24/05/2026
Offizielle Dharma Ansprache unseres Verbandsleiters, Abt Chi Sim, zu Buddhas Geburtstag 24.05.2026
Liebe Dharma-Freundinnen und Dharma-Freunde,
liebe Laienbuddhistinnen und Laienbuddhisten,
liebe Menschen guten Herzens,
in einer Zeit, in der die Welt oft laut, unruhig und verwundet erscheint, möchte ich einige Worte an Euch richten — nicht als Worte der Belehrung, sondern als Worte der Erinnerung. Denn der Buddhismus beginnt nicht dort, wo wir andere überzeugen wollen.
Er beginnt dort, wo wir selbst still werden, unser eigenes Herz betrachten und erkennen: Auch inmitten von Unsicherheit, Angst und Leid gibt es einen Weg des Mitgefühls, der Klarheit und der inneren Würde.
Wir leben in einer Welt, die voller technischer Möglichkeiten ist, aber zugleich erleben viele Menschen Einsamkeit. Wir haben mehr Informationen als je zuvor, aber nicht immer mehr Weisheit. Wir können in Sekunden Nachrichten um die ganze Erde senden, aber oft fällt es uns schwer, dem Menschen direkt vor uns wirklich zuzuhören. Wir sehen Kriege, soziale Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit, Klimasorgen, Krankheit, Armut, Verlust, Ängste um die Zukunft und eine wachsende Härte im Umgang der Menschen miteinander.
Viele fragen sich:
Was kann ein einzelner Mensch in einer solchen Welt überhaupt bewirken?
Was kann mein kleines Leben ausrichten gegenüber so großen Problemen?
Die buddhistische Antwort darauf ist tief und einfach zugleich:
Nichts existiert getrennt. Kein Gedanke, kein Wort, keine Handlung bleibt ohne Wirkung.
Dies ist das Gesetz der gegenseitigen Verbundenheit.
Im Buddhismus sprechen wir davon, dass alle Dinge voneinander abhängig entstehen. Nichts steht allein. Kein Mensch lebt nur für sich. Kein Leid ist völlig isoliert. Kein Glück gehört nur einem einzigen Wesen. Wie Wellen auf einem großen Ozean erscheinen wir verschieden, doch in der Tiefe sind wir nicht getrennt.
Der Atem, den wir heute einatmen, ist verbunden mit den Bäumen. Die Nahrung, die wir essen, ist verbunden mit Erde, Regen, Sonne, Arbeit, Handel und unzähligen Händen. Unsere Worte beeinflussen die Herzen anderer Menschen. Unsere Stimmung verändert den Raum, in dem wir uns befinden. Ein freundlicher Blick kann einen verzweifelten Menschen daran erinnern, dass er nicht vergessen wurde. Ein hartes Wort kann eine Wunde vertiefen, die wir vielleicht niemals sehen.
Darum ist der Buddhismus keine Flucht aus der Welt.
Er ist ein Erwachen mitten in der Welt.
Wenn wir wirklich verstehen, dass alles miteinander verbunden ist, dann können wir nicht mehr so tun, als ginge uns das Leid anderer nichts an. Aber wir müssen auch nicht daran zerbrechen. Denn Mitgefühl bedeutet nicht, alles Leid der Welt auf die eigenen Schultern zu nehmen. Mitgefühl bedeutet, dem Leid mit einem wachen Herzen zu begegnen, ohne selbst Hass, Verzweiflung oder Gleichgültigkeit zu nähren.
Mitgefühl ist keine Schwäche. Mitgefühl ist die höchste Form innerer Stärke.
Ein Mensch, der zurückschlagen könnte, aber sich entscheidet, Frieden zu schaffen, ist stark.
Ein Mensch, der verletzt wurde, aber nicht den Wunsch entwickelt, andere zu verletzen, ist stark.
Ein Mensch, der in einer harten Welt weichherzig bleibt, ist stark.
Ein Mensch, der nicht aufhört, Gutes zu tun, obwohl er selbst Leid erfahren hat, ist stark.
Gerade heute brauchen wir diese Stärke.
Wir brauchen Menschen, die nicht sofort urteilen.
Wir brauchen Menschen, die zuhören können.
Wir brauchen Menschen, die in einer Welt voller Spaltung Brücken bauen.
Wir brauchen Menschen, die nicht fragen: „Was bekomme ich dafür?“, sondern: „Was kann ich heilen?“
Wir brauchen Menschen, die verstehen, dass Frieden nicht erst in Parlamenten, Verträgen oder großen Konferenzen beginnt, sondern im eigenen Herzen.
Denn Krieg beginnt nicht erst auf Schlachtfeldern.
Krieg beginnt dort, wo Hass im Herzen genährt wird.
Krieg beginnt dort, wo wir andere entmenschlichen.
Krieg beginnt dort, wo wir sagen: „Diese Menschen sind nicht wie wir.“
Krieg beginnt dort, wo Gier, Stolz und Verblendung unser Denken beherrschen.
Ebenso beginnt Frieden nicht erst in großen Reden.
Frieden beginnt dort, wo ein Mensch innehält, bevor er verletzt.
Frieden beginnt dort, wo ein Mensch verzeiht, obwohl sein Stolz etwas anderes verlangt.
Frieden beginnt dort, wo wir nicht jedes Wort gewinnen müssen.
Frieden beginnt dort, wo wir erkennen: Der andere Mensch leidet auch.
Das ist eine der tiefsten buddhistischen Einsichten:
Hinter Zorn liegt oft Schmerz.
Hinter Härte liegt oft Angst.
Hinter Ego liegt oft Unsicherheit.
Hinter Gier liegt oft innere Leere.
Wenn wir nur auf das äußere Verhalten eines Menschen schauen, reagieren wir schnell mit Ablehnung. Wenn wir aber tiefer sehen, erkennen wir: Auch dieser Mensch sucht Glück. Auch dieser Mensch fürchtet Verlust. Auch dieser Mensch möchte gesehen, verstanden und angenommen werden.
