10/09/2026
Certified Translation oder Notarized Translation – wo liegt eigentlich der Unterschied?
Wer Dokumente für Behörden, Gerichte, Universitäten oder Einwanderungsverfahren im englischsprachigen Raum benötigt, stößt sehr schnell auf zwei Begriffe: certified translation und notarized translation.
Sie werden häufig miteinander verwechselt – bedeuten aber nicht dasselbe.
Eine certified translation ist zunächst eine bestätigte Übersetzung. Der Übersetzer oder das Übersetzungsunternehmen erklärt schriftlich, dass die Übersetzung vollständig und nach bestem Wissen korrekt angefertigt wurde. Je nach Land und Verwendungszweck enthält diese Erklärung typischerweise den Namen des Übersetzers, seine Qualifikation oder Sprachkompetenz, Kontaktdaten, Datum und Unterschrift.
Wichtig ist dabei: „certified“ bedeutet im englischsprachigen Raum nicht automatisch „von einem staatlich vereidigten Übersetzer erstellt“, wie man es etwa aus Deutschland kennt. Die rechtlichen Systeme unterscheiden sich erheblich.
Gerade in den USA kann eine sogenannte certification statement bereits ausreichen. Für viele Einwanderungsverfahren verlangt beispielsweise USCIS grundsätzlich eine vollständige englische Übersetzung zusammen mit einer Erklärung des Übersetzers, dass die Übersetzung korrekt ist und er die erforderliche Sprachkompetenz besitzt. Eine notarielle Beglaubigung ist hierfür grundsätzlich nicht automatisch erforderlich.
Und was ist dann eine notarized translation?
Bei einer notarized translation kommt zusätzlich ein Notary Public ins Spiel.
Der entscheidende Unterschied: Der Notar bestätigt normalerweise nicht die fachliche Richtigkeit der Übersetzung. Er bestätigt vielmehr, dass die Person, die die entsprechende Erklärung oder Bescheinigung unterschreibt, ihre Unterschrift vor ihm geleistet bzw. anerkannt hat und ihre Identität geprüft wurde.
Vereinfacht gesagt:
Certified translation:
Der Übersetzer bestätigt:
„Diese Übersetzung ist vollständig und korrekt.“
Notarized translation:
Ein Notar bestätigt zusätzlich sinngemäß:
„Diese Person hat die Erklärung vor mir unterzeichnet bzw. ihre Unterschrift anerkannt.“
Die notarielle Beglaubigung macht eine Übersetzung daher nicht automatisch „besser“ oder fachlich richtiger. Sie fügt vielmehr eine zusätzliche formelle Authentifizierung der Unterschrift hinzu.
Warum kommt es so häufig zu Missverständnissen?
Weil die Begriffe „beglaubigt“, „certified“ und „notarized“ rechtlich nicht deckungsgleich sind.
Eine deutsche beglaubigte Übersetzung wird typischerweise von einem gerichtlich ermächtigten, beeidigten oder öffentlich bestellten Übersetzer angefertigt. In vielen englischsprachigen Ländern existiert dieses System in derselben Form jedoch nicht.
Deshalb sollte man „beglaubigte Übersetzung“ nicht automatisch mit notarized translation übersetzen.
In vielen Fällen ist certified translation die fachlich und funktional passendere Bezeichnung.
Beispiel aus der Praxis
Eine deutsche Geburtsurkunde soll für ein US-amerikanisches Einwanderungsverfahren verwendet werden.
Der professionelle Übersetzer fertigt eine vollständige englische Übersetzung an und fügt eine Erklärung bei, dass die Übersetzung vollständig und korrekt ist und dass er zur Übersetzung aus dem Deutschen ins Englische qualifiziert ist.
Das ist eine certified translation.
Wird die Unterschrift unter dieser Erklärung zusätzlich von einem Notary Public beglaubigt, handelt es sich um eine notarized certified translation.
Ob dieser zusätzliche Schritt erforderlich ist, entscheidet jedoch nicht der Übersetzer, sondern letztlich die empfangende Behörde oder Institution.
Und wie sieht es im Vereinigten Königreich aus?
Auch im Vereinigten Königreich ist eine certified translation normalerweise eine Übersetzung, die mit einer entsprechenden Bestätigung über Richtigkeit und Vollständigkeit, Datum, Namen, Kontaktdaten und Unterschrift versehen ist.
Eine notarielle Beglaubigung wird nur dann benötigt, wenn die konkrete Behörde, Kanzlei, Bank oder sonstige Institution sie ausdrücklich verlangt.
Deshalb lohnt es sich, vor der Bestellung genau auf die Formulierung zu achten:
“certified translation required” bedeutet nicht automatisch
“notarized translation required”.
Die wichtigste Regel
Bei offiziellen Übersetzungen sollte niemals nur gefragt werden:
„Brauche ich eine beglaubigte Übersetzung?“
Die bessere Frage lautet:
„Welche Form der Bestätigung verlangt genau die Behörde oder Institution, bei der das Dokument eingereicht wird?“
Denn eine certified translation, eine notarized translation und eine sworn translation können – abhängig vom Land – drei unterschiedliche Dinge sein.
Gerade bei Einwanderung, Studium, Gerichtsverfahren, Personenstandsurkunden oder internationalen Geschäftsangelegenheiten kann die richtige Form der Übersetzung darüber entscheiden, ob ein Dokument problemlos akzeptiert wird.
Kurz gesagt:
Certified = der Übersetzer bestätigt die Übersetzung.
Notarized = ein Notar bestätigt die Unterschrift bzw. Identität des Unterzeichners.
Beglaubigte Englisch-Übersetzungen durch vereidigte Übersetzer – für Behörden, Gerichte, Studium und internationale Zwecke.