08/09/2026
Bouldern ist so ein Kopfsport! Denkt nur mal an die .
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Die-Sportpsychologen.de beleuchtet aktuell und hintergründig sportliche Themen aus sportpsychologischer Perspektive. Eine neue Plattform für Sportler, Trainer, Funktionäre und Journalisten.
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08/09/2026
Bouldern ist so ein Kopfsport! Denkt nur mal an die .
04/09/2026
Eine American Football Spielerin hat sich an uns gewandt. Sie hatte vergangenes Jahr nach einem Tackling gesundheitliche Probleme, die zu einer Operation an der Schulter führten. Nach dem langen Genesungsweg ist sie körperlich wieder fit, bekommt aber Angstzustände, wenn es im Training ins Tackling geht. Sie bekommt keine Luft, fängt an zu weinen, muss aussetzen. Ihre Frage: “Ich fühle mich, als würde ich nichts zu meinem Team beitragen, und bin zunehmend frustriert. Wie bekomme ich diese Angstreaktion in den Griff und kann wieder als Teil meines Teams bei Spielen auf dem Platz stehen?”
Antwort von: Prof. Dr. René Paasch (zum Profil)
Viele Athletinnen und Athleten erleben nach einer schweren Verletzung, dass der Körper medizinisch wieder belastbar ist, während das Gehirn in Situationen, die an den Unfall erinnern, weiterhin mit einer starken Alarmreaktion reagiert. Gerade in einer Kontaktsportart wie American Football ist das keine ungewöhnliche Erfahrung.
Angst, Luftnot oder das Bedürfnis, die Situation sofort zu verlassen, sind zunächst Schutzreaktionen des Nervensystems. Nach einer Verletzung braucht häufig nicht nur der Körper Zeit für die Rehabilitation, sondern auch das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit.
Für die Rückkehr in den Sport hat sich ein schrittweiser Belastungsaufbau bewährt. Anstatt sofort wieder ins volle Tackling einzusteigen, können zunächst kontrollierte Kontaktübungen und anschließend zunehmend spielnahe Situationen helfen. Jede positive Erfahrung unterstützt dabei, das Vertrauen in den eigenen Körper wieder aufzubauen.
Hilfreich kann außerdem sein, die Aufmerksamkeit bewusst auf die jeweilige Aufgabe zu richten, etwa auf die Technik, die Bewegungsausführung oder den Atem, anstatt sich gedanklich mit einer möglichen erneuten Verletzung zu beschäftigen. Ein offener Austausch mit dem Trainerteam schafft die Möglichkeit, den Wiedereinstieg individuell zu gestalten und den Belastungsaufbau gemeinsam abzustimmen.
Da Sportpsychologinnen und Sportpsychologen meist keine Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten sind, sollte bei anhaltenden oder sehr ausgeprägten Angstreaktionen eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung erfolgen. Auf dieser Grundlage kann gemeinsam entschieden werden, welche Form der Unterstützung im weiteren Verlauf sinnvoll ist. Sportpsychologie und Psychotherapie haben unterschiedliche Aufgaben und können sich bei der Rückkehr in den Sport sinnvoll ergänzen.
Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)
Ich kann dem Kollegen René Paasch hier nur beipflichten. Leider sehen wir zwar die körperliche Rehabilitation nach sportlichen Verletzungen, vergessen jedoch die mentale Verletzung, die parallel stattfindet. Manchmal ist der Athlet so resilient, dass dies keine Auswirkungen hat. Oftmals treten die Probleme dann erst in der Phase “Return to sports” oder “return to competition” auf.
Auch ohne die von Ihnen geschilderten psychischen und mentalen Symptome, sollte die Aufbelastung und Wiedereingliederung gerade in zweikampforientierten Sportarten immer stufenweise erfolgen. Hier können Anpassungen dann auch im Bereich des Mentalen erfolgen.
Die bei Ihnen auftauchenden Symptome sind Anzeichen einer Schutzreaktion, die verhindern soll, dass eine solche Verletzung wieder auftreten kann, also letztendlich ein sinnvoller Mechanismus. Dieser kann sich jedoch auch verselbstständigen und sich in einer Angststörung manifestieren. Zudem ist auch immer die Möglichkeit einer posttraumatischen Belastungsstörung in Betracht zu ziehen.
Aus meiner Sicht sollten Sie, wenn die Symptome schon länger anhalten und sich auch eher verstärken, das heißt von Ihnen schwer zu beeinflussen sind, sportpsychologische Hilfe suchen. Gemeinsam kann dann entschieden werden, ob nicht doch weitergehende psychotherapeutische Hilfe notwendig ist.
