19/08/2026
Der Vagusnerv ist hip und wird oft als Entspannungsnerv bezeichnet. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Der Vagus ist der zehnte Hirnnerv und bildet eine wichtige Verbindung zwischen Gehirn und Körper. Er übermittelt Informationen aus unseren Organen an den Hirnstamm und beeinflusst umgekehrt unter anderem Herz, Lunge und Verdauung. Gleichzeitig ist er an der autonomen Regulation, Schmerzverarbeitung und Immunmodulation beteiligt. Das macht den Vagus zu einem Bestandteil der sogenannten Gehirn-Körper-Kommunikation, nicht zu einem isolierten Entspannungsnerv.
Im Yoga begegnet uns der Vagusnerv häufig im Zusammenhang mit Atemübungen, Entspannung und der Regulation des Nervensystems. Langsames Atmen kann beispielsweise Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und andere autonome Parameter verändern. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir mit jeder Atemübung gezielt den Vagusnerv „aktivieren“. Der Vagusnerv ist zwar ein wichtiger parasympathischer Nerv, aber die Aussage "Vagus = Ruhe und Erholung" ist eine Vereinfachung. Denn er überträgt sensorische Informationen, beteiligt sich an Reflexen und kann je nach Organ, Signalrichtung und Kontext unterschiedliche Wirkungen haben.
Wir müssen im Yoga gar nicht versprechen, den Vagus „zurückzusetzen“. Ruhige Atemübungen, sanfte Bewegung, bewusste Körperwahrnehmung können wertvolle Reize für die autonome Regulation setzen. Sie können uns dabei unterstützen, Aktivierung wahrzunehmen und flexibler mit unterschiedlichen Zuständen umzugehen. Dabei können zusätzliche Techniken, die den Vagusnerv ansprechen, die Regulation unterstützen. Sie sollten aber individuell betrachtet werden, denn wir wollen den Vagus nicht kontrollieren, sondern dem Körper unterschiedliche Reize anbieten und wahrnehmen, wie er darauf reagiert.
14/07/2026