Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück

Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück

Teilen

Kontaktinformationen, Karte und Wegbeschreibungen, Kontaktformulare, Öffnungszeiten, Dienstleistungen, Bewertungen, Fotos, Videos und Ankündigungen von Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück, Sport und Freizeit, Osnabrück.

Barrack 35 is intended to serve as a historic place of encounter, where the dedicated work of volunteers helps to remember the site’s complex history and promote a culture of peace.

Photos from Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück's post 15/06/2026

🇩🇪JUNGE MENSCHEN BEWAHREN DIE ERINNERUNG
Während ihres Besuchs in Osnabrück nahmen junge Gäste aus Serbien an der feierlichen Enthüllung einer Gedenktafel für die jugoslawischen königlichen Offiziere teil, die während des Zweiten Weltkriegs im Kriegsgefangenenlager Oflag VI C interniert waren. An einem Ort, der von einem bewegenden Kapitel der Geschichte erzählt, gedachten die Jugendlichen der ehemaligen Kriegsgefangenen und setzten ein Zeichen dafür, wie wichtig Erinnerungskultur für kommende Generationen ist. Ein besonders emotionaler Moment war die Darbietung des Liedes „Tamo daleko“, mit dem die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele Gäste berührten und an die Schicksale der Menschen erinnerten, die fern ihrer Heimat die schweren Jahre des Krieges erleben mussten. Die Enthüllung der Gedenktafel war nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch eine Botschaft für die Zukunft: Frieden, Verständigung und Freundschaft zwischen den Völkern sind Werte, die bewahrt und weitergegeben werden müssen.
🇷🇸МЛАДИ ЧУВАЈУ СЕЋАЊЕ
Током посете Оснабрику, млади из Србије присуствовали су свечаном откривању спомен-плоче посвећене југословенским краљевским официрима који су током Другог светског рата били заточени у логору Офлаг VI Ц. На месту које сведочи о тешким страницама наше историје, млади су одали пошту страдалима и показали колико је важно чувати културу сећања за будуће генерације. Посебно емотиван тренутак био је извођење песме „Тамо далеко“, којом су најмлађи учесници дирнули бројне присутне и подсетили на снагу памћења, достојанства и љубави према завичају. Откривање спомен-плоче није било само сећање на прошлост, већ и порука да мир, разумевање и пријатељство међу народима остају најважнији темељи наше будућности.

30/05/2026

POZIV POTOMCIMA JUGOSLOVENSKIH KRALJEVSKIH OFICIRA
U okviru višegodišnjeg istraživanja o jugoslovenskim kraljevskim oficirima koji su tokom Drugog svetskog rata bili zarobljeni u logoru Oflag VI C Osnabrück, pozivamo potomke bivših logoraša da nam se jave.

Posebno su dragocene porodične fotografije, pisma, dnevnici, vojni dokumenti i lična sećanja koja mogu pomoći da se sačuvaju sudbine ovih ljudi za buduće generacije.

Mnogi potomci danas žive u Sjedinjenim Američkim Državama, Kanadi, Srbiji, Sloveniji, Izraelu, Nemačkoj i drugim zemljama širom sveta.

Ukoliko prepoznajete ime svog oca, dede ili rođaka među jugoslovenskim kraljevskim oficirima koji su bili u nemačkom zarobljeništvu, molimo vas da nam se javite.

Photos from Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück's post 23/05/2026

Dort, wo Erinnerung stärker ist als der Krieg

Geschichte lebt nicht nur in Archiven oder alten Büchern.
Sie lebt in Familien. In Fotografien. In vergilbten Dokumenten. In kurzen handgeschriebenen Sätzen, die einst hinter Stacheldraht entstanden sind und Jahrzehnte später noch immer berühren.

Die Geschichte von Adela MILEKIĆ, geborene FRAUENHOFER, und ihrem Ehemann Miroslav erzählt viel über das 20. Jahrhundert, über Serbien, Europa und die Schicksale unzähliger Familien.

