14/09/2026
Statement zu den Aussagen des Bundestrainers Olaf Lange
Vom 4. bis zum 13. September hat Basketball-Deutschland mit unserer Nationalmannschaft mitgefiebert und für eine ganz besondere Atmosphäre in und um die Hallen in Berlin sowie in ganz Deutschland gesorgt.
Wir haben mit unseren Spielerinnen gelitten, als sie gegen Frankreich und Spanien letztlich chancenlos waren. Wir haben uns gemeinsam gefreut, als das Team die Belgierinnen besiegte. Und wie viele Tränen wurden in der Halle und vor den Bildschirmen gemeinsam mit unseren Spielerinnen vergossen? Wir haben mitgefiebert, gefeiert und am Ende gemeinsam gelitten.
Umso mehr stellt sich für mich die Frage: Warum muss man in einer Abschlusspressekonferenz die Schuld bei der deutschen Bundesliga suchen? Ist die DBBL schuld daran, dass wir gegen Frankreich und Spanien deutlich unterlegen waren? Ich denke nicht.
Wie so oft im Leben ist auch dies eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Die deutsche Damen-Basketball-Nationalmannschaft hat sich in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert: Einzelzimmer, Flüge in der Business Class, Reisen in der 1. Klasse mit der Bahn, Entschädigungszahlungen an Spielerinnen für ihren Aufwand, ein hochkarätiger Coaching-Staff und vieles mehr. Das sind alles richtige und wichtige Entscheidungen seitens des DBB. Aber wie wurde diese Entwicklung möglich? Die einfache Antwort lautet: Der DBB hat deutlich mehr Geld in das System investiert. Woher dieses zusätzliche Geld kommt, kann ich nicht abschließend beurteilen. Sollte dabei auch eine Querfinanzierung aus dem Herrenbereich eine Rolle spielen, wäre dies eine bemerkenswerte und ausdrücklich zu begrüßende Wertschätzung des Frauenbasketballs durch den DBB.
Bei aller berechtigten Freude über diese Entwicklung kommt mir jedoch die Wertschätzung für die Arbeit der Vereine zu kurz. Es waren auch die vermeintlich „armen“ DBBL-Vereine, die über rund sechs Wochen die Gehälter und Versicherungen ihrer Nationalspielerinnen weiterbezahlt haben – ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Wir haben das gerne getan und uns darüber nicht beklagt. Gerade deshalb ist es schmerzhaft, unmittelbar nach einer solchen Weltmeisterschaft hören zu müssen, dass den Topspielerinnen empfohlen wird, ins Ausland zu wechseln. Man kann diese Auffassung vertreten. Sie aber in dieser Form im Rahmen einer Abschlusspressekonferenz öffentlich zu äußern, halte ich für nicht glücklich.
Ebenso unpassend finde ich es, die Arbeit von Mannschaftsärzten und Physiotherapeuten in diesem Zusammenhang pauschal als katastrophal zu bezeichnen. Auch hinter diesen Strukturen stehen Menschen, die mit großem Einsatz arbeiten – und Vereine, die dafür erhebliche finanzielle Mittel aufbringen.
Da wir seit vielen Jahren im EuroCup vertreten sind, hatte ich zahlreiche Berührungspunkte mit Vereinen und Strukturen in anderen europäischen Ländern. Dort bestehen teilweise völlig andere Voraussetzungen für die Förderung des Sports. In Frankreich beispielsweise profitieren Erstligisten von erheblichen öffentlichen Zuwendungen im mittleren sechsstelligen Bereich, die zugleich mit Anforderungen etwa im Bereich der Nachwuchsarbeit verbunden sind. In Deutschland sind die Rahmenbedingungen für Vereine im Frauenbasketball andere. Genau hier liegt aus meiner Sicht ein entscheidender Punkt: Wer die sportliche Qualität der Bundesliga erhöhen möchte, muss auch über die wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen sprechen, unter denen die Vereine im Frauensport arbeiten. Internationale Konkurrenzfähigkeit lässt sich nicht allein durch Forderungen an Vereine, Trainer oder Spielerinnen herstellen.
