Neuling trat jetzt mein Masterplan zu Tage. Mehr Teilnehmer überholen, als selbst überholt zu werden. Schon nach wenigen Km wurde mir klar, die Armen mit ihren RR kannst nicht mitzählen, zu eklatant war hier der Geschwindigkeitsunterschied. Aber die EZF Startnumern 864, 862, 860, ... holte ich mir und schon war ich am Südende des Attersees angekommen, jetzt kam die für mich Schlüsselstelle, die längste Steigung auf der Umfahrung Unterach. Obwohl ich gefühlt einen guten Rhythmus hatte, musste ich die 860 und 862 wieder an mir vorbeilassen, nur abhängen konnten sie mich nicht. Mehr als 100m Vorsprung konnten sie sich nicht erarbeiten. Einige Km weiter war die 862 dann auch schon wieder hinter mir und ab jetzt hatte ich einen neuen Plan. Ich wollte die 860 nicht aus den Augen verlieren und am Ende noch attackieren. Ob das bei einem Zeitfahren so üblich ist, keine Ahnung, ich war jetzt im Rennmodus.
Zwischendurch überholte mich ca nach 30 Km als erster Fahrer die 880. Ein starker Athlet mit Endzeit 1:05.
Obwohl das Westufer welliger war als die ersten Km auf der Ostseite, war es vom Kopf her jetzt leichter für mich. Auf jeden Anstieg folgte eine flotte Abfahrt und die Km schwanden wie Schnee in der Sonne. Nach rund einer Stunde Fahrzeit hatte ich fast 41 km hinter mir und damit ein erhofftes Ziel erreicht.
War es bisher anstrengend wurde es jetzt hart. Die Beine begannen richtig zu brennen. Die bis zu 13% Steigung zur Kirche Litzlberg erklomm ich im Wiegetritt und mit dem Ziel 860, dem ich jetzt sukzessive wieder näher kam.
Dann kam Seewalchen, letzter Anstieg, das Ende nahte, ich gab nochmal alles und wurde trotzdem noch von einem zweiten Fahrer, 878, überholt, ließ aber nicht locker und konnte auf der letzten Abfahrt zur technisch anspruchsvollsten Stelle, der Rechtskurve über die Agerbrücke, die Lücke schließen. Die Kurve nahm ich mit viel Zug, ließ mich ganz nach links außen treiben und konnte dabei die 878 retour überholen und bretterte mit weit über 600 W nur wenige Meter hinter der 860 ins Ziel. Mit meinen 1:09:23 war ich sehr zufrieden und erstaunlicherweise fühlten sich auch meine Beine wenige Minuten nach dem Zieleinlauf wieder relativ normal an.
Gutes Zeichen, oder doch nicht alles gegeben?
Jedenfalls war es ein cooles Erlebnis und mit nur 52" Rückstand auf Patrick Papst, kann ich jetzt herrlich analysieren wo ich pro Km 1,1 Sekunde verloren habe.