Das bedeutet nicht, dass wir alles gutheißen müssen. Der Buddhismus ist nicht naiv. Mitgefühl bedeutet nicht, Unrecht zu erlauben. Mitgefühl bedeutet auch Klarheit. Manchmal muss man Grenzen setzen. Manchmal muss man deutlich sprechen. Manchmal muss man sich und andere schützen. Aber selbst dann können wir darauf achten, dass unser Herz nicht von Hass vergiftet wird.
Denn Hass heilt keinen Hass.
Gewalt heilt keine Gewalt.
Verachtung heilt keine Verachtung.
Nur Weisheit und Mitgefühl können den Kreislauf des Leidens durchbrechen.
Als Laienbuddhistinnen und Laienbuddhisten habt Ihr eine besonders wichtige Aufgabe. Nicht jeder Mensch wird Mönch oder Nonne. Nicht jeder lebt im Kloster. Nicht jeder verbringt viele Stunden am Tag mit Sutren, Ritualen oder Meditation. Aber jeder Mensch kann den Dharma in seinem Alltag verkörpern.
Der Dharma zeigt sich nicht nur im Tempel.
Er zeigt sich in der Familie.
Er zeigt sich im Beruf.
Er zeigt sich in der Art, wie wir mit Kindern sprechen.
Er zeigt sich in der Art, wie wir mit alten Menschen umgehen.
Er zeigt sich im Straßenverkehr, im Supermarkt, im Büro, im Krankenhaus, in der Schule, im Internet, in unseren Kommentaren, in unseren Nachrichten, in unserem Schweigen.
Gerade in sozialen Medien ist buddhistische Praxis heute besonders wichtig. Facebook, Instagram und andere Plattformen können Orte der Verbindung sein, aber auch Orte von Wut, Neid, Eitelkeit und Streit.
Bevor wir etwas schreiben, sollten wir uns fragen:
Ist es wahr?
Ist es hilfreich?
Ist es notwendig?
Kommt es aus Mitgefühl?
Oder kommt es aus Verletzung, Stolz oder dem Wunsch, recht zu haben?
Ein einziger Satz im Internet kann Menschen aufbauen oder niederdrücken. Ein Kommentar kann Frieden stiften oder Streit vermehren. Auch online gilt das Gesetz von Ursache und Wirkung. Auch dort entsteht Karma.
Karma ist kein fremdes Urteil von außen. Karma bedeutet: Unsere Handlungen haben Folgen. Unsere Worte formen Gewohnheiten. Unsere Gedanken werden zu Charakter. Unser Charakter prägt die Welt, die wir miterschaffen.
Wenn wir täglich Ärger nähren, wird unser Herz enger.
Wenn wir täglich Dankbarkeit üben, wird unser Herz weiter.
Wenn wir täglich Mitgefühl üben, wird unser Blick klarer.
Wenn wir täglich Achtsamkeit üben, wird unser Leben friedvoller.
Dabei müssen wir nicht vollkommen sein. Kein Mensch ist immer ruhig, immer liebevoll, immer weise. Auch ein praktizierender Buddhist kennt Müdigkeit, Enttäuschung, Zorn, Zweifel und Schmerz. Der Unterschied liegt nicht darin, dass wir nie fallen. Der Unterschied liegt darin, dass wir immer wieder aufstehen und zum Weg zurückkehren.
Der Buddha verlangte keine perfekte Fassade. Er zeigte einen Weg der Befreiung.
Und dieser Weg beginnt mit Ehrlichkeit.
Wir dürfen sagen:
„Ich leide.“
„Ich habe Angst.“
„Ich bin überfordert.“
„Ich weiß nicht weiter.“
„Ich brauche Hilfe.“
„Ich möchte lernen, besser zu lieben.“
„Ich möchte nicht länger von Hass beherrscht werden.“
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist der Beginn von Weisheit.
In Europa, in Deutschland, in Hong Kong und überall auf der Welt stehen Menschen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Und doch ist das menschliche Herz überall ähnlich. Eine Mutter, die sich um ihr Kind sorgt, fühlt in Deutschland nicht grundsätzlich anders als in Hong Kong. Ein alter Mensch, der Einsamkeit spürt, leidet in Europa nicht grundsätzlich anders als in Asien. Ein junger Mensch, der Angst vor der Zukunft hat, sucht überall nach Orientierung. Ein Mensch, der geliebt werden möchte, ist überall Mensch.
Darum darf der Buddhismus niemals zu einer bloßen Kulturform werden, die uns voneinander trennt. Der wahre Dharma überschreitet Grenzen. Er achtet Traditionen, aber er gehört nicht nur einem Land, einer Sprache oder einer äußeren Form. Der Dharma ist wie der Mond: Verschiedene Seen spiegeln ihn unterschiedlich, doch der Mond selbst ist einer.
Der koreanische buddhistische Taego Orden trägt eine tiefe Tradition in sich: die Verbindung von Meditation, Ritual, Mitgefühl, Weisheit und gelebter Verantwortung. Doch jede Tradition bleibt nur dann lebendig, wenn sie nicht nur bewahrt, sondern auch im Herzen der Menschen verwirklicht wird.
Ein Tempel ist nicht nur ein Gebäude.
Ein Tempel entsteht dort, wo ein Mensch achtsam atmet.
Ein Tempel entsteht dort, wo jemand einem Leidenden zuhört.
Ein Tempel entsteht dort, wo ein Mensch auf Rache verzichtet.
Ein Tempel entsteht dort, wo wir einem anderen Wesen Raum
geben, ohne es zu verurteilen.
Wenn Ihr also fragt: „Wie kann ich als Laienbuddhist praktizieren?“, dann beginnt nicht mit etwas Kompliziertem.
Beginnt mit einem Atemzug.
Beginnt mit einem freundlichen Wort.
Beginnt mit einem Moment der Geduld.
Beginnt mit Dankbarkeit für das, was noch heil ist.
Beginnt damit, einem Menschen nicht zusätzlichen Schmerz zuzufügen.
Beginnt damit, Euch selbst nicht ständig zu verurteilen.
Beginnt damit, jeden Tag wenigstens eine kleine Ursache für Frieden zu setzen.
Vielleicht könnt Ihr heute jemandem vergeben — nicht, weil alles richtig war, sondern weil Euer Herz nicht länger an Gift festhalten möchte.
Vielleicht könnt Ihr heute jemanden anrufen, der einsam ist.
