07/10/2024
Alle Fleischalternativen sind nur Chemie!
Ich: Ja, das stimmt!
Chemische Stoffe sind die Grundbausteine für alles in der Welt. Sämtliche Lebewesen (Menschen, Tiere und Pflanzen) bestehen daraus. Alle Lebensmittel setzen sich aus chemischen Stoffen zusammen, diese sind meistens unschädlich. Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine, Fette und Ballaststoffe bestehen aus chemischen Verbindungen. Sogar Wasser ist eine Verbindung von zwei chemischen Elementen, nämlich Wasserstoff und Sauerstoff (H2O). Und zum Leben brauchen wir alle Sauerstoff. Es gibt kein Leben ohne Chemie!
Was ist eine Fleischalternative? Fleisch ist ein Geschmackträger! Veganer und Vegetarier ersetzen den Geschmacksträger "Fleisch" durch verarbeitete Fertigprodukte und/oder Tofu, strukturiertes Soja, Seitan, Tempeh, Lupinen, Jackfruit, Sonnenblumenhack, Pilze und Gemüse. Es ist kein Nachahmen vom Fleischgeschmack, sondern einfach ein Austausch vom Geschmacksträger! Der Geschmack kommt von den Gewürzen, Zutaten & Saucen und nicht vom Fleisch.
Für mich gibt es zwei verschiedene Arten von Fleischalternativen! Erstens sind es stark industriell verarbeitete Fertigprodukte wie Wurst, Schnitzel, Burger & Co, die man kalt essen kann, einfach nur warm gemacht oder angebraten werden müssen. Zweitens sind es Produkte wie Tofu, Tempeh, Seitan, strukturiertes Soja (Sojawürfel, Steaks & Sojagranulat), Lupine, Sonnenblumenhack, Jackfruit oder auch Pilze. Diese Produkte sind meistens einfach verarbeitet und müssen weiter verarbeitet werden.
Ich lebe jetzt seit mehr als zehn Jahren vegan, mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl an Fertigprodukten. Ich kann mich noch an meine Anfänge erinnern, die ersten veganen Würste, die ich gegessen habe, haben irgendwie wie Stockbrot geschmeckt.
Was ist Tofu? Der Klassiker unter dem Fleischersatz ist Tofu. Wer kennt den Spruch: Tofu schmeckt mir nicht! In den meisten Fällen hat von diesen Personen noch nie jemand Tofu gegessen. Mehl schmeckt mir auch nicht, es ist alles eine Frage der Zubereitung.
Nein, für Tofu wird kein Regenwald abgeholzt, der Soja für die meisten europäischen Tofusorten wird in Deutschland, Italien, Österreich oder Frankreich angebaut.
In China, Korea, Japan, Vietnam und Thailand ist Tofu ein Grundnahrungsmittel neben dem Reis. Tofu kennt eigentlich jeder? Aber was ist eigentlich Tofu? Tofu wird aus Sojamilch hergestellt. Danach wird die Sojamilch mit Gerinnungsmitteln Nigari und/oder Calciumsulfat versetzt, wodurch die Sojamilch ausflockt und es entsteht eine Art Sojaquark. Die Eiweißflocken kommen dann in sogenannte Presskästen und werden zu Blöcken gepresst. Durch Veredlung entstehen dann die verschiedenen Sorten. Räuchertofu hat durch das Räuchern einen rauchigen Geschmack, weißer Tofu ist da eher geschmacklos. Weißer Tofu kann super in Chili con Tofu verwendet werden oder auch in Rührtofu. Ich benutze für mein Rührtofu immer das Salz Kala Namak, es gibt dem Tofu einen Ei-Geschmack, da das Salz einen sehr hohen Schwefelgehalt hat.
Was ist Tempeh? Tempeh stammt ursprünglich aus Indonesien und ist ein Fermentationsprodukt, das durch die Beimpfung von gekochten Sojabohnen durch bestimmte Pilzarten hergestellt wird. Tempeh enthält, ähnlich wie Tofu, sehr viel hochwertiges Eiweiß und viele gesundheitsförderliche Ballaststoffe. Tempeh ist etwas fester als Tofu und sein Geschmack ist mild bis leicht nussig. Tempeh lässt sich mit unterschiedlichsten Gewürzen verfeinern und ist zum Braten, Frittieren oder Backen geeignet. Neben der Sojabohne eignet sich auch die Lupine zur Tempehherstellung, Lupinen können ebenso wie Soja verarbeitet werden.
Was ist Sojafleisch? Für Sojafleisch oder texturiertes Soja wird das Eiweiß aus der Sojabohne isoliert, entfettet und unter hohem Druck mit Wärmezugabe strukturiert. Das Ergebnis ist texturiertes Sojaprotein, es schmeckt neutral und hat eine fleischähnliche, faserige Konsistenz. Es gibt Sojawürfel, Steaks & Sojagranulat. Die Würfel eignen sich für Gulasch und das Granulat ist perfekt für Bolognese oder Käselauchsuppe. Steaks sind in ihrer Grundform wie ein Stück Knäckebrot, an dem man sich die Zähne ausbeissen kann. Alle drei Sorten müssen erstmal weich gekocht werden, am besten in Wasser mit Brühe, Senf & Sojasauce. Die Big Steaks sollten am besten in der Pfanne zubereitet werden, da sie durch das einweichen sehr viel Flüssigkeit enthalten. Zum Grillen sind die Big Steaks da eher ungeeignet.
