01/10/2026
Was meine ich mit „tiefer“?
Für mich liegt eine der wichtigsten Erfahrungen im Yoga darin, eine Verbindung zu mir selbst zu entwickeln, die über das hinausgeht, was gerade an der Oberfläche geschieht.
Ich würde es meinen Wesenskern nennen. Andere sprechen vielleicht von der Seele oder dem höheren Selbst. Der Begriff ist für mich gar nicht entscheidend. Entscheidend ist die Erfahrung: Da ist etwas in mir, das bleibt.
Dorthin führt allerdings kein direkter Weg.
Für mich bedeutet Yoga auch, durch die verschiedenen Schichten meiner Persönlichkeit zu gehen und sie kennenzulernen. Die Seiten, die ich an mir mag. Und genauso die, die unbequem sind. Meine Zweifel, Ängste, Bedürfnisse, Widersprüche und Grenzen.
Dabei spielt auch mein Nervensystem eine wichtige Rolle. Denn innere Unruhe, Anspannung oder Unsicherheit verschwinden nicht einfach, nur weil ich sie verstanden habe. Ich muss sie zunächst wahrnehmen und lernen, mit diesen Zuständen umzugehen.
Nicht alles lässt sich wegatmen oder wegmeditieren. Einiges will wahrgenommen und gespürt werden. Und ja, das kann auch schmerzhaft sein.
Aber genau dadurch lerne ich mich kennen. Und daraus können mit der Zeit mehr innere Ruhe und Klarheit entstehen.
Denn wie soll ich mir selbst vertrauen, wenn ich nur die Seiten von mir kenne, die ich gerne sehen möchte?
Auch ich verliere die Verbindung zu mir. Ich zweifle, werde unsicher, gerate aus meiner Mitte.
Der Unterschied ist: Ich weiß heute, dass dieser innere Halt nicht verschwunden ist. Und ich weiß, wie ich wieder zu ihm zurückfinden kann.
Das ist für mich eine der tiefsten Erfahrungen, die Yoga mir ermöglicht hat:
Nicht unerschütterlich zu werden. Sondern zu wissen, wohin ich in mir zurückkehren kann.
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