Adela, geborene FRAUENHOFER, stammt aus einer donauschwäbischen Familie aus Banatsko Veliko Selo im Banat. Ihre Familiengeschichte steht stellvertretend für viele Familien der Vojvodina, deren Leben durch Krieg, Vertreibung und politische Umbrüche geprägt wurde. Nach 1945 wanderte ein Teil ihrer Verwandtschaft nach Deutschland aus, während ihre Eltern und Großeltern im damaligen Jugoslawien blieben und versuchten, sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufzubauen.

Heute leben Adela und Miroslav in der Region Bačka, im Ort Srbobran. Beide blicken auf ein bewegtes Leben zurück und sind bis heute eng mit ihrer Familiengeschichte verbunden. Sie haben zwei Töchter und vier Enkelkinder, die heute in Novi Sad leben. Besonders berührend ist, dass auch die jüngeren Generationen die Geschichte ihrer Familie kennen und verstehen, wie wichtig Erinnerung, Herkunft und familiäre Wurzeln sind.

Auch Miroslav trägt eine außergewöhnliche Familiengeschichte in sich. Seine Wurzeln reichen tief in die serbische Geschichte zurück. Die Familie Milekić gehört zu alten serbischen Familien, deren Ursprung nach Überlieferungen in der Alten Herzegowina liegt. Über Piva und die Region Tomino Polje zog ein Teil der Familie später weiter in die Gegend von Tara und Mokra Gora. Über Generationen hinweg waren die Milekići mit Landwirtschaft, Viehzucht, Militärdienst und dem gesellschaftlichen Leben ihrer Heimat verbunden.

Eine besondere Rolle spielte dabei Miloje Milekić, einer der frühen serbischen Aviomechaniker während des Ersten Weltkriegs. In einer Zeit, in der die serbische Armee eng mit den französischen Alliierten zusammenarbeitete, gehörte er zu jener Generation technischer Pioniere, die nicht nur Flugzeuge instand hielten, sondern auch zwischen den verschiedenen militärischen Strukturen vermittelten.

Doch die vielleicht bewegendste Geschichte der Familie führt nach Osnabrück.

Miroslavs Großvater war königlich-jugoslawischer Offizier und geriet 1941 nach dem deutschen Angriff auf Jugoslawien in Kriegsgefangenschaft. Er wurde in das Lager Oflag VI C Osnabrück gebracht eines der wichtigsten deutschen Kriegsgefangenenlager für jugoslawische Offiziere.

Dort begann ein jahrelanges Leben hinter Stacheldraht.

Die Offiziere lebten in einfachen Holzbaracken. Sie schliefen auf Stockbetten mit Strohsäcken, verbrachten ihre Tage zwischen Appellen, wenigen Spaziergängen innerhalb des eingezäunten Lagers und der ständigen Ungewissheit, ob sie ihre Familien jemals wiedersehen würden. Die Nahrung bestand meist aus dünnen Suppen, schwarzem Brot und wenigen Kartoffeln. Für viele wurden Pakete der Familien und des Roten Kreuzes überlebenswichtig.

Besonders bewegend ist eine erhaltene Feldpostkarte aus dem Lager Oflag VI C vom 12. Juli 1941. In wenigen Zeilen schreibt der Großvater an seine Mutter auf Französisch:

„Ma chère Maman,
Je suis en bonne santé…“

„Meine liebe Mama,
ich bin bei guter Gesundheit…“

Diese wenigen Worte wirken schlicht. Doch gerade darin liegt ihre Kraft. Denn alle Briefe und Karten wurden streng zensiert. Die Gefangenen durften nichts über die wirklichen Zustände schreiben. Deshalb wiederholen sich in fast allen Nachrichten dieselben beruhigenden Formulierungen: „Mir geht es gut.“ Hinter diesen kurzen Sätzen verbargen sich jedoch Angst, Hunger, Einsamkeit und die Hoffnung, nicht vergessen zu werden.