In der auftretenden Angstsituation sind die Konzentration auf eine kontrollierte Ein- und Ausatmung hilfreich, weiterhin auch das Setzen schmerzhafter Reize durch eigenes Kneifen, kräftige Geruchs- und Geschmacksreize oder auch der körperliche Kontakt vertrauter Personen. Hier sollten sie für sich schauen, was in der Trainingssituation am ehesten realisierbar ist.
Antwort von: Christian Bader (zum Profil)
Danke, dass du deine Situation so offen teilst. Ich schreibe das im Wissen, dass mir hier zu wenig Kontext vorliegt, um dir schriftlich wirklich umfassend zur Seite zu stehen.
Deine Frustration und das Gefühl, nichts beizutragen, zeigen vor allem, wie viel dir dieser Sport und dieses Team bedeutet. Der Satz „Ich trage nichts bei“ ist hart und selbstbegrenzend, dein Kopf legt ihn dir unter Druck hin. Gib ihm Beachtung, hör ihn und mach trotzdem den nächsten kleinen Schritt. Es ist ein Gedanke, keine Tatsache.
Die grösste Falle wäre, die Angst erst „wegkriegen“ zu wollen, bevor du wieder aufs Feld gehst. Du reflektierst das schon sehr klar und erkennst, was da ist. Und was da ist, darf erst mal sein, so unangenehm es auch ist.
Den hilfreichen Weg hast du bereits eingeschlagen: in kleinen Dosen Richtung Feld, mit der Angst an Bord. Hol dein Umfeld mit ins Boot, sprich mit deinem Coach und einer engen Teamkollegin und Deinem medizinischen Umfeld (Physio, Haus- oder Sportarzt). Im American Football gibt es meist ein Return-to-Participation-Protokoll, primär für Kopf-, Nacken- und Rückenverletzungen, aber ich halte es für einen geeigneten Stufenplan zurück in Stärke und Leistung nach einer Verletzung. Dein Team ist keine Jury, vor der du versagst, sondern Teil deines Weges zurück. „Beitragen“ heisst gerade jetzt vielleicht auch: da sein, kommunizieren, dich Schritt für Schritt zurück arbeiten, das zählt mehr, als dir womöglich bewusst ist.
Und dann gibt es eine ehrlichere, tiefere Schicht, die wir als mögliche Ursache ansprechen sollten: Vielleicht geht es an einem Punkt nicht (mehr) so weiter wie vorher, und vielleicht stellt sich die Frage „Lohnt sich das für mich überhaupt noch?“ Dieses ständige Ringen, zurück wollen, sich hochkämpfen, wieder aussetzen, kann mürbe machen. Diese Frage zu stellen ist kein Aufgeben; sie ehrlich anzuschauen verdient Respekt.
Du merkst an deiner eigenen Frustration, wie sehr du zurück auf den Platz willst, das ist die beste Voraussetzung. Der Weg führt nicht darüber, die Angst zu besiegen, sondern darüber, in kleinen, selbstgewählten Schritten wieder auf das zuzugehen, was dir wichtig ist. Dass die Angst dabei leiser wird, kommt als Nebenprodukt.
Ich weiss, dass sich damit noch nichts gelöst hat, aber dass du das so offen ausspricht und dir genau diese Fragen stellst, ist bereits eine Stärke, die dich trägt, wohin dein Weg auch führt.
Und den musst Du nicht alleine gehen. Unser Netzwerk ist da https://coaching.die-sportpsychologen.de/
Frage und Antwort: Wie kann ich wieder Teil des Teams werden? Trotz der Angst vor Schmerzen? Diesen und um die 1000 weitere Texte findest du bei www.die-sportpsychologen.de
Frage und Antwort: Wie kann ich wieder Teil des Teams werden? Trotz der Angst vor Schmerzen? Eine American Football Spielerin hat sich an uns gewandt. Sie hatte vergangenes Jahr nach einem Tackling gesundheitliche Probleme, die zu einer Operation an der
03/09/2026
Im Mai 2025 hat uns Marie Gülich ein vielbeachtetes Interview zu ihren Erfahrungen mit der gegeben. Wir sagen noch einmal Danke und drücken Marie und ihren Mitspielerinnen im Nationalteam von Deutscher Basketball Bund e.V. bei der -wm die Daumen!