Vielleicht könnt Ihr heute einem Menschen zuhören, ohne sofort Ratschläge zu geben.
Vielleicht könnt Ihr heute eine schlechte Nachricht lesen und dennoch nicht in Hass versinken.
Vielleicht könnt Ihr heute für alle Wesen einen stillen Wunsch sprechen:
Mögen alle Wesen frei von Leid sein.
Mögen alle Wesen Frieden finden.
Mögen alle Wesen Schutz, Nahrung, Liebe und Würde erfahren.
Mögen auch jene, die schwer zu lieben sind, den Weg aus ihrer Verblendung finden.
Das ist keine kleine Praxis. Das ist eine revolutionäre Praxis.
Denn eine Welt, in der Menschen so denken, wird nicht dieselbe Welt bleiben.
Viele Menschen glauben, Spiritualität bedeute, sich vom Leid der Welt abzuwenden. Doch wahre buddhistische Spiritualität bedeutet, das Leid klar zu sehen, ohne daran zu verzweifeln. Sie bedeutet, nicht blind optimistisch zu sein, aber auch nicht zynisch zu werden. Sie bedeutet, das Dunkel zu sehen und dennoch eine Lampe anzuzünden.
Der Buddha lehrte nicht, dass das Leben frei von Schmerz sei. Er lehrte, dass es einen Weg gibt, mit Schmerz so umzugehen, dass daraus Weisheit entsteht.
Aus Verlust kann Mitgefühl wachsen.
Aus Angst kann Achtsamkeit wachsen.
Aus Scheitern kann Demut wachsen.
Aus Einsamkeit kann Verständnis für andere Einsame wachsen.
Aus Leid kann der Entschluss entstehen, selbst kein Leid mehr zu vermehren.
Das ist die Verwandlung, zu der der Dharma uns einlädt.
Wir sollten uns daran erinnern: Jeder Mensch, dem wir begegnen, trägt eine Geschichte, die wir nicht vollständig kennen. Manche lächeln und sind innerlich zerbrochen. Manche wirken stark und kämpfen im Stillen. Manche sind hart geworden, weil sie nie Sanftheit erfahren haben. Manche verletzen andere, weil sie nicht wissen, wie sie mit ihrer eigenen Wunde umgehen sollen.
Darum ist Mitgefühl so wichtig. Nicht als sentimentales Gefühl, sondern als klare Erkenntnis:
Das Leid des anderen ist nicht getrennt von meinem Leben.
Die Heilung des anderen ist nicht getrennt von meiner Heilung.
Der Frieden des anderen ist nicht getrennt vom Frieden der Welt.
Wenn ein Kind irgendwo auf der Welt Angst hat, ist unsere Welt noch nicht heil.
Wenn ein alter Mensch vergessen wird, ist unsere Gesellschaft noch nicht vollständig menschlich.
Wenn Menschen wegen Herkunft, Religion, Armut oder Meinung verachtet werden, ist unser Herz als Menschheitsfamilie noch nicht erwacht.
Aber wir dürfen nicht nur auf Regierungen, Institutionen oder große Persönlichkeiten warten. Jeder von uns ist ein Knotenpunkt im Netz des Lebens. Jeder von uns sendet Wirkungen aus. Jeder von uns kann Leid vermehren oder Leid vermindern.
Die Frage ist daher nicht:
„Bin ich wichtig genug, um die Welt zu verändern?“
Die Frage ist:
„Welche Welt entsteht durch mich in diesem Moment?“
Entsteht durch mich mehr Ruhe oder mehr Unruhe?
Mehr Vertrauen oder mehr Angst?
Mehr Güte oder mehr Kälte?
Mehr Klarheit oder mehr Verwirrung?
Mehr Verbindung oder mehr Trennung?
So wird der Dharma praktisch. So wird Buddhismus lebendig.
Liebe Dharma-Freundinnen und Dharma-Freunde, wir stehen heute nicht nur vor politischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Krisen. Wir stehen vor einer Krise des Herzens. Zu viele Menschen fühlen sich getrennt. Getrennt voneinander, getrennt von der Natur, getrennt von Sinn, getrennt von sich selbst.
Der Buddhismus erinnert uns: Diese Trennung ist letztlich eine Täuschung.
Wir sind verbunden mit unseren Eltern und Ahnen.
Wir sind verbunden mit unseren Lehrern.
Wir sind verbunden mit den Menschen, die uns lieben.
Wir sind sogar verbunden mit denen, die uns Schwierigkeiten bereiten, denn auch sie zeigen uns, wo unsere Praxis noch wachsen darf.
Wir sind verbunden mit der Erde, mit Wasser, Luft, Feuer, Raum, Bewusstsein.
Wir sind verbunden mit allen fühlenden Wesen.
Wenn wir diese Verbundenheit wirklich verstehen, verändert sich unser Leben.
Dann essen wir achtsamer.
Dann sprechen wir vorsichtiger.
Dann konsumieren wir bewusster.
Dann streiten wir weniger grausam.
Dann betrachten wir Tiere, Natur und Menschen nicht mehr nur als Mittel für unsere Wünsche.
Dann erkennen wir, dass unser eigenes Glück nicht auf Kosten anderer aufgebaut werden kann.
Wahres Glück ist nicht Besitz.
Wahres Glück ist nicht Sieg über andere.
Wahres Glück ist nicht Anerkennung in den Augen der Welt.
Wahres Glück ist ein Herz, das nicht ständig kämpfen muss.
Ein Herz, das vergeben kann.
Ein Herz, das geben kann.
Ein Herz, das still werden kann.
Ein Herz, das liebt, ohne zu besitzen.
Ein Herz, das handelt, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.
Das ist buddhistische Reife.
Und doch beginnt sie ganz einfach: mit dem nächsten Atemzug.
Atme ein und erkenne: Ich lebe.
Atme aus und erkenne: Ich darf Frieden geben.
Atme ein und erkenne: Auch ich leide manchmal.
Atme aus und erkenne: Auch andere leiden.
Atme ein und erkenne: Ich bin nicht getrennt.
Atme aus und erkenne: Mögen alle Wesen Frieden finden.