Die Karte erzählt zugleich auch eine europäische Familiengeschichte. Miroslavs Großvater war mit der Belgierin Kristina verheiratet, die aus dem französischsprachigen Teil Belgiens aus der wallonischen Gemeinschaft stammte. Die Familie war stark von der französischen Sprache und Kultur geprägt. Trotz Krieg, Verlust und der schweren Nachkriegszeit blieb Kristina mit ihren Kindern in Jugoslawien, in Serbien. Dort baute sie ihr Leben weiter auf und blieb bis zu ihrem Tod im Jahr 1956 in Novi Sad. Ihr Sohn wurde französisch als Muttersprache erzogen und trug diese belgisch-französische Prägung sein ganzes Leben in sich.

Im Lager versuchten viele Offiziere trotz allem, ihre Würde zu bewahren. Sie organisierten Vorträge über Geschichte, Mathematik oder Sprachen, gründeten kleine Bibliotheken, spielten Schach, schrieben Gedichte oder führten Tagebücher. Es war ein stiller Kampf gegen das Vergessen und gegen den inneren Zusammenbruch.

Doch nicht alle kehrten zurück.

Miroslavs Großvater wurde am 2. März 1945 ermordet und auf dem Eversburger Friedhof in Osnabrück beerdigt. Sein Grab erinnert bis heute an das Schicksal jener Männer, die fern ihrer Heimat starben und deren Familien oft jahrzehntelang mit Erinnerungen, Fotos und wenigen Briefen weiterlebten.

Kennengelernt haben sich Adela und Miroslav später während ihres Studiums in Belgrad. Ihre Geschichte spiegelt auf besondere Weise wider, was Serbien und Europa über viele Generationen hinweg ausgemacht haben: das Zusammenleben verschiedener Kulturen, Sprachen und Identitäten. In einer einzigen Familie verbinden sich serbische, donauschwäbisch-deutsche, belgische und französischsprachige Wurzeln. Gerade solche Lebensgeschichten zeigen, dass Europa nicht nur aus Grenzen und Staaten besteht, sondern vor allem aus Menschen, Begegnungen und gemeinsamen Erinnerungen.

Besonders bewegend ist auch, dass Miroslav das Buch „Pesme krvi i slobode“ von Mihailo V. Škekić in den Händen hält – ebenfalls ein ehemaliger Kriegsgefangener und Offizier aus Osnabrück. Dieses seltene Buch wurde von dessen Enkelin Ljubica Avejić aus Belgrad zugesandt. Adela hält das Buch „Wurzeln und Flügel“, in dem die Geschichten ehemaliger Kriegsgefangener und ihrer heutigen Familien erzählt werden.

Gerade solche Begegnungen machen deutlich, warum diese Forschungsarbeit wichtig ist. Nicht wegen Zahlen, Akten oder Daten. Sondern weil hinter jeder Geschichte Menschen stehen. Familien. Erinnerungen. Hoffnung.

Dieses Kapitel soll den Familien der ehemaligen Kriegsgefangenen von Osnabrück eine Stimme geben damit ihre Geschichten nicht vergessen werden und kommende Generationen verstehen, wie wichtig Menschlichkeit, Erinnerung und gegenseitiger Respekt sind.

Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft:
dass Geschichte nicht trennen muss, sondern Menschen verbinden kann über Generationen, Länder und Sprachen hinweg.

Photos from Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück's post 18/05/2026

🇩🇪Am Eversburger Friedhof in Osnabrück gibt es noch 105 Einzelgrabsteine von jugoslawischen Offizieren. Ein großer Teil dieser Grabsteine ist Offizieren gewidmet, welche entweder während der Kriegsgefangenschaft verstorben sind oder ermordet wurden. Viele dieser Offiziere wollten nicht nach Jugoslawien zurückkehren, da sie gesundheitlich schwer angeschlagen waren oder aufgrund ihrer politischen Orientierung nicht zurückkehren wollten.

🇷🇸На гробљу Еверсбург у Оснабрику постоји још 105 појединачних надгробних споменика посвећених југословенским официрима. Велики део ових споменика посвећен је официрима који су или преминули током заробљеништва или су били убијени. Многи од ових официра нису желели да се врате у Југославију, јер су били тешко нарушеног здравља или због своје политичке оријентације нису желели повратак.