03/09/2026
Um beim Klettern und Bouldern die eigene Leistung abrufen zu können, braucht es konzentrierte Aufmerksamkeit auf den nächsten Griff, auf technische Details, auf das, was ich jetzt gerade zu tun habe. Doch viel zu leicht drängen sich störende Gedanken auf. Wenn beispielsweise die direkte Konkurrentin den Boulder „geflasht“ (im ersten Versuch geschafft) hat, meldet sich häufig fast automatisch eine Stimme, die Druck macht, den jetzt ebenso gut zu meistern. Auch Unsicherheiten drängen schnell ins Bewusstsein: „Verdammt, der Boulder sieht aber schwer aus!“ oder „Hoffentlich rutsche ich nicht wieder von dem Volumen ab!“
Zum Thema: Selbstgespräche
Was wir denken und wie wir zu uns sprechen, hat Auswirkungen auf unsere Leistung. „Was ist, wenn ich das nicht schaffe?“ „Ich will mich nicht blamieren!“ „Wieso mache ich so´n Mist?“ „Wie kann man nur so blöd sein?“ „Das klappt heute einfach nicht!“ „Du kannst es eben nicht!“ In Forschungsarbeiten konnte gezeigt werden, dass solche und ähnliche negative Selbstgespräche die sportliche Leistung mindern (bspw. van Raalte et al. 1994).
Negative Selbstgespräche und Grübeleien setzen eine Negativspirale in Gang, die von unserem Tun und unseren Zielen ablenkt und Selbstzweifel verstärkt. Wir glauben weniger an unsere eigenen Fähigkeiten, sind in schlechterer Stimmung, haben weniger Motivation und verlieren die nötige Spannung. All das wirkt sich negativ auf die Leistung aus, denn beim Klettern und beim Bouldern sind genau der richtige Grad an Anspannung, höchste Konzentration, präzise Koordination und starkes Selbstvertrauen entscheidend.
Richtige Selbstgespräche
Ich kann aber beeinflussen, ob ich mich von negativen Gedanken aus dem Konzept bringen lasse oder ob ich Selbstgespräche führe, die mir dabei helfen, meine Leistung ruhig und sicher abrufen zu können.
Es geht nicht darum, mir etwas einzureden, an das ich nicht glauben kann. Das würde nach hinten losgehen. Vielmehr geht es darum, dass ich die Aufmerksamkeit auf meine Kompetenzen, Ziele oder auch den Ablauf des Wettkampfs lenke, dass ich mich selbst motiviere oder in schwierigen Situationen nach Lösungen suche, statt beispielsweise an Fehlern hängen zu bleiben.
Aufmerksamkeit lenken
Selbstgespräche können mir helfen, meine Leistung abzurufen, wenn ich meine Aufmerksamkeit auf das richte, was ich beeinflussen kann – meine nächsten Griffe, meine Technik, meine Strategie. Wenn ich meine Gedanken immer wieder darauf lenke, was ich genau jetzt zu tun habe und sie damit weglenke vom möglichen Ausgang des Wettkampfes, von Konkurrenten, von Konsequenzen etc. gibt es mir Sicherheit, ich bleibe konzentriert und behalte meine Energie. Ebenso verhält es sich mit negativen Situationen oder Fehlern: Je schneller ich diese akzeptieren und innerlich abhaken kann und je eher ich meine Gedanken wieder auf die Aufgabe, meine Ziele, meine Fähigkeiten und den Ablauf richten kann, desto weniger beeinflussen sie mich und meine Leistung negativ.
Positive Selbstgespräche zur Selbstmotivierung kann ich nutzen, um im Wettkampf und in extrem anstrengendem Training durchzuhalten, mich selbst anzuspornen und positiv zu bleiben. Ich kann Strategien, die ich mir für unerwartete Wettkampfsituationen überlegt habe, mit konkreten Selbstgesprächen verbinden, die mir Mut machen. Das hilft mir dranzubleiben und zu kämpfen.
Lösungssuche
Konstruktive Selbstgespräche helfen mir, mit schwierigen Situationen klarzukommen, statt damit zu hadern oder sich etwas vorzuwerfen. Ich kann überlegen: „Welcher nächste Schritt ist nötig, um die Aufgabe zu lösen?“ „Was muss ich jetzt tun, um die Situation für mich zu entscheiden?“
Die Fähigkeit, die eigenen Gedanken verlässlich zu regulieren, lässt sich durch die sorgsame Analyse der negativen Gedanken und den schrittweisen Aufbau individuell hilfreicher Selbstgespräche für verschiedenste Situationen entwickeln. Sie benötigt, wie auch die körperlichen Fähigkeiten, kontinuierliches Training über einen längeren Zeitraum mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Meine Kollegen von Die Sportpsychologen und ich sind gerne für Sie da, falls Sie Beratung wünschen.