Die Aussagen treffen deshalb auch viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bis ins Mark. Ohne sie würde es die DBBL in ihrer heutigen Form überhaupt nicht geben. Nur mit enorm viel Herzblut, persönlichem Einsatz und ehrenamtlicher Arbeit ist Vereinsarbeit im deutschen Frauenbasketball vielerorts überhaupt möglich. Auch das gehört zur Wahrheit. Ob früher alles besser war, kann und möchte ich nicht beurteilen. Nach meinen Informationen wurde die damalige Spitzenmannschaft von Olaf Lange maßgeblich von einem großen Unternehmen unterstützt, das sich bewusst im Frauenbasketball engagieren wollte. Ein nachhaltiges strukturelles Wachstum ist daraus offensichtlich nicht entstanden – sonst würde dieser Verein vermutlich heute noch in der 1. Bundesliga spielen. Hermann Paar hat mir einmal sinngemäß erzählt, dass dieses Modell so lange funktioniert habe, wie das Unternehmen bereit und in der Lage gewesen sei, die entsprechenden finanziellen Mittel bereitzustellen. Dies ist auf jeden Fall kein organisches Wachstum.
War die Bundesliga damals deshalb tatsächlich besser, wenn ein einziges Team über viele Jahre nahezu alles gewonnen hat? Ich denke nicht.
Bei der Weltmeisterschaft in Berlin standen für Deutschland mit Nyara Sabally, Leonie Fiebich, Frieda Bühner und Luisa Geiselsöder gleich 4 aktuelle WNBA-Spielerinnen im Kader. Dazu mit Captain Marie Gülich und der eingebürgerten Alexis Peterson-Smalls zwei Euroleague-Spielerinnen im Kader. Hinzu kamen ein international erfahrener Coaching-Staff aus der WNBA und der EuroLeague. Das kann sich wahrlich sehen lassen. So viele TOP-Spielerinnen hatte Belgien zum Beispiel nicht. Und gegen Frankreich und Spanien ist es keine Schande zu verlieren. Gleichzeitig haben mit Britta Daub und Emma Eichmeyer zwei Spielerinnen aus der DBBL in der Starting Five gestanden. Auch das sollte in der Bewertung der deutschen Liga und der dort geleisteten Arbeit nicht vergessen werden, ebenso wie das Engagement und die Leistung unserer Alex Wilke. Sich Lina Sontag aus Osnabrück wurde von Olaf Lange während der WM oft sehr gelobt und bekam viele Einsatzzeiten.
Es wäre aus meiner Sicht schöner und angemessener gewesen, zunächst die Eindrücke dieser besonderen Weltmeisterschaft wirken zu lassen und die Leistung aller Beteiligten zu würdigen. Anschließend hätte man gemeinsam und sachlich darüber sprechen können, was wir im deutschen Frauenbasketball verbessern müssen – beim Verband ebenso wie bei der Liga und den Vereinen. Denn Verbesserungen sind ohne Zweifel notwendig. Aber sie gelingen nicht dadurch, dass einzelne Teile des Systems öffentlich zum Problem erklärt werden. Sie gelingen nur, wenn Verband, Liga und Vereine gemeinsam daran arbeiten, bessere sportliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Frauenbasketball in Deutschland zu schaffen.
Am Ende möchte ich mich beim DBB, Bundestrainer Olaf Lange, seinem Coaching Staff, allen Betreuern und ganz besonders bei allen Spielerinnen für Ihren tollen Einsatz in den letzten Wochen sowie die tollen Momente in den Hallen und im Wohnzimmer bedanken. Es soll mir niemand böse sein, doch ich musste einfach dieses Statement abgeben. Wer mich kennt, weiß, dass ich dies tun musste.
In diesem Sinne
Dirk Steidl