🇬🇧At the Eversburg Cemetery in Osnabrück, there are still 105 individual gravestones dedicated to Yugoslav officers. A large number of these gravestones commemorate officers who either died during captivity or were murdered. Many of these officers did not wish to return to Yugoslavia because of serious health conditions or due to their political orientation.

Photos from Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück's post 15/05/2026

🇩🇪 Eine emotionale und herzliche Begegnung in Belgrad mit Ana Lebl, der Enkelin von Leon Lebl, einem jugoslawischen königlichen Offizier, der während des Zweiten Weltkriegs in deutscher Kriegsgefangenschaft war. Mit viel Liebe und Respekt hat sie das Haus ihres Großvaters restauriert und die Erinnerung an ihn und seine Familie bewahrt. Ana schrieb:
„Die Erinnerung an den Vater meines Vaters, meinen Großvater Leon Lebl, den wir Dedika nannten, ist bis heute lebendig. Man sagt, dass die Toten weiterleben, solange wir uns an sie erinnern.“
Solche Geschichten zeigen, wie wichtig es ist, die Erinnerung an Menschen zu bewahren, die Krieg, Gefangenschaft und Leid erlebt haben und dennoch tiefe Spuren in der Geschichte und im Leben ihrer Nachkommen hinterlassen haben. 🇷🇸 Емотиван и срдачан сусрет у Београду са Аном Лебл, унуком Леона Лебла, једног од југословенских краљевских официра који је био у немачком заробљеништву током Другог светског рата. Са много љубави и поштовања обновила је кућу свога деде и сачувала успомену на њега и његову породицу. Ана је написала:
„Сећање на тату мог тате, мог деду Леона Лебла, кога смо звали дедика, веома је живо. Каже се да мртви настављају да живе све док их се сећамо.“
Овакве приче показују колико је важно чувати сећање на људе који су прошли кроз рат, заробљеништво и страдање, али су и поред свега оставили дубок траг у историји и животима својих потомака.

Photos from Kriegsgefangenenlager Oflag VIc -Eversheide/ Osnabrück's post 13/05/2026