Quellen:
Hatzigeorgiadis, Antonis & Nikos, Comoutos Former Zourbanos & Mpoumpaki, Sofia & Theodorakis, Yannis. (2009). Mechanisms underlying the self-talk–performance relationship: The effects of motivational self-talk on self-confidence and anxiety. Psychology of Sport and Exercise. 10. 186-192. 10.1016/j.psychsport.2008.07.009.
Van Raalte, J. L., Brewer, B. W., Rivera, P. M., & Petitpas, A. J. (1994). The relationship between observable self-talk and competitive junior tennis players' match performances. Journal of Sport & Exercise Psychology, 16(4), 400–415.
Dr. Julia Boie: Selbstgesprächs-Regulation im Klettern und Bouldern Diesen und um die 1000 weitere Texte findest du bei www.die-sportpsychologen.de
Dr. Julia Boie: Selbstgesprächs-Regulation im Klettern und Bouldern Um beim Klettern und Bouldern die eigene Leistung abrufen zu können, braucht es konzentrierte Aufmerksamkeit auf den nächsten Griff, auf technische Details, a
02/09/2026
Wie gelingt es, sich wirklich zu konzentrieren? TL - Coaching ⛳️
01/09/2026
Eine Kombirunde im Minigolf umfasst 36 Bahnen: 18 Bahnen werden auf Beton, 18 auf Eternit gespielt. Von außen betrachtet scheint die Aufgabe dabei immer gleich zu bleiben. Ball hinlegen, Schlag ausführen, einlochen. Doch wer selbst spielt, weiß, wie wenig diese Beschreibung mit den tatsächlichen Anforderungen zu tun hat. Schon während einer einzigen Runde können sich die Bedingungen verändern. Die Sonne erwärmt eine Bahn, der Wind nimmt zu oder Feuchtigkeit beeinflusst das Laufverhalten des Balls. Jede Anlage bringt eigene Besonderheiten mit, selbst wenn die Hindernisse auf den ersten Blick vertraut erscheinen. Hinzu kommt das Material: Welcher Ball passt zur gewählten Variante? Wie stark muss er temperiert werden? Wie wird er springen, bremsen oder rollen? SpielerInnen und BahnbetreuerInnen müssen diese Fragen bereits in der Vorbereitung beantworten und die erarbeiteten Lösungen im Wettkampf möglichst präzise umsetzen. Ein Ass kann Sicherheit geben, ein vermeidbarer Fehler Zweifel auslösen. Trotzdem verlangt die nächste Bahn wieder volle Aufmerksamkeit – nicht für das, was gerade passiert ist, sondern für eine neue Aufgabe unter möglicherweise schon wieder veränderten Bedingungen.
Zum Thema: Wie gelingt es MinigolferInnen, trotz wechselnder Bahnen, Materialien und Umweltbedingungen immer wieder präzise zu handeln?
Präzision ist mehr als Wiederholung: Präzisionssportarten werden häufig mit der Vorstellung verbunden, eine einmal erlernte Bewegung möglichst exakt zu wiederholen. Auch im Minigolf scheint der ideale Schlag auf den ersten Blick klar definiert: gleicher Stand, gleicher Bewegungsablauf, gleicher Treffpunkt. Je geringer die Abweichung, desto besser das Ergebnis. Diese Vorstellung greift jedoch zu kurz. Denn selbst eine technisch stabile Bewegung führt nicht unter allen Bedingungen zum gleichen Resultat. Die Besonderheiten einer Anlage sowie Veränderungen von Material und Umwelt beeinflussen, wie eine vorbereitete Variante gespielt werden muss. Die entscheidende Leistung besteht deshalb nicht darin, äußere Veränderungen auszublenden und eine Bewegung unter allen Umständen identisch auszuführen. SpielerInnen müssen vielmehr eine vorbereitete Lösung unter den jeweils aktuellen Bedingungen möglichst präzise umsetzen.
Person, Aufgabe und Umwelt wirken zusammen
Ein geeigneter Ansatz, um diese Anforderungen zu erklären, ist der Constraints-Led Approach. Seine theoretischen Wurzeln liegen in der ökologischen Dynamik und der Bewegungswissenschaft. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass sportliche Handlungen nicht ausschließlich aus einer erlernten Technik entstehen. Sie entwickeln sich vielmehr aus dem fortlaufenden Zusammenspiel zwischen der ausführenden Person, der konkreten Aufgabe und den jeweiligen Umweltbedingungen (Davids et al., 2008).