Liebe Freundinnen und Freunde, ich bitte Euch: Unterschätzt niemals die Kraft eines gütigen Herzens.
Vielleicht werdet Ihr nicht alle Kriege beenden.
Vielleicht werdet Ihr nicht alle Ungerechtigkeit beseitigen.
Vielleicht werdet Ihr nicht alle Menschen überzeugen.
Aber Ihr könnt verhindern, dass durch Euch noch mehr Hass entsteht.
Ihr könnt verhindern, dass durch Euch noch mehr Kälte entsteht.
Ihr könnt in Eurer Familie, Eurem Freundeskreis, Eurer Schule, Eurer Arbeit, Eurer Stadt und im Internet ein Mensch sein, durch den andere wieder an Güte glauben.
Das ist nicht wenig.
Das ist heilig.
Ein einziger Mensch, der wahrhaft friedvoll lebt, ist wie eine Kerze in einem dunklen Raum. Die Kerze muss nicht gegen die Dunkelheit kämpfen. Sie muss nur brennen.
So lasst uns solche Kerzen sein.
Nicht laut, aber klar.
Nicht stolz, aber standhaft.
Nicht weltfremd, aber innerlich frei.
Nicht gleichgültig, aber nicht vom Hass beherrscht.
Nicht perfekt, aber aufrichtig.
Mögen wir in dieser schwierigen Zeit nicht vergessen, dass der Dharma gerade dann am hellsten leuchtet, wenn die Welt dunkel erscheint.
Mögen wir Mitgefühl üben, wenn andere hart werden.
Mögen wir Wahrheit sprechen, ohne zu verletzen.
Mögen wir Grenzen setzen, ohne Hass zu nähren.
Mögen wir helfen, ohne uns überlegen zu fühlen.
Mögen wir praktizieren, nicht um besser zu erscheinen, sondern um weniger Leid zu verursachen.
Und mögen wir erkennen:
Wir sind nicht getrennt.
Unser Atem ist verbunden.
Unser Leid ist verbunden.
Unsere Hoffnung ist verbunden.
Unsere Befreiung ist verbunden.
Was wir heute in unser Herz pflanzen, wird morgen in der Welt sichtbar.
Darum pflanzen wir Mitgefühl.
Darum pflanzen wir Geduld.
Darum pflanzen wir Weisheit.
Darum pflanzen wir Frieden.
Für Deutschland.
Für Europa.
Für Hong Kong.
Für Korea.
Für alle Länder.
Für alle Wesen.
Für diese leidende und doch kostbare Welt.
Mögen alle Wesen glücklich sein.
Mögen alle Wesen frei von Leid sein.
Mögen alle Wesen den Weg des Friedens finden.
Mögen unsere Gedanken, Worte und Taten Ursachen des Erwachens werden.
In tiefer Verbundenheit, mit Respekt und Mitgefühl.
In Dharma
Venerable Chi Sim / Hae Sun Sunim
Abt & Bhíkkhu
Kanzler des koreanischen buddhistischen Taego Ordens für Europa
English:
Official Dharma Address by our Association Leader, Abbot Chi Sim, on the occasion of Buddha’s Birthday, 24 May 2026
Dear Dharma friends,
dear lay Buddhist women and men,
dear people of good heart,
in a time when the world often appears loud, restless, and wounded, I would like to address a few words to you — not as words of instruction, but as words of remembrance. For Buddhism does not begin where we wish to convince others. It begins where we ourselves become still, look into our own heart, and recognize: Even in the midst of uncertainty, fear, and suffering, there is a path of compassion, clarity, and inner dignity.
We live in a world full of technical possibilities, and yet many people experience loneliness. We have more information than ever before, but not always more wisdom. We can send messages around the world in seconds, but often it is difficult for us to truly listen to the person directly in front of us. We see wars, social tensions, economic insecurity, concerns about the climate, illness, poverty, loss, fears about the future, and a growing harshness in the way people deal with one another.
Many ask themselves:
What can one individual person possibly achieve in such a world?
What can my small life accomplish in the face of such great problems?
The Buddhist answer to this is deep and simple at the same time:
Nothing exists separately. No thought, no word, no action remains without effect.
This is the law of mutual interconnectedness.
In Buddhism, we speak of all things arising in dependence upon one another. Nothing stands alone. No human being lives only for themselves. No suffering is completely isolated. No happiness belongs to only one single being. Like waves upon a great ocean, we appear different, and yet in the depths we are not separate.
The breath we inhale today is connected with the trees. The food we eat is connected with earth, rain, sun, labor, trade, and countless hands. Our words influence the hearts of other people. Our mood changes the room in which we are present. A kind glance can remind a desperate person that they have not been forgotten. A harsh word can deepen a wound that we may never even see.
Therefore Buddhism is not an escape from the world.
It is an awakening in the very midst of the world.
When we truly understand that everything is connected, then we can no longer pretend that the suffering of others has nothing to do with us. But we also do not have to break under it. Compassion does not mean carrying all the suffering of the world on our own shoulders. Compassion means meeting suffering with an awakened heart, without nourishing hatred, despair, or indifference within ourselves.
Compassion is not weakness. Compassion is the highest form of inner strength.
A person who could strike back, but chooses to create peace, is strong.
A person who has been wounded, but does not develop the wish to wound others, is strong.
A person who remains soft-hearted in a hard world is strong.
A person who does not stop doing good, even though they themselves have experienced suffering, is strong.
Especially today, we need this strength.
We need people who do not immediately judge.
We need people who can listen.
We need people who build bridges in a world full of division.
We need people who do not ask, “What do I receive for this?”, but rather, “What can I heal?”
We need people who understand that peace does not first begin in parliaments, treaties, or great conferences, but in one’s own heart.
For war does not begin only on battlefields.
War begins where hatred is nourished in the heart.
War begins where we dehumanize others.
War begins where we say: “These people are not like us.”
War begins where greed, pride, and delusion dominate our thinking.
Likewise, peace does not begin only in great speeches.
Peace begins where a person pauses before causing harm.
Peace begins where a person forgives, even though their pride demands something else.
Peace begins where we do not have to win every word.
Peace begins where we recognize: The other person suffers too.
This is one of the deepest Buddhist insights:
Behind anger there is often pain.
