17/09/2026
Der Oberkörper beim Reitersitz
Heutzutage sehen wir sehr häufig Bilder, bei denen der Reiter in deutlicher Rückenlage sitzt. Viele haben sich so daran gewöhnt, dass es nicht einmal mehr wahrgenommen wird. Darüber geht aber das Wissen über die richtigen verschiedenen Variationen des Sitzes verloren.
Sitzt ein Reiter mit dem Oberkörper etwas nach vorne, so wird das fälschlicherweise dann als «Nach- vorne – über - fallen» bezeichnet oder als Spaltsitz. Dabei hat das entlastende Sitzen eine wichtige Berechtigung in der klassischen Reitlehre. Es entlastet den Rücken zum Beispiel bei jungen Pferden oder Pferden mit schwachen Rücken. Auch triebige Pferde gehen häufig dadurch besser vorwärts.
Dabei kann die Wirkung dieses Sitzes genauso effektiv sein wie der Dressursitz mit senkrechtem Oberkörper, vorausgesetzt, der Reiter wird dabei nicht rund im Rücken. Er kann dabei ebenso mit seinem Gewicht einwirken und sein Pferd am Sitz haben.
Leider wird heutzutage durch das Schieben mit der Hüfte fälschlicherweise gelehrt, dass nur so eine Einwirkung mit dem Gewicht bzw. Gesäss möglich ist. Dabei ist das Nach -hinten- lehnen des Oberkörpers immer falsch, weil das Pferd sich vorwärts bewegt und der Reiter sich anpassen und nicht hinter die Bewegung kommen soll.
Um das Gefühl für das Vornehmen des Oberkörpers zu bekommen, lasse ich im Unterricht gerne auch einmal den Reiter unter Beibehaltung des restlichen Sitzes den Oberkörper leicht vornehmen und ihn fühlen, wie sein Pferd reagiert. Dabei sind Nuancen möglich. Oft wird allein dadurch zum Beispiel ein erwünschtes Zulegen im Trab bewirkt. Es hat auch den Vorteil, dass der Reiter dadurch bei diesem «Mehr» an Vorwärts nicht hinter die Bewegung kommt. Hilfreich ist es oft, gleichzeitig das Gesäss im Sattel leicht weiter vorne zu platzieren, so weit der Sattel dies auch zulässt. Oft geht das Pferd dann besonders zufrieden, weil der Reiter durch den vorgenommenen Oberkörper vermehrt in die Bewegung des Pferdes eingehen kann. Gerade weil viele Reiter aus falsch verstandenen Bewegungsmustern dazu neigen, steif zu sitzen, kann das Vornehmen des Oberkörpers für mehr Beweglichkeit und Gefühl sorgen. Es ist also kein Reiterfehler, wenn der Reiter bei einem richtig gehenden Pferd mit dem Oberkörper etwas nach vorne sitzt, sondern ein situatives Sich-anpassen an die Bewegungen und Bedürfnisse des Pferdes.