Vom Lagerrabbiner zum Vertreter des Jüdischen Weltkongresses

Rabbi Hermann Helfgott, später unter dem Namen Zvi Asaria bekannt, gehört zu den bekanntesten Kriegsgefangenen des Offizierslagers Oflag VI C in Osnabrück-Eversheide. Sein vielseitiges Wirken nach dem Zweiten Weltkrieg prägte das deutsch-jüdische Leben, die Verständigung zwischen Christen und Juden sowie die deutsch-israelischen Beziehungen nachhaltig. Helfgott verfasste historische, autobiografische und theologische Schriften. In seinen Erinnerungen „Wir sind Zeugen“ („We Are Witnesses“), die 1975 auf Deutsch erschienen und auf seinen Kriegstagebüchern basieren, schildert er eindrucksvoll das Leben als Kriegsgefangener. Mehr als zwei Jahre war er im Kriegsgefangenenlager Oflag VI C in Osnabrück interniert. Hermann Helfgott / Zvi Asaria * Geboren 1913 in Beodra/Beudra (heute Novo Miloševo) als Hermann Helfgott, Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer. Sein Vater Kalman Helfgott wurde 1910/1911 aus Warschau nach Beodra umgesiedelt. 1912 folgten seine Mutter Rosa sowie die Schwestern Sama und Sara. 1915 wurde sein Bruder Avram geboren. Kalman Helfgott arbeitete als Lehrer, Kantor und Schächter und handelte zudem mit Gänsefedern. * Von 1932 bis 1934 studierte Helfgott Theologie in Sarajevo, anschließend bis 1938 Geschichte und Judaistik in Wien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs floh er nach Budapest, wo er sein Rabbiner- und Philosophiestudium abschloss. * Rabbiner in Veliki Bečkerek (heute Zrenjanin). * Leiter jüdischer Gottesdienste in deutscher und serbischer Sprache. Kurz vor Kriegsbeginn wurde er als Militärgeistlicher mit dem Rang eines Hauptmanns der königlich-jugoslawischen Armee nach Skopje und später nach Štip versetzt. * Kurz nach Beginn des Krieges 1941 geriet Helfgott in deutsche Kriegsgefangenschaft. Über Mazedonien und Bulgarien wurde er zunächst nach Rumänien deportiert und anschließend in Viehwaggons über Ungarn in das Oflag XIII B bei Nürnberg transportiert. Ein Jahr später erfolgte seine Verlegung in das Oflag VI C nach Osnabrück, wo er zwei Jahre und drei Monate interniert blieb. Odyssee durch Deutschland Im August 1944 wurden 400 jüdische Kriegsgefangene aus dem Lager in die Festung Bismarck bei Straßburg deportiert. Zwei Wochen später erfolgte die Verlegung in das Kriegsgefangenenlager Groß Born/Barkenbrügge in Pommern (heute Polen). Im Januar 1945 begann ein 400 Kilometer langer Marsch nach Meyenburg in Brandenburg. Im März 1945 führte der Transport erneut über Osnabrück in das Emslandlager Alexisdorf. Wenige Tage später mussten die Gefangenen erneut marschieren – diesmal Richtung Nienburg/Weser. In der Nähe von Hodenhagen gelang einer kleinen Gruppe die Flucht. Dort erfolgte schließlich die Befreiung. Nach der Befreiung 1945 suchte Helfgott nach seiner Befreiung durch britische Truppen im Lager Bergen-Belsen nach Angehörigen. Dort blieb er zunächst und organisierte das religiöse und kulturelle Leben der jüdischen Displaced Persons. * August 1945: Gemeinsam mit Rabbiner Wilenski Einweihung der provisorischen Synagoge in der ehemaligen jüdischen Schule in der Rolandstraße in Osnabrück.
