17/02/2018
Schreckgespenst Pferdehänger – Verladen ist aber keine Zauberei
Das Verladen eines Pferdes stellt für viele Pferdebesitzer eine große Herausforderung dar. Schaut man dabei zu, weiß man oft nicht, ob man weinen oder lachen soll. Geht das vertrauensvolle, immer geliebte Seelenpferd nämlich nicht in den Hänger, gibt es diverse Hilfsmittel: Peitschen, Gerten, Longierleinen, Wedelinstrumente in verschiedenen Farben und Ausführungen, Stallbesen, Wasserpistolen und Bälle, die man auf die Hinterhand der Pferde wirft (ja, auch das habe ich schon gesehen) und das Verbinden der Augen scheint auch noch gang und gäbe zu sein. Und das, obwohl das Innere des Pferdehängers einer Feinschmeckerabteilung Konkurrenz machen könnte. Schüsseln mit Müsli, Hafer, Mash u.a. Möhren, Äpfel und Bananen werden auch gern aufgehangen bzw. von der Stallkollegin direkt vor die Pferdenase gehalten in der Hoffnung, das Pferd folgt diesen Versuchungen. Pferde werden auch sediert, aber selbst im Delirium bleiben manche wie angewurzelt stehen und fallen lieber um, statt den Hänger zu betreten.
Das vertrauensvolle Verladen eines Pferdes steht bei mir ganz oben auf der Tagesordnung. Ich habe weder Lust/Zeit/Nerven, in einer Situation, in der ich unter Druck stehe oder die für mein Pferd lebensbedrohlich sein kann, über den Hänger zu diskutieren. Never ever!
Wie sieht ein Verladen aber oft in der Praxis aus? Es gibt fünf Standard-Szenarien:
1. Pferd steht in gebührlichem Abstand (2m-4m) vor dem Hänger und glotzt. Nach rechts, nach links, nach hinten oder einfach nur stumpf vor sich hin. Was es nicht tut: sich dem Hänger auch nur noch einen Schritt nähern.
2. Pferd wird an den Hänger herangeführt und ab einer magischen Grenze der Annäherung, die von Pferd von Pferd unterschiedlich ist, springt es weg.
3. Pferd geht auf die Rampe. Aber nur mit zwei Hufen. Das macht doofe Geräusche und schon wird sicherheitshalber der Rückwärtsgang eingelegt. In diesem Fall noch moderat, in den Komfort-Abstand.
4. Pferd geht auf die Rampe, mit allen vier Hufen. Aber der Kopf bleibt draußen, komme da, was wolle. Fragt man für einen weiteren Schritt in Richtung Hängerinneres, wird verweigert, konsequent.
5. Pferd geht in den Hänger. Alle freuen sich, es wird gelobt, gestreichelt, gefüttert (von der Stallkollegin, die mit dem Pferd im Hänger steht). Aber wehe, man versucht, die Stange oder gar die Klappe zu schließen. Dann nämlich dämmert es dem Seelenpferd, das hier was ganz Blödes vor sich geht. Es ist dann in 0,1 Sekunden im Renngalopp, rückwärts natürlich.
Dabei ist das Verladen eines Pferdes gar keine Zauberei. Allerdings braucht man Geduld, und zwar mehr als das Pferd. Ich übe das Verladen in ganz kleinen Schritten:
1. Pferd macht sich mit dem Hänger VON AUSSEN vertraut, Klappe ist geschlossen (um den Hänger laufen, auf eine Radkappe eine Möhre legen, in unmittelbarer Nähe des Hängers grasen lassen).
2. Klappe öffnen, gleiches Szenario wie 1, ggf. auch mal eine Möhre oder einen Apfel auf die Rampe legen und das Pferd heranführen.
3. Betreten der Rampe mit einem oder zwei Vorderbeinen. Pferd wieder weg führen.
4. Betreten der Rampe, so dass das Pferd mit allen vier Beinen auf dem Hänger steht. Pferd wieder weg führen.
5. Pferd soll nun in den Hänger gehen und ca. 3 Sekunden stehen bleiben. Wichtig ist hierbei, dass ICH den Impuls zum Rückwärtstreten gebe, damit das Pferd wieder herauskommt. Pause!
6. Statt die Stange dann zu schließen, benutze ich ein robustes Seil. Wenn das Pferd im Hänger steht halte ich das Seil quer, damit das Pferd, sollte der Rückwärtsimpuls kommen, einen Widerstand spürt. Wird dieser Widerstand zu heftig, kann ich jederzeit loslassen. Pferde, die gelernt haben, auf stetigen Druck zu weichen, akzeptieren das aber sehr schnell. Dann, und erst dann, schließe ich die Klappe.
Alle Schritte sollten ruhig und an möglichst verschiedenen Tagen geübt werden, je mehr Wiederholungen, desto besser. Wichtig: Niemals bestrafen, sondern ruhig und konsequent die Sequenzen einfordern.
Ich bevorzuge, mein Pferd alleine verladen zu können, es gab in unseren gemeinsamen Jahren schon einige Situationen, in denen das Verladen schnell gehen musste und niemand zur Stelle war. Versucht also, seitlich neben dem Pferd zu stehen, damit es ohne eine weitere Person einsteigt.
In diesem Sinne: der Frühling naht, auch die Turnier- und Kurssaison. Und mit einer entsprechend guten Vorbereitung wird Euer Pferd ohne Stress einsteigen. Allerdings: niemals wirklich gerne, denn der Hänger ist und bleibt für das Fluchttier Pferd keine Komfortzone, sondern ein kleiner, enger Raum.
Falls Ihr dann doch Probleme habt, könnt Ihr mir gerne Anfragen für ein Hängertraining senden.
Darf nicht mit in den Hänger😀