Der Begriff constraints lässt sich dabei nur unzureichend mit „Einschränkungen“ übersetzen. Gemeint sind sämtliche Bedingungen, die mögliche Handlungen begrenzen, strukturieren oder in eine bestimmte Richtung lenken. Newell (1986) unterscheidet drei grundlegende Bereiche:
Zu den individuellen Bedingungen gehören beispielsweise Technik, Erfahrung und Materialkenntnis. Auch der aktuelle körperliche und mentale Zustand spielt eine Rolle: Müdigkeit, Anspannung oder nachlassende Aufmerksamkeit können beeinflussen, wie sicher eine vorbereitete Lösung ausgeführt wird.
Die aufgabenbezogenen Bedingungen werden unter anderem durch das Bahnprofil, das Hindernis, den vorgesehenen Laufweg, den Zielpunkt, das notwendige Tempo und den gewählten Ball bestimmt.
Die Umweltbedingungen umfassen äußere Einflüsse wie Temperatur, Wind, Feuchtigkeit, Licht und den Zustand der Anlage. Der einzelne Schlag entsteht damit nie losgelöst von seiner Umgebung. Er ist das Ergebnis einer aktuellen Abstimmung zwischen Person, Aufgabe und Umwelt.
Die ökologische Psychologie bezeichnet die in einer Situation wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten als Affordanzen (Gibson, 1979). Welche Möglichkeiten SpielerInnen erkennen und zuverlässig umsetzen können, hängt unter anderem von ihrer Erfahrung, ihrer Technik und dem verfügbaren Material ab.
Gut vorbereitet – und trotzdem anpassungsfähig
Das bedeutet allerdings nicht, dass SpielerInnen während eines Turniers an jeder Bahn spontan nach einer neuen Lösung suchen. Die entscheidende Vorbereitung beginnt deutlich früher. Im Vorfeld werden die Bahnen ausgespielt, mögliche Varianten geprüft, geeignete Bälle ausgewählt und Zielpunkte sowie Laufwege festgelegt. Idealerweise entstehen dabei nicht nur bevorzugte Lösungen, sondern auch vorbereitete Alternativen für unterschiedliche Bedingungen. Im Wettkampf geht es dann vor allem darum, diese Lösungen zuverlässig abzurufen und gleichzeitig zu überprüfen, ob die aktuellen Voraussetzungen noch zu dem passen, was im Training erarbeitet wurde. An dieser Stelle wird die Bedeutung der BahnbetreuerInnen sichtbar. Sie beobachten die Bedingungen, bereiten die vorgesehenen Bälle passend vor und geben relevante Informationen an die SpielerInnen weiter. Der Schlag selbst wird individuell ausgeführt, seine Vorbereitung ist jedoch häufig das Ergebnis einer abgestimmten Zusammenarbeit.
Anpassungsfähigkeit bedeutet im Minigolf deshalb nicht, ständig alles umzustellen. Sie besteht vielmehr darin, die vorbereitete Lösung an den tatsächlich vorgefundenen Bedingungen auszurichten – und nur dann eine Alternative zu wählen, wenn die ursprüngliche Variante nicht mehr zuverlässig funktioniert.
Konzentration heißt, das Relevante zu erkennen
Aus dieser Perspektive bekommt auch Konzentration eine differenziertere Bedeutung. Über eine gesamte Kombirunde hinweg dauerhaft maximal angespannt zu bleiben, wäre weder realistisch noch hilfreich. Entscheidend ist vielmehr, die Aufmerksamkeit im richtigen Moment auf die Informationen zu richten, die für den nächsten Schlag relevant sind. Vor einer Bahn können dabei unterschiedliche Fragen im Vordergrund stehen:
Hat sich die Temperatur verändert?
Ist der Ball passend vorbereitet?
Gibt es eine Besonderheit im Laufverhalten?
Welche Information der Bahnbetreuung ist jetzt wichtig?
Entscheidend ist dabei auch: Gelingt es, sich vollständig mit dieser Aufgabe zu beschäftigen – oder hängt die Aufmerksamkeit noch am Ergebnis der vorherigen Bahn? Expertise zeigt sich daher nicht allein in einem stabilen Bewegungsablauf. Sie zeigt sich auch darin, relevante Veränderungen frühzeitig zu erkennen, unwichtige Reize auszublenden und einer gut vorbereiteten Lösung zu vertrauen. Diese Fähigkeit sollte auch im Training berücksichtigt werden. Technische Wiederholungen unter konstanten Bedingungen bleiben wichtig. Sie können jedoch durch Situationen ergänzt werden, in denen SpielerInnen unterschiedliche Bedingungen wahrnehmen, ihre vorbereiteten Lösungen überprüfen und ihre Entscheidungen anschließend reflektieren müssen. Im Sinne eines repräsentativen Lerndesigns sollten im Training somit auch jene Wahrnehmungs- und Anpassungsanforderungen vorkommen, die später im Wettkampf bewältigt werden müssen (Pinder et al., 2011).
So wird nicht nur die technische Ausführung trainiert, sondern auch die Fähigkeit, relevante Veränderungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Fazit
Minigolf verlangt mehr als die identische Wiederholung einer eingeübten Bewegung. Bälle, Laufwege und Schlagvarianten werden vor dem Wettkampf sorgfältig erarbeitet, müssen im Turnier jedoch unter veränderlichen Bedingungen zuverlässig umgesetzt werden. Der Constraints-Led Approach macht sichtbar, dass Präzision aus dem Zusammenspiel zwischen Person, Aufgabe und Umwelt entsteht.
Erfolgreiche SpielerInnen benötigen deshalb neben einer stabilen Technik auch die Fähigkeit, relevante Veränderungen wahrzunehmen, sich mit ihrer Bahnbetreuung abzustimmen und auf ihre Vorbereitung zu vertrauen. Präzision bedeutet im Minigolf somit nicht, immer exakt dasselbe zu tun. Sie bedeutet, eine gut vorbereitete Lösung unter den jeweils aktuellen Bedingungen zuverlässig umzusetzen. Doch auch ein vorausgegangener Fehler kann die Voraussetzungen für den nächsten Schlag verändern. Wie SpielerInnen danach wieder handlungsfähig werden und warum sich genau das trainieren lässt, steht im Mittelpunkt meines nächsten Beitrags. Bleibt dieser Plattform also verbunden. Wer vorher schon mehr wissen möchte, nehme gern Kontakt auf.
Literatur
Davids, K., Button, C., & Bennett, S. (2008). Dynamics of skill acquisition: A constraints-led approach. Human Kinetics.
Gibson, J. J. (1979). The ecological approach to visual perception. Houghton Mifflin.
Newell, K. M. (1986). Constraints on the development of coordination. In M. G. Wade & H. T. A. Whiting (Eds.), Motor development in children: Aspects of coordination and control (pp. 341–360). Martinus Nijhoff.
Pinder, R. A., Davids, K., Renshaw, I., & Araújo, D. (2011). Representative learning design and functionality of research and practice in sport. Journal of Sport & Exercise Psychology, 33(1), 146–155. https://doi.org/10.1123/jsep.33.1.146
Thorsten Loch: Präzision ist Anpassung - Warum im Minigolf kein Schlag wirklich derselbe ist Diesen und um die 1000 weitere Texte findest du bei www.die-sportpsychologen.de
Thorsten Loch: Präzision ist Anpassung - Warum im Minigolf kein Schlag wirklich derselbe ist Eine Kombirunde im Minigolf umfasst 36 Bahnen: 18 Bahnen werden auf Beton, 18 auf Eternit gespielt. Von außen betrachtet scheint die Aufgabe dabei immer gleich zu bleiben. Ball hinlegen, Schlag ausführen, einlochen.
27/08/2026
Sportpsychologie ist eine wissenschaftlich fundierte Fachdienstleistung, die Athleten, Trainerteams und Vereinsstrukturen dabei unterstützt, psychische Ressourcen systematisch aufzubauen und zu schützen. Sie steht für Leistungsförderung, Persönlichkeitsentwicklung und psychische Gesundheitsvorsorge – drei Ziele, die unmittelbar mit der Qualität eures Vereins zusammenhängen.
Wer in die mentale Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Athleten und Trainern investiert, schützt sein wertvollstes Kapital – und macht seinen Verein zukunftsfähig.
Genau das Richtige für dich und deinen Verein oder Verband? Dann erfährst du alles weitere in unserem aktuellen Beitrag. Leite den Post auch gern an Personen weiter, die unser Angebot sehen sollten.
Sportpsychologie für Vereine und Vorstände Diesen und um die 1000 weitere Texte findest du bei www.die-sportpsychologen.de
Sportpsychologie für Vereine und Vorstände Sportpsychologie ist eine wissenschaftlich fundierte Fachdienstleistung, die Athleten, Trainerteams und Vereinsstrukturen dabei unterstützt, psychische Ressour
27/08/2026
Danijela Bradfisch hat im Sommer einiges ausprobiert, was sonst kaum in den Alltag passt. Welches Team bist du?