Behind hardness there is often fear.
Behind ego there is often insecurity.
Behind greed there is often inner emptiness.
If we look only at a person’s outward behavior, we quickly react with rejection. But if we see more deeply, we recognize: This person, too, seeks happiness. This person, too, fears loss. This person, too, wants to be seen, understood, and accepted.
That does not mean that we must approve of everything. Buddhism is not naive. Compassion does not mean allowing injustice. Compassion also means clarity. Sometimes one must set boundaries. Sometimes one must speak clearly. Sometimes one must protect oneself and others. But even then, we can take care that our heart is not poisoned by hatred.
For hatred does not heal hatred.
Violence does not heal violence.
Contempt does not heal contempt.
Only wisdom and compassion can break the cycle of suffering.
As lay Buddhist women and men, you have a particularly important task. Not every person becomes a monk or nun. Not everyone lives in a monastery. Not everyone spends many hours a day with sutras, rituals, or meditation. But every person can embody the Dharma in everyday life.
The Dharma reveals itself not only in the temple.
It reveals itself in the family.
It reveals itself at work.
It reveals itself in the way we speak with children.
It reveals itself in the way we treat elderly people.
It reveals itself in traffic, in the supermarket, in the office, in the hospital, in school, on the internet, in our comments, in our messages, in our silence.
Especially on social media, Buddhist practice is particularly important today. Facebook, Instagram, and other platforms can be places of connection, but also places of anger, envy, vanity, and conflict.
Before we write something, we should ask ourselves:
Is it true?
Is it helpful?
Is it necessary?
Does it come from compassion?
Or does it come from hurt, pride, or the desire to be right?
A single sentence on the internet can uplift people or bring them down. A comment can create peace or increase conflict. Even online, the law of cause and effect applies. Even there, karma arises.
Karma is not a foreign judgment from outside.
Karma means: Our actions have consequences. Our words shape habits. Our thoughts become character. Our character shapes the world that we help create.
If we nourish anger every day, our heart becomes narrower.
If we practice gratitude every day, our heart becomes wider.
If we practice compassion every day, our vision becomes clearer.
If we practice mindfulness every day, our life becomes more peaceful.
At the same time, we do not have to be perfect. No human being is always calm, always loving, always wise. A practicing Buddhist also knows tiredness, disappointment, anger, doubt, and pain. The difference does not lie in never falling. The difference lies in always rising again and returning to the path.
The Buddha did not demand a perfect appearance. He showed a path of liberation.
And this path begins with honesty.
We are allowed to say:
“I suffer.”
“I am afraid.”
“I am overwhelmed.”
“I do not know how to continue.”
“I need help.”
“I want to learn to love better.”
“I no longer want to be ruled by hatred.”
This is not a sign of weakness. This is the beginning of wisdom.
In Europe, in Germany, in Hong Kong, and everywhere in the world, people face different challenges. And yet the human heart is similar everywhere. A mother who worries about her child does not feel fundamentally differently in Germany than in Hong Kong. An elderly person who feels loneliness does not suffer fundamentally differently in Europe than in Asia. A young person who is afraid of the future seeks orientation everywhere. A person who wants to be loved is human everywhere.
Therefore Buddhism must never become merely a cultural form that separates us from one another. The true Dharma crosses borders. It respects traditions, but it does not belong only to one country, one language, or one outer form. The Dharma is like the moon: Different lakes reflect it differently, yet the moon itself is one.
The Korean Buddhist Taego Order carries within itself a deep tradition: the connection of meditation, ritual, compassion, wisdom, and lived responsibility. But every tradition remains alive only when it is not merely preserved, but also realized in the hearts of people.
A temple is not only a building.
A temple arises where a person breathes mindfully.
A temple arises where someone listens to a suffering person.
A temple arises where a person refrains from revenge.
A temple arises where we give another being space without judging it.
So if you ask, “How can I practice as a lay Buddhist?”, then do not begin with something complicated.
Begin with one breath.
Begin with one kind word.
Begin with one moment of patience.
Begin with gratitude for what is still whole.
Begin by not adding further pain to another person.
Begin by not constantly judging yourself.
Begin by creating at least one small cause of peace every day.
Perhaps today you can forgive someone — not because everything was right, but because your heart no longer wants to hold on to poison.
Perhaps today you can call someone who is lonely.
Perhaps today you can listen to someone without immediately giving advice.
Perhaps today you can read bad news and still not sink into hatred.
Perhaps today you can speak a silent wish for all beings:
May all beings be free from suffering.
May all beings find peace.
May all beings experience protection, nourishment, love, and dignity.
May even those who are difficult to love find the way out of their delusion.
This is not a small practice. This is a revolutionary practice.
For a world in which people think in this way will not remain the same world.
Many people believe spirituality means turning away from the suffering of the world. But true Buddhist spirituality means seeing the suffering clearly without despairing because of it. It means not being blindly optimistic, but also not becoming cynical. It means seeing the darkness and nevertheless lighting a lamp.
The Buddha did not teach that life is free from pain. He taught that there is a way to deal with pain in such a way that wisdom can arise from it.
From loss, compassion can grow.
From fear, mindfulness can grow.
From failure, humility can grow.
From loneliness, understanding for other lonely people can grow.
From suffering, the resolve can arise to no longer increase suffering oneself.
This is the transformation to which the Dharma invites us.
We should remember: Every person we meet carries a story that we do not fully know. Some smile while inwardly broken. Some appear strong while struggling in silence. Some have become hard because they have never experienced gentleness. Some wound others because they do not know how to deal with their own wound.
That is why compassion is so important. Not as a sentimental feeling, but as a clear realization:
The suffering of another is not separate from my life.
The healing of another is not separate from my healing.
The peace of another is not separate from the peace of the world.
If a child somewhere in the world is afraid, our world is not yet healed.
If an elderly person is forgotten, our society is not yet fully human.
If people are despised because of origin, religion, poverty, or opinion, then our heart as a human family has not yet awakened.
But we must not wait only for governments, institutions, or great personalities. Each one of us is a point in the net of life. Each one of us sends out effects. Each one of us can increase suffering or lessen suffering.
The question is therefore not:
“Am I important enough to change the world?”