* Februar 1947: Ernennung zum Vertreter des Jüdischen Weltkongresses in London für Bildungs-, Kultur- und Religionsfragen. * Juli 1947: Ernennung zum Oberrabbiner der britischen Besatzungszone. * 1948–1953 Aufenthalt in Israel. Als Unterstützer des bewaffneten Zionismus kämpfte er 1948 als Major im Palästinakrieg. Mit der israelischen Staatsbürgerschaft nahm er den Namen Zvi Asaria an. * 1953 Rückkehr nach Deutschland als Leiter der Kulturabteilung der israelischen Mission. Gleichzeitig Gemeinderabbiner in Köln bis 1962. Bei der Einweihung der Kölner Synagoge 1959 mit Bundeskanzler Konrad Adenauer Foto: Archiv Yad Vashem * Ab etwa 1965 lebte Asaria abwechselnd in Israel und Niedersachsen. Von 1966 bis 1970 war er Landesrabbiner von Niedersachsen. In dieser Funktion nahm er 1969 an der Einweihung der Synagoge in Osnabrück-Weststadt teil und verfasste die dazugehörige Gedenkschrift. * Nach 1970 kehrte Helfgott endgültig nach Israel zurück, unterrichtete jedoch weiterhin gelegentlich an deutschen Universitäten. Am 22. Mai 2002 starb er in Savyon, Israel. Sein Nachlass befindet sich im Archiv von Yad Vashem in Jerusalem.
Aus Hermann Helfgotts Erinnerungen „Wir sind Zeugen“ Am 14. Mai 1942 traf Helfgott mit seinen Mitgefangenen im Oflag VI C ein:
„Die Gefangenen stiegen an einem kleinen Bahnhof aus. Das Schild verriet ihnen, dass sie in Eversheide angekommen waren – einem kleinen Ort bei Osnabrück.“ Die jüdischen Gefangenen wurden in den Baracken 33 und 34 untergebracht. Insgesamt befanden sich etwa 400 jüdische Offiziere im Lager. Im Vergleich zu Nürnberg beschrieb Helfgott die Bedingungen als „menschlicher“: zwanzig Männer pro Zimmer und eine Toilette pro Baracke. Dennoch war die Verpflegung schlecht. Die Gefangenen organisierten Sprachkurse, wissenschaftliche Vorträge und sogar eine „Volkshochschule“. Helfgott gelang es, einen Gebetsraum einzurichten und religiöse Gottesdienste für die jüdischen Offiziere zu organisieren. Er durfte sogar Beerdigungen auf dem jüdischen Friedhof der Stadt durchführen. Politische Spannungen im Lager
Im Lager existierten unterschiedliche politische Gruppen: Royalisten, Nationalisten, Kommunisten, Zionisten und Trotzkisten.
Nach einer Wahl zugunsten eines progressiven Kandidaten erschienen plötzlich Schilder mit der Aufschrift „Für Juden verboten“, und der Gebetsraum wurde zerstört. Die Verantwortlichen wurden nie gefunden. Trotz aller Spannungen gelang es den Gefangenen, heimlich internationale Nachrichten über ein selbstgebautes Radio zu empfangen. Die Informationen wurden heimlich im gesamten Lager weitergegeben.
Rettung der Tagebücher
Bei der Deportation jüdischer Gefangener im August 1944 gelang es Helfgott, seine Tagebücher zu retten. Mit Hilfe gefälschter Lagerstempel konnte er die Aufzeichnungen als Predigten tarnen. Ein deutscher Wachmann warf sie zunächst weg, ein anderer gab sie ihm heimlich zurück.
Stimmen von Nachkommen und Zeitzeugen
Nada Blam
Im Gespräch mit Dr. Željko Dragić berichtete Nada Blam, Tochter des bekannten serbischen Jazzmusikers Rafael Blam, von der engen Freundschaft zwischen ihrem Vater und Hermann Helfgott. Beide kannten sich aus den Lagern Nürnberg, Osnabrück und Barkenbrügge und blieben bis ins hohe Alter verbunden.
Aleksandar Nećak
Aleksandar Nećak erklärte, Helfgott sei im Lager eine moralische Autorität gewesen – nicht nur Rabbiner, sondern auch Psychologe und „großer Bruder“ für viele Gefangene.
Dragan Rauški
Der Historiker Dragan Rauški erinnerte daran, dass die Familie Helfgott direkte Nachbarn seiner Familie in Beodra gewesen sei. Laut Rauški wurden große Teile der Familie Helfgott in Auschwitz und im Konzentrationslager Jasenovac concentration camp ermordet.
Helfgott habe später den Wunsch geäußert, dass das ehemalige Lager in Osnabrück eines Tages ein Museum werden solle.
Langenhagen, 15.02.2021
Dr. Željko Dragić