26/08/2026
Oft heißt es, dass im Nachwuchssport hohe Siege in der Vorbereitung wenig bis nichts bringen. Wofür sollte auch so ein 27:0 nützlich sein? 😄
26/08/2026
Wenn ich junge Athlet:innen frage, was sie eigentlich machen, wenn gerade nichts los ist, kommt oft dasselbe zurück: ein Schulterzucken. „Keine Ahnung, eigentlich nichts.“ Und ich verstehe das total. Wenn dein ganzer Alltag um Training, Wettkampf und den nächsten Schritt kreist, fühlt sich alles andere schnell nach verlorener Zeit an. Nach Stillstand. Dabei ist genau das ein Denkfehler – und zwar ein ziemlich teurer. Denn Langeweile auszuhalten ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Training. Nur eben eines, das man nicht im Kopf spürt, sondern erst später merkt – daran, dass man in die nächste Saison geht, statt sich in sie hinein zu schleppen.
Zum Thema: Bedeutung von Pausen im Trainings- und Wettkampfalltag
Warum fällt uns aber „nichts tun“ so schwer? Das Problem ist selten Faulheit, im Gegenteil. Viele von euch sind es gewohnt, ständig zu leisten, sich zu verbessern, produktiv zu sein.
„Ich muss im Training bleiben / Wir fangen mit der Vorbereitung auf die neue Saison so an, weil wir das schon immer so gemacht haben / Wir bleiben bei dem alt Bewährten, das hat ja letztes Jahr so geklappt."
Oft geht es so weit, dass sich Atleth:innen schlecht oder sogar schuldig fühlen, wenn sie etwas machen, was nichts mit Sport zu tun hat. Es fühlt sich dann fast falsch an – man „verpasst“ ja etwas im Sport, während man liest oder im Garten steht. Ich kenne dieses Gefühl gut, auch aus eigener Erfahrung: Der Kopf lässt sich nicht per Knopfdruck herunterfahren, nur weil gerade “offiziell” Pause ist.
Aber: Man verpasst nichts. Man baut etwas auf, das man später braucht – die Fähigkeit, herunterzufahren, ohne dabei den Fokus zu verlieren. So wie dein Körper durch Training stärker wird, wird auch dein Kopf stärker. Nur eben nicht durch noch mehr Reiz, sondern manchmal durch bewusst weniger.
Pause machen!
Ja, auch wir als Unterstützer für Athlet:innen haben „auch mal Pause“. Besonders in den Sommerferien. In meinem Urlaub lese ich gerne, auch mal über andere Dinge. Derzeit lese ich Bücher zu den Themen „Traditionen und der Mut, anders (uns selber) zu führen“ – klingt sehr sperrig, aber in beiden finde ich Passagen, die mich zum Nachdenken für meine Athlet:innen bringen.
Die Pausen zwischen den Saisons sind bei euch aktuellen Nachwuchstalenten ohnehin knapp bemessen. Wer in dieser kurzen Zeit nicht wirklich abschaltet, sondern innerlich weiter im Wettkampfmodus bleibt, geht mit leeren Akkus in die nächste Saison. Kraft tanken ist hier kein Nice-to-have. Es ist Vorbereitung.
Ich selbst habe im Sommer einen Selbstversuch gestartet. Und hatte mir vorgenommen, mir ausgewählte “Sommerbeschäftigungen” zu suchen und diese wirklich durchzuziehen. Überleg dir mal, was zu dir passen würde:
Yoga: Geduld mit dir selbst
Yoga bringt die Geduld noch näher an den Körper heran. Eine Haltung wird nicht durch Kraftaufwand besser, sondern durch wiederholtes, geduldiges Üben – oft über Wochen und Monate. Wer ungeduldig in eine Position drängt, verletzt sich eher, als dass er schneller vorankommt. Yoga macht sehr direkt spürbar, was in anderen Hobbys eher indirekt passiert: dass Fortschritt und Druck sich gegenseitig ausbremsen können.
Lesen: Geduld mit Komplexität
Ein Buch lässt sich nicht querlesen, ohne etwas zu verlieren. Wer wirklich liest, übt eine besondere Form von Geduld: sich auf etwas einzulassen, das sich erst nach und nach erschließt. Diese Geduld mit Komplexität reicht weit über das Buch hinaus – in den Umgang mit Rückschlägen, in langen Aufbauphasen, überall dort, wo schnelle Ergebnisse verlockend, aber eben nicht realistisch sind.
Gartenarbeit: Wachsen lassen statt erzwingen
Wer im Garten arbeitet, lernt schnell: Nichts lässt sich beschleunigen. Ein Samenkorn keimt, wenn es so weit ist – nicht, wenn man es möchte. Diese Erfahrung wirkt zurück auf den Kopf. Sorgfältiges Pflanzen und Pflegen erzeugt ein Gefühl von Geborgenheit, während hektisches, wütendes Roden zwar auch für Ordnung sorgt, aber eine andere, unruhigere Ordnung ist. Kontrolle und Geduld sind zwei verschiedene Wege zum gleichen Ziel – nur einer davon nährt einen auch selbst. Und diese Geduld mit einem Prozess, den man nicht erzwingen kann, brauchst du eins zu eins auch für deine eigene Entwicklung.
Basteln: Der Prozess als eigentliches Ziel
Beim Basteln zeigt sich Geduld in der Feinarbeit. Ein Stich, ein Schnitt, ein Handgriff nach dem anderen – nichts davon lässt sich überspringen, ohne dass man es am Ergebnis sieht. Man verlagert den Fokus fast automatisch vom fertigen Produkt auf den einzelnen Schritt. Genau das ist der Punkt: im Moment bleiben, statt gedanklich schon beim Ergebnis zu sein. Eine Fähigkeit, die im Wettkampf oft über Erfolg oder Frust entscheidet.
Fokus behalten, dir selbst treu bleiben
So unterschiedlich diese vier Hobbys sind – sie teilen einen Kern. Keines lässt sich wirklich erzwingen, jedes belohnt Geduld und bestraft Ungeduld auf seine eigene Weise. Genau das macht Hobbys zu mehr als Entspannung: Sie sind ein Übungsraum für eine Disziplin, die im Trainingsalltag oft zu kurz kommt, weil dort ja eigentlich immer etwas passieren soll. Nicht zufällig ist Geduld auch im langfristigen Aufbau junger Sportlerinnen und Sportler eine zentrale Anforderung – an Trainer:innen wie an Athlet:innen. Entwicklung lässt sich nicht beschleunigen, nur begleiten.
Das heißt nicht, dass der Fokus verloren gehen soll – im Gegenteil. Ein Hobby ersetzt kein Training und keine Ziele. Aber langfristig erfolgreich bleibst du nicht nur, weil du ununterbrochen fokussiert bist, sondern auch, weil du dir selbst treu bleibst – mit Interessen, Ausgleich und Momenten, die nichts mit Punkten, Zeiten oder Platzierungen zu tun haben. Wer sich diese Seite erlaubt, hält es langfristig leichter durch, ohne auszubrennen.
Offseason als Werkstatt, nicht als Leerlauf
Genau deshalb lohnt es sich, die kurzen Pausen zwischen den Saisons bewusst zu nutzen – nicht als Leerlauf, sondern als Werkstatt. Zeit, um in Ruhe auszuprobieren, was im Trainingsalltag sonst keinen Platz hat: eine neue Mobility-Routine, ein anderes Ernährungsmuster, bewusstere Regeneration. Nichts davon muss sofort perfekt sitzen. Wie beim Pflanzen im Garten oder beim Üben einer Yoga-Haltung zeigt sich der Wert erst über Wiederholungen. Was in dieser Zeit an Prävention geduldig erarbeitet wird, ist am Ende genau das Fundament, das du in der neuen Saison am dringendsten brauchst.
Am Ende zählt also weniger, welches Hobby du wählst, sondern was du daraus machst: ob du es nutzt, um schnell wieder „funktionieren“ zu müssen – oder um wirklich Kraft zu tanken und dabei etwas zu lernen, das über den Sport hinausreicht.
„Dear Britain“ von Annette Dittert passt sehr gut zu „Gesellschaftsnormen“ – das Buch dreht sich genau darum: britische Traditionen, Klassengesellschaft, Rituale und Machtstrukturen im Alltag.
„A Different Kind of Power“ von Jacinda Ardern ein Memoir über eine andere, empathische Art zu führen – es geht um authentische Führung, nicht direkt um „Zukunft“. Der Begriff „authentische Zukunft“ trifft es also nicht ganz; treffender wäre etwas wie „authentische Führung“ oder „eine andere Art von Macht/Stärke“
Danijela Bradfisch: Mein Sommerpausen-Learning Diesen und um die 1000 weitere Texte findest du bei www.die-sportpsychologen.de
Danijela Bradfisch: Mein Sommerpausen-Learning Wenn ich junge Athlet:innen frage, was sie eigentlich machen, wenn gerade nichts los ist, kommt oft dasselbe zurück: ein Schulterzucken. „Keine Ahnung, eigentlich nichts.“ Und ich verstehe das total.