The question is:
“What kind of world comes into being through me in this moment?”
Does more calm or more unrest arise through me?
More trust or more fear?
More kindness or more coldness?
More clarity or more confusion?
More connection or more separation?
In this way, the Dharma becomes practical. In this way, Buddhism becomes alive.
Dear Dharma friends, today we are not only facing political, economic, or ecological crises. We are facing a crisis of the heart. Too many people feel separated. Separated from one another, separated from nature, separated from meaning, separated from themselves.
Buddhism reminds us: This separation is ultimately an illusion.
We are connected with our parents and ancestors.
We are connected with our teachers.
We are connected with the people who love us.
We are even connected with those who cause us difficulties, for they too show us where our practice may still grow.
We are connected with the earth, with water, air, fire, space, consciousness.
We are connected with all sentient beings.
When we truly understand this interconnectedness, our life changes.
Then we eat more mindfully.
Then we speak more carefully.
Then we consume more consciously.
Then we argue less cruelly.
Then we no longer regard animals, nature, and human beings merely as means for our desires.
Then we recognize that our own happiness cannot be built at the expense of others.
True happiness is not possession.
True happiness is not victory over others.
True happiness is not recognition in the eyes of the world.
True happiness is a heart that does not constantly have to fight.
A heart that can forgive.
A heart that can give.
A heart that can become still.
A heart that loves without possessing.
A heart that acts without placing itself at the center.
This is Buddhist maturity.
And yet it begins very simply: with the next breath.
Breathe in and recognize: I am alive.
Breathe out and recognize: I may give peace.
Breathe in and recognize: I too suffer sometimes.
Breathe out and recognize: Others suffer too.
Breathe in and recognize: I am not separate.
Breathe out and recognize: May all beings find peace.
Dear friends, I ask you: Never underestimate the power of a kind heart.
Perhaps you will not end all wars.
Perhaps you will not remove all injustice.
Perhaps you will not convince all people.
But you can prevent more hatred from arising through you.
You can prevent more coldness from arising through you.
You can be a person in your family, among your friends, in your school, in your workplace, in your city, and on the internet through whom others believe in goodness again.
That is not little.
That is sacred.
A single person who truly lives peacefully is like a candle in a dark room. The candle does not have to fight against the darkness. It only has to burn.
So let us be such candles.
Not loud, but clear.
Not proud, but steadfast.
Not detached from the world, but inwardly free.
Not indifferent, but not ruled by hatred.
Not perfect, but sincere.
May we not forget in this difficult time that the Dharma shines most brightly precisely when the world appears dark.
May we practice compassion when others become hard.
May we speak truth without causing harm.
May we set boundaries without nourishing hatred.
May we help without feeling superior.
May we practice not in order to appear better, but in order to cause less suffering.
And may we recognize:
We are not separate.
Our breath is connected.
Our suffering is connected.
Our hope is connected.
Our liberation is connected.
What we plant in our heart today will become visible in the world tomorrow.
Therefore we plant compassion.
Therefore we plant patience.
Therefore we plant wisdom.
Therefore we plant peace.
For Germany.
For Europe.
For Hong Kong.
For Korea.
For all countries.
For all beings.
For this suffering and yet precious world.
May all beings be happy.
May all beings be free from suffering.
May all beings find the path of peace.
May our thoughts, words, and actions become causes of awakening.
In deep interconnectedness, with respect and compassion,
In the Dharma,
Venerable Chi Sim / Hae Sun Sunim
Abbot & Bhikkhu
Chancellor of the Buddhist Taego Order for Europe
24 May 2026 in the Buddhist year 2570 after Buddha's birth, Hong Kong
Chinese (中文):
会长至善法师 于2026年5月24日佛诞日发表的正式佛法开示
亲爱的法友们,
亲爱的在家佛教徒们,
亲爱的善心人士们:
在这个世界常常显得喧嚣、不安并且受伤的时代,我愿意向大家说几句话——这些话不是为了教训谁,而是为了唤醒我们内心深处早已知道的记忆。因为佛法并不是从我们想要说服他人的地方开始。佛法是从我们自己安静下来、观照自己的心,并且看见这一点开始:即使在不确定、恐惧与痛苦之中,仍然有一条慈悲、清明与内在尊严的道路。
我们生活在一个充满科技可能性的世界,但同时许多人却感到孤独。我们拥有比以往更多的信息,却不一定拥有更多的智慧。我们可以在几秒钟之内把信息传到世界另一端,但我们却常常难以真正聆听眼前的人。我们看见战争、社会紧张、经济不安、气候忧虑、疾病、贫困、失落、对未来的恐惧,以及人与人之间日益增长的冷漠与尖锐。
许多人问自己:
在这样的世界里,一个人究竟能够做些什么?
面对如此巨大的问题,我这渺小的一生又能产生什么作用?