12/05/2026

Zwischen Lagern und deutschen Dörfern das Schicksal jugoslawischer königlicher Offiziere - Als ich im Juni 2021 die erste Ausgabe meines Buches Das Wunder von Osnabrück veröffentlichte, konnte ich nicht ahnen, welche starke Resonanz die Geschichten jugoslawischer königlicher Offiziere auslösen würden, die während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland in Kriegsgefangenschaft geraten waren. Bereits wenige Wochen später erreichten mich Briefe, Fotografien, Familiendokumente und Zeugnisse von Nachkommen aus Serbien, Deutschland, den Vereinigten Staaten, Kanada und Israel. Gerade wegen dieses großen Interesses und zahlreicher neuer Erkenntnisse erschien noch im Dezember desselben Jahres eine deutlich erweiterte zweite Ausgabe des Buches. Damals wurde mir etwas bewusst, das ich bis heute in Gesprächen mit Nachkommen ehemaliger Kriegsgefangener spüre: Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Jemandes Sohn. Jemandes Bruder. Jemandes Ehemann. Jemandes Vater. Deshalb ist dies nicht nur eine Geschichte über den Krieg. Es ist eine Geschichte über menschliche Schicksale.
Nach der Kapitulation des Königreichs Jugoslawien im April 1941 befanden sich insgesamt 181.258 jugoslawische Kriegsgefangene in deutscher Gefangenschaft. Nach Angaben des Historikers Mile Bjelajac befanden sich darunter 13.559 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Nach meinen bisherigen Forschungen durchliefen etwa 6.500 jugoslawische königliche Offiziere das Lager Oflag VI C bei Osnabrück, unter ihnen auch 648 Offiziere jüdischen Glaubens – Menschen, die damals häufig als „Serben mosaischen Glaubens“ bezeichnet wurden. Wertvolle Informationen erhielt ich in den vergangenen Jahren von vielen verschiedenen Menschen. Unter ihnen befand sich auch Professor Dr. Ljubomir Muzikravić aus Novi Sad, pensionierter Onkologe, dessen Vater, Leutnant Blagoimir Muzikravić, einen Teil seiner Kriegsgefangenschaft im Oflag VI C in Osnabrück verbrachte. Im Laufe meiner Forschungen über die Schicksale jugoslawischer königlicher Offiziere wurde mir immer deutlicher, wie kompliziert ihre Kriegswege tatsächlich waren. Viele von ihnen blieben während des Krieges nicht nur in einem einzigen Lager. Gefangene wurden häufig von Lager zu Lager verlegt abhängig von der Kriegslage, den Frontverläufen und den Bedürfnissen der deutschen Wehrmacht. Genau deshalb vermischen sich heute, mehr als acht Jahrzehnte später, in den Familienerinnerungen oft die Namen verschiedener Städte, Lager und Zeitabschnitte der Gefangenschaft. So verhält es sich auch in den Erinnerungen der Familie von Leutnant Blagoimir Muzikravić, dem Kommandanten der Garnison in Pakrac, der im April 1941 während der Kämpfe an der Una gefangen genommen wurde. Den Familienerinnerungen zufolge verbrachte er einen Teil seiner Gefangenschaft im Oflag VI C in Osnabrück, später wurde er jedoch in andere Lager innerhalb Deutschlands verlegt. Sein Sohn erinnerte sich an die Erzählungen seines Vaters über Osnabrück und Nürnberg, aber auch an die Erinnerungen an die Befreiung durch die Rote Armee. Historisch betrachtet wurde Osnabrück im April 1945 von britischen Einheiten befreit. Allerdings wurden in den letzten Kriegsmonaten viele Gefangene in Richtung Ostdeutschland verlegt – in Gebiete, die später von sowjetischen Truppen besetzt wurden. Deshalb existieren in zahlreichen Familienerinnerungen Berichte darüber, dass viele jugoslawische Offiziere von sowjetischen Soldaten befreit und kurz darauf in die Heimat transportiert wurden. Die Mehrheit jener, die von westlichen Alliierten befreit wurden, blieb hingegen im Westen. Ljubomir erinnerte sich daran, dass sein Vater noch lange nach dem Krieg mit mehreren ehemaligen Kameraden korrespondierte. Die Briefe kamen aus Frankreich, den Vereinigten Staaten und Australien jene dünnen „Luftpostbriefe“, die damals typisch waren. Aus den Familienberichten erfahren wir auch, dass Leutnant Blagoimir Muzikravić erzählte, manche deutschen Lageroffiziere hätten sich gegenüber den jugoslawischen Offizieren korrekt verhalten. In einem Lager, dessen Namen sich sein Sohn später nicht mehr genau erinnern konnte, entschuldigte sich der Kommandant sogar öffentlich bei den gefangenen Offizieren für die schlechten Unterbringungs- und Ernährungsbedingungen und sprach sie ausdrücklich als seine Kollegen an. Im Lager gab es eine Bibliothek, und gelegentlich erschienen sogar Lagerzeitungen kleine Versuche, mitten im Krieg ein Stück Würde zu bewahren. Besonders erschütternd sind die Berichte über die wiederholten angloamerikanischen Bombardierungen von Kriegsgefangenenlagern. Bei einem dieser Angriffe durchschlug eine nicht explodierte Bombe das Dach einer Baracke und tötete einen Gefangenen, der im oberen Bett lag. Das Bett von Leutnant Muzikravić wurde lediglich seitlich getroffen; der Rahmen wurde beschädigt, doch er überlebte. Das Schicksal entschied anders.
Gleichzeitