24/05/2026
Die grundlegenden Techniken und Formen einer Karate Schule sind u.a. genau das: Grundlage. Eine Sammlung von prinzipiellen äusseren Positionen und der Bewegungen, die uns zu diesen geometrischen Formen führen. Körperliche Positionen und Bewegungen, dazu Anweisungen, wann wo und wieviel Muskelspannung eingesetzt werden soll, wie der Atem genutzt werden kann, um all diese Dinge miteinander zu verbinden.
Da könnte man meinen, für jede Position könnten Winkelmesser angelegt werden: Wieviel Grad soll der Ellenbogen gebeugt werden, die Knie usw.
Aber das ist nur der (lang dauernde) Anfang. Meisterschaft im Karate (wie in jeder anderen Kunst) bedeutet, dieses äußere Skelett mit Bewusstsein, Leben, Atem und Energie zu erfüllen und durchdringen. Das hat mehr mit Fluss als mit definierter Statik und Mechanik zu tun.
Kancho Ikemiyagi Masaaki Sensei ist in meinen Augen einer der - selbst für okinawanische Verhältnisse - ganz wenigen Karatemeister, der so ein lebendiges Karate verkörpert. Vom Ergebnis sagen manche: "Das sieht 'sloppy' aus". "Unsauber". Aber das ist der Kern: Wenn die Form beginnt, zu leben, dann werden vormals fixe, statische und manchmal gar steif wirkende "Endpunkte" von Bewegungen zu dynamischen Durchgängen. Bei Sensei ist das so extrem, dass diese unglaubliche Bewegungsfähigkeit, Flexibilität und die enorme Energie, die dabei freigesetzt wird, sogar aus Videos sichtbar und spürbar wird.
Eines der von mir vermuteten "Geheimnisse" liegt sicher in der Art, wie er seinen Körper steuert und benutzt. Er transzendiert die ursprünglich "starren, fixen" Positionen indem er die "End"punkte als dynamischen Durchgang umsetzt. Das geht nicht mit zu steifen oder zu schlaffen Muskeln oder starren Endpositionen. Dafür braucht es ein fließendes Verbinden der Muskelspannung zwischen Ent- und Anspannung. Ich denke, das ist, was "MUCHIMI" im eigentlichen Sinne meint.
"Muchimi" ist ein Ausdruck, der im okinawanischen Karate gelegentlich zu hören ist. Er hat wohl was mit "Mochi" zu tun. Dem japanischen (sehr leckeren) Reiskuchen, der eine ganz eigenartige zäh-weiche, klebrig-bewegliche Konsistenz hat.
Nun lese ich zum Beispiel oft Sachen wie "Muchimi meint das Aneinanderkleben der Arme, vor allem bei den Kakie-Te Übungen" (die dem chinesischen Chi Sao recht ähnlich sind.
Ich denke, das ist nur eine äusserliche Sache, wo das Prinzip von Muchimi besonders sicht- und spürbar wird.
Aber eigentlich bin ich überzeugt, dass Muchimi etwas viel Zentraleres bedeutet: Eine Anweisung für die Erzeugung eines inneren, den ganzen Körper erfassenden Gefühls, die einzelnen Körperteile durch eine Art "entspannt-weicher Spannung" der Muskeln (und damit der Sehnen, Knochen, Gelenke) zu verbinden.
Ikemiyagi Senseis Karate ist nach meiner Ansicht unter anderem ein absolutes Meisterbeispiel für die tatsächliche Verinnerlichung und Umsetzung des Muchimi-Prinzips. Aus einem Körper bestehend aus mehr oder weniger starren Einzelsegmenten, und aus einem Karate, bestehend aus einem mehr oder weniger fest vorgeschriebenen Set an Bewegungen und "End"-Positionen -> ist eine lebendige, dynamische Peitsche mit einem geradezu unglaublichem Maß an Energie und Durchschlagskraft geworden.
Lasst uns das üben
Traditional Okinawa Karate Seminar | Portugal 🇵🇹 | January 2019 | IKEMIYAGI MASAAKI #ikemiyagidojo
02/11/2025
17/10/2024
04/10/2024
30/08/2024
27/06/2024
25/06/2024