佛教对此的回答既深刻又简单:
没有任何事物是孤立存在的。没有一个念头、没有一句话、没有一个行为会毫无影响地消失。
这就是相互依存、相互联系的法则。
在佛教中,我们说一切法皆依因缘而生。没有任何事物单独存在。没有人只为自己而活。没有任何痛苦是完全孤立的。也没有任何幸福只属于某一个众生。就像大海上的波浪,看起来各不相同,但在深处,它们从未真正分离。
我们今天所吸入的空气,与树木相连。
我们所吃的食物,与土地、雨水、阳光、劳动、贸易以及无数双手相连。
我们的言语会影响他人的心。
我们的情绪会改变我们所在的空间。
一个善意的眼神,可以让一个绝望的人想起:他并没有被遗忘。
一句严厉的话,却可能加深一道我们永远看不见的伤口。
因此,佛教不是逃离世界。
佛教是在世界之中觉醒。
当我们真正明白一切都是相互联系的时候,我们就不能再假装他人的痛苦与我们无关。但我们也不必因此被世界的苦难压垮。慈悲并不意味着把全世界的痛苦都扛在自己的肩上。慈悲意味着以一颗觉醒的心面对痛苦,而不在自己心中滋养仇恨、绝望或冷漠。
慈悲不是软弱。慈悲是最高形式的内在力量。
一个本来可以反击,却选择创造和平的人,是强大的。
一个曾经受伤,却不愿意再伤害他人的人,是强大的。
一个在冷酷世界中仍然保持柔软之心的人,是强大的。
一个即使自己经历过痛苦,仍然不停止行善的人,是强大的。
尤其在今天,我们需要这种力量。
我们需要不急于批判的人。
我们需要能够聆听的人。
我们需要在分裂的世界中搭建桥梁的人。
我们需要不问“我能得到什么?”而是问“我能疗愈什么?”的人。
我们需要明白和平并不是首先开始于议会、条约或大型会议,而是
开始于自己内心的人。
因为战争并不是只在战场上开始。
战争开始于内心滋养仇恨之处。
战争开始于我们使他人失去人性之处。
战争开始于我们说:“这些人和我们不一样。”
战争开始于贪婪、傲慢与愚痴支配我们思想之处。
同样,和平也不是只开始于伟大的演说。
和平开始于一个人在伤害他人之前停下来。
和平开始于一个人愿意宽恕,即使他的骄傲要求他做相反的事。
和平开始于我们不必在每一句话中都取胜。
和平开始于我们看见:对方也在受苦。
这是佛教最深刻的洞见之一:
愤怒背后,常常是痛苦。
强硬背后,常常是恐惧。
自我背后,常常是不安。
贪婪背后,常常是内在的空虚。
如果我们只看一个人的外在行为,我们很快就会以排斥来回应。但如果我们看得更深,就会明白:这个人也在寻找幸福。这个人也害怕失去。这个人也希望被看见、被理解、被接纳。
这并不意味着我们必须认同一切。佛教并不天真。慈悲并不意味着容许不义。慈悲也意味着清明。有时我们必须设立界限。有时我们必须清楚地说话。有时我们必须保护自己和他人。但即使如此,我们仍然可以守护自己的心,不让它被仇恨毒害。
因为仇恨不能疗愈仇恨。
暴力不能疗愈暴力。
轻蔑不能疗愈轻蔑。
只有智慧与慈悲,才能打破痛苦的循环。
作为在家佛教徒,你们有一项特别重要的任务。不是每个人都会成为僧人或尼师。不是每个人都住在寺院中。不是每个人每天都能花许多时间诵经、行仪轨或禅修。但每一个人都可以在日常生活中体现佛法。
佛法不只在寺院里显现。
佛法在家庭中显现。
佛法在工作中显现。
佛法在我们与孩子说话的方式中显现。
佛法在我们对待老人的方式中显现。
佛法在交通中、在超级市场里、在办公室里、在医院里、在学校里、在网络上、在我们的留言里、在我们的信息里、也在我们的沉默中显现。
尤其在今天的社交媒体中,佛教修行变得格外重要。Facebook、Instagram 以及其他平台可以是连接的地方,也可以是愤怒、嫉妒、虚荣与争吵的地方。
在我们写下任何文字之前,应该先问自己:
这是真的吗?
这有帮助吗?
这有必要吗?
它来自慈悲吗?
还是来自受伤、骄傲,或想要证明自己正确的欲望?
网络上的一句话,可以扶起一个人,也可以击倒一个人。一则留言可以带来和平,也可以增加争端。即使在网络上,因果法则仍然存在。即使在那里,业也会形成。
业不是来自外在的陌生审判。业的意思是:我们的行为有后果。我们的语言塑造习惯。我们的念头成为性格。我们的性格影响并塑造我们共同创造的世界。
如果我们每天滋养愤怒,我们的心就会变得狭窄。
如果我们每天练习感恩,我们的心就会变得宽广。
如果我们每天练习慈悲,我们的眼光就会变得清明。
如果我们每天练习正念,我们的生活就会变得更加平和。
然而,我们不必完美。没有人永远平静、永远慈爱、永远智慧。修行佛法的人也会有疲惫、失望、愤怒、怀疑与痛苦。差别不在于我们永远不跌倒。差别在于我们愿意一次又一次站起来,重新回到道路上。
佛陀并没有要求一个完美的外表。佛陀开示的是一条解脱之路。
而这条道路从诚实开始。
我们可以说:
“我正在受苦。”
“我害怕。”
“我感到承受不住。”
“我不知道该如何继续。”
“我需要帮助。”
“我想学习如何更好地去爱。”
“我不想再被仇恨支配。”
这不是软弱的标志。
这是智慧的开始。
在欧洲、在德国、在香港,以及在世界各地,人们面对着不同的挑战。然而,人类的心在各处都是相似的。一位为孩子担忧的母亲,在德国的感受与在香港并没有根本不同。一位感到孤独的老人,在欧洲的痛苦与在亚洲并没有根本不同。一位害怕未来的年轻人,在任何地方都在寻找方向。一个渴望被爱的人,在任何地方都是人。
因此,佛教绝不能仅仅变成一种使我们彼此分隔的文化形式。真正的佛法超越边界。它尊重传统,但它不只属于某一个国家、某一种语言或某一种外在形式。佛法就像月亮:不同的湖水以不同方式映照它,但月亮本身只有一个。
韩国佛教太古宗承载着深厚的传统:禅修、仪轨、慈悲、智慧与实践责任的结合。但每一个传统只有在不仅被保存,而且在人的心中被真正实现时,才会保持生命力。
寺院不只是建筑。
当一个人正念呼吸时,寺院就在那里生起。
当有人聆听一位受苦者时,寺院就在那里生起。
当一个人放弃报复时,寺院就在那里生起。
当我们给予另一个生命空间而不加评判时,寺院就在那里生起。