Was ist Sonnenblumenhack? Es gibt noch Sonnenblumenhack, ist ursprünglich nur ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Sonnenblumenöl. Sonnenblumen werden hauptsächlich für die Ölgewinnung angebaut. Dafür werden die Sonnenblumenkerne gepresst, übrig bleibt der sogenannte Sonnenblumenpresskuchen. Er enthält kaum Öl, dafür jede Menge Protein und Ballaststoffe. Der Sonnenblumenpresskuchen wird ausgepresst, zermahlen und zu Hackschnetzeln aufgepufft. Durch Zugabe von Wasser bei der Zubereitung erhalten die Hackschnetzel eine Konsistenz wie Hackfleisch und können auch so verarbeitet werden. So wird ein Nebenprodukt der Ölgewinnung zu Sonnenblumenhack, das die wertvollsten Stoffe der Sonnenblume enthält.
Was ist Seitan? Seitan hat eine 1000-jährige Tradition bei Buddhisten Mönchen, dort wird es als Fleischersatz verwendet. Es hat eine sehr feste Konsistenz, im Gegensatz zu Tofu. Der von Zen-Buddhisten entwickelte Seitan ist ein traditionelles vegetarisches Gericht. Seitan ist leider nicht für eine glutenfreie Ernährung geeignet, es wird aus Weizenkleber hergestellt. Hergestellt wird er durch das Auswaschen der Stärke aus Weizenmehl. Zurück bleibt eine glutenreiche Masse, die ihrerseits folglich reich an Protein ist und eine ideale Eiweiß-Quelle darstellt. Durch Kochen oder Dampfgaren und einer leckeren Marinade kann die Masse zu einem köstlichen Gericht zubereitet werden. Seitan kann z. B. in Scheiben als Schnitzel oder in Streifen als Gyros verwendet werden. Es gibt fertigen Seitan, man kann ihn auch als Seitan-Fix Pulver erhalten und durch anrühren mit Wasser selber herstellen.
Was ist Lupine? Lupine, insbesondere das Mehl der Lupine, besteht zwischen 30 % und 40 % aus Proteinen, die alle essentiellen Aminosäuren liefern und eine ähnliche biologische Wertigkeit aufweisen, wie die Sojabohne. Somit ist Lupinenmehl eine ideale Eiweißquelle für Veganer, das außerdem noch reich an Eisen ist. Lupinenmehl eignet sich zum Backen oder als aufwertende Zugabe ins Müsli und findet häufig als Fleischersatz Verwendung. Die Lupine gehört zu den Hülsenfrüchten und stellt eine regionale Alternative zu Soja dar, da sie fast überall in Deutschland angebaut werden kann. Dadurch ist Sie ein besonders nachhaltiger veganen Fleischersatz.
Was ist Jackfruit? Der Jackfruchtbaum ist ein Maulbeergewächs und besitzt die größten und schwersten Früchte der Welt! Sie kann bis 15 kg schwer werden! Es gibt zwei Arten, einmal die junge Jackfruit und einmal die alte Jackfruit. Die jungen Jackfruit-Stücke werden zum Kochen verwendet, sie haben eine faserige, fleischähnliche Struktur und Konsistenz und kann super als Pulled Jackfruit für geile Burger und für deftige Speisen genutzt werden. Bei den alten Jackfruit-Stücke entsteht während der Reifung Zucker in der Frucht und dadurch wird Sie süß. Sie kann dann als Trockenfrucht, in Eis oder Nachtischen verwendet werden.
Pilze eignen sich auch sehr gut als Fleischalternative, wie wäre es mal mit Austernpilzen als Fleischersatz in Pulled Pork, einem Portobello Pilz aus Burger Patty oder Kräuterseitlingen in Scheiben geschnitten als Filet. Wenn du dir ab und zu eine fleischartige Konsistenz wünschst, kann ich dir nur empfehlen mit verschiedenen Pilzsorten zu experimentieren. Pilze behalten bei richtiger Zubereitung eine ähnlich bissfeste Konsistenz.
Aus Kichererbsen kann nicht nur Hummus hergestellt werden. Falafel sind aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen frittierte Bällchen, die aus der arabischen Küche kommen. Die Grundsubstanz kann mit unterschiedlichen Gewürzen und Kräutern verfeinert werden. Petersilie, Koriander, Knoblauch oder Zwiebeln sind einige Beispiele. Mittlerweile gibt es auch schon Kichererbsen Tofu.
Probier doch mal Rote Linsen oder Kidneybohnen als Basis für Fleischalternativen aus? Rote Linsen sind z. B. für Linsenbolognese und Chili sin Carne geeignet und Kidneybohnen sind perfekt für Bohnen Patties.
Die Produkte der ersten Gruppe sind perfekt für Anfänger geeignet und erleichtern den Ein- und Umstieg in das vegane Leben. Mit der Zeit werden sie meistens von dem Speiseplan verschwinden, das sie auch recht teuer sind und meistens auch nicht wirklich gut schmecken, es gibt natürlich auch Ausnahmen. Die zweite Gruppe ermöglicht eine hohe Vielfalt und regen zum Ausprobieren an. Meine Favoriten sind Tofu, Sonnenblumenhack, Kidneybohnen und Kräuterseitlinge. Wie sieht es bei euch aus, landen noch viele Ersatzprodukte bei euch auf dem Teller und wenn ja, welche sind es?
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