22/04/2016
+++Domkicker schaffen die Pokalsensation und gewinnen mit 2:1 gegen Hacke Bleiluft+++
Es lief zuletzt nicht rund für die ACDomkicker.
Aber es gibt diese magischen Pokalnächte, in denen die normalen Regeln des Fußballs nicht mehr gelten, und auf einmal ist alles möglich.
Genau so ein Spiel ereignete sich am Montag Abend in der Haarener Arena.
Ein Spiel, bei dem man ein paar Tage Abstand braucht um wirklich zu realisieren, dass das, was sich da auf dem Rasen abspielte, auch wirklich so passiert ist.
Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass Flutlichtspiele was besonderes sind, auch in der Bunten Liga.
Auch wenn das Flutlich gelb, und ein Mast kaputt ist.
Schon vor dem Spiel war die Stimmung in der Kabine angespannt, es wurde nicht viel geredet. Die letzten beiden Niederlagen hatten am Selbstvertrauen der Schwarz Gelben genagt, und schon wieder hatte sich keiner bereit erklärt, einen Kasten Bitburger Premium Pils mitzubringen. Keine guten Vorassetzungen also.
Hoffnung machte allerdings die Rückkehr von Peer Dosch, der mehr als 1000 Tage, nachdem er sich mit der Mannschaft überworfen, und der Domkickerfamilie wütend den Rücken gekehrt hatte, wieder im Schwarz Gelben Trikot auflief.
"Es gab gute Gespräche mit dem Vorstand und die alten Geschichen sind endgültig gegessen. Ich bin heiß und möchte meinen Einstand heute natürlich am liebsten mit einem Tor krönen, aber es wird hart", erklärte Dosch auf der PK vor dem Spiel.
Und er sollte Recht behalten.
In der ersten Halbzeit spielten quasi nur die Gastgeber in den blauen Trikots, und die Domkicker hatten alle Mühe, eine Katastrophe zu verhindern.
Auch deshalb, weil Capitano Lennartz, der sonst so sicher im Abwehrzentrum das Spiel leitet, an dem Tag wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden war, unter einer Leiter durch ging, Salz verschüttete und dazu noch einen Rabenschwarzen Tag erwischte. Bei einem harmlosen Schüsschen der Hacker bekam er seinen massigen Leib nicht mehr vollständig aus der Schussbahn und fälschte den Ball unhaltbar ab.
"Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass man in dieser Mannschaft nicht zu Null spielen kann", wirkte Keeper Geulen nach dem Spiel etwas konsterniert, "aber wir haben gewonnen und das ist natürlich die Hauptsache."
Lennartz, der nach dieser unglücklichen Aktion hochmotiviert war, seinen Fauxpas wieder auszumerzen, schnappte sich kurz vor der Halbzeit mit entschlossenem Blick das Leder, als es einen Freistoß aus rund 35m zu treten gab.
Mehrere Mitspieler forderten ihn auf, den Ball in den Strafraum zu flanken, doch er wollte wohl seine Ehre als Teamleader retten und eigenfüßig für den Ausgleich sorgen.
So nahm er ungefähr dieselbe Distanz, die der Ball zum Tor hatte Anlauf und drosch den Ball mit einem Gewaltschuss in Richtung Winkel.
Wären Scouts aus der NFL unter den Zuschauern gewesen, sie hätten ihn wohl noch auf dem Bierdeckel nach dem Spiel als Kicker unter Vertrag genommen, so hoch wie der Ball über die Querlatte flog. So aber blieb es bei dem ehrenwerten Versuch, als zweiter Mensch nach Sergio Ramos den Ball ohne techische Hilfsmittel aus der Erdatmosphäre zu berfördern. Für die Medien war das natürlich wieder ein gefundenes Fressen, um mit ihren reißerischem und sensastionslüsternem Geschreibe einen Trainerwechsel zu orakeln, aber Lennartz belehrte sie alle eines besseren, in dem er in der Halbzeit seinen Edeljoker R. Frömmer zum warmmachen schickte.
"Zeig ihnen, dass du besser bist als Messi", gab er ihm mit auf dem Weg, als die zweite Hälfte begann und die Worte schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen.
Zunächst brauchten die Domkicker ein wenig Zeit um neu ins Spiel zu finden, aber dann passierte das, was man wohl als Schicksal bezeichnen kann. Nachdem Frömmer einen desolaten Fehleinwurf des Gegners antizipierte, war es ausgerechnet der verlorene Sohn, enfant terrible Peer Dosch, der den Ball mit purer Willenskraft über die Linie bugsierte und danach unter einer Traube seiner Mitspieler begraben wurde.
Danach agierten beide Teams passiv, beide hatten Angst den entscheidenden Fehler zu machen. Spieler und Fans fanden sich langsam mit der Verlängerung ab, da schnappte sich Frömmer den Ball, spazierte mühelos durch die komplette gegnerische Hintermannschaft und versenkte den Ball im langen Eck.
Minuten später versagte das Flutlicht endgültig seinen Dienst und tauchte die Pokalchancen der Bleiluftler in tiefe Dunkelheit.
Die ACDK hingegen waren überglücklich, endlich mal wieder als Sieger vom Platz zu gehen, allerdings gab es gleich nach Abpfiff natürlich wieder mahnende Worte von Julius Laschet: " Das war nur ein Schritt auf einem langen Weg und nächste Woche spielen wir wieder in der Liga auf Bildchen (gegen Olympiakos Bieräus Aachen, d. Red.), das wird wieder ein ganz anderes Spiel. Wie ein Blinder beim Gruppensex werden wir uns vorsichtig an die Dinge herantasten müssen."
Wo er Recht hat...