所以,如果你们问:“作为在家佛教徒,我应该如何修行?”那么,不要从复杂的事情开始。
从一个呼吸开始。
从一句善意的话开始。
从一刻耐心开始。
从对仍然完好的事物心怀感恩开始。
从不再给他人增加痛苦开始。
从不再不停地审判自己开始。
从每天至少种下一个小小的和平之因开始。
也许今天,你可以宽恕某个人——不是因为一切都是对的,而是因为你的心不再愿意紧握毒药。
也许今天,你可以打电话给一个孤独的人。
也许今天,你可以聆听某个人,而不立刻给出建议。
也许今天,你可以读到坏消息,却仍然不沉入仇恨。
也许今天,你可以为一切众生默默发愿:
愿一切众生远离痛苦。
愿一切众生找到和平。
愿一切众生得到保护、滋养、爱与尊严。
愿那些难以被爱的人,也能找到走出愚痴的道路。
这不是微小的修行。
这是革命性的修行。
因为一个人人如此思考的世界,不会仍然是同一个世界。
许多人以为灵性意味着转身离开世界的苦难。但真正的佛教灵性意味着清楚地看见痛苦,而不因此陷入绝望。它意味着不盲目乐观,但也不变得犬儒。它意味着看见黑暗,却仍然点燃一盏灯。
佛陀并没有教导生命没有痛苦。佛陀教导的是:有一条道路,可以使我们面对痛苦时,从痛苦中生起智慧。
从失去中,可以生起慈悲。
从恐惧中,可以生起正念。
从失败中,可以生起谦卑。
从孤独中,可以生起对其他孤独者的理解。
从痛苦中,可以生起一个决心:自己不再增加痛苦。
这就是佛法邀请我们进入的转化。
我们应该记得:每一个我们遇见的人,都带着一个我们无法完全知道的故事。有些人面带微笑,内心却破碎。有些人看起来坚强,却在沉默中挣扎。有些人变得强硬,是因为他们从未真正经历过温柔。有些人伤害他人,是因为他们不知道如何面对自己的伤口。
因此,慈悲如此重要。它不是一种感伤的情绪,而是一种清明的觉知:
他人的痛苦,并不与我的生命分离。
他人的疗愈,并不与我的疗愈分离。
他人的和平,并不与世界的和平分离。
如果世界某处有一个孩子正在害怕,我们的世界就尚未真正痊愈。
如果一位老人被遗忘,我们的社会就尚未完全具有人性。
如果人们因出身、宗教、贫困或观点而被轻视,那么作为人类大家庭的我们,内心就尚未觉醒。
但我们不能只等待政府、机构或伟大人物。每一个人都是生命之网中的一个节点。每一个人都在发出影响。每一个人都可以增加痛苦,也可以减少痛苦。
因此,问题不是:
“我是否足够重要,可以改变世界?”
真正的问题是:
“此时此刻,透过我,正在形成一个怎样的世界?”
透过我,是更多平静,还是更多不安?
是更多信任,还是更多恐惧?
是更多善意,还是更多冷漠?
是更多清明,还是更多混乱?
是更多连接,还是更多分离?
这样,佛法就变得实际。
这样,佛教就真正活了起来。
亲爱的法友们,今天我们面对的不只是政治、经济或生态危机。我们面对的是一场心灵的危机。太多人感到分离。与彼此分离,与自然分离,与意义分离,也与自己分离。
佛教提醒我们:这种分离,究竟而言是一种错觉。
我们与父母和祖先相连。
我们与老师相连。
我们与爱我们的人相连。
我们甚至与那些给我们带来困难的人相连,因为他们也让我们看见自己的修行仍然可以成长之处。
我们与大地、水、空气、火、空间、意识相连。
我们与一切有情众生相连。
当我们真正理解这种相互联系时,我们的生命就会改变。
那时,我们会更正念地饮食。
那时,我们会更谨慎地说话。
那时,我们会更有觉知地消费。
那时,我们争执时会少一些残酷。
那时,我们不再把动物、自然和人类仅仅看作满足自己欲望的工具。
那时,我们会明白:自己的幸福不能建立在他人的代价之上。
真正的幸福不是占有。
真正的幸福不是战胜他人。
真正的幸福不是世界眼中的认可。
真正的幸福是一颗不必不断战斗的心。
一颗能够宽恕的心。
一颗能够布施的心。
一颗能够安静下来的心。
一颗能够爱而不占有的心。
一颗能够行动而不把自己放在中心的心。
这就是佛教的成熟。
然而,它开始得非常简单:从下一个呼吸开始。
吸气,并觉知:我还活着。
呼气,并觉知:我可以给予和平。
吸气,并觉知:我有时也会受苦。
呼气,并觉知:他人也在受苦。
吸气,并觉知:我并不分离。
呼气,并觉知:愿一切众生找到和平。
亲爱的朋友们,我请求你们:永远不要低估一颗善良之心的力量。
也许你们无法结束所有战争。
也许你们无法消除所有不义。
也许你们无法说服所有人。
但你们可以阻止更多仇恨透过你们而产生。
你们可以阻止更多冷漠透过你们而产生。
你们可以在家庭中、朋友之间、学校里、工作场所中、城市里,以及网络上,成为一个让他人重新相信善良的人。
这并不少。
这是神圣的。
一个真正和平生活的人,就像黑暗房间中的一支蜡烛。蜡烛不需要与黑暗战斗。它只需要燃烧。
所以,让我们成为这样的蜡烛。
不喧嚣,但清楚。
不傲慢,但坚定。
不脱离世界,但内在自由。
不冷漠,但不被仇恨支配。
不完美,但真诚。
愿我们在这艰难的时代不要忘记:正是在世界显得黑暗之时,佛法才最明亮地照耀。
愿我们在他人变得强硬时修习慈悲。
愿我们说出真理而不伤害他人。
愿我们设立界限而不滋养仇恨。
愿我们帮助他人而不感到高人一等。
愿我们修行,不是为了显得更好,而是为了造成更少的痛苦。
并愿我们认识到:
我们并不分离。
我们的呼吸相连。
我们的痛苦相连。
我们的希望相连。
我们的解脱相连。
我们今天在心中种下什么,明天就会在世界中显现。
因此,我们种下慈悲。
因此,我们种下耐心。
因此,我们种下智慧。
因此,我们种下和平。
为了德国。
为了欧洲。
为了香港。
为了韩国。
为了一切国家。
为了一切众生。
为了这个受苦却仍然珍贵的世界。
愿一切众生幸福。
愿一切众生远离痛苦。
愿一切众生找到和平之道。
愿我们的思想、言语与行为,成为觉醒的因。
怀着深切的相互联系、尊敬与慈悲,
以达摩之名
住持至善法师 / 慧善法师
比丘
欧洲太古宗佛教会会长
佛诞后 2570 佛教纪年 2026 年 5 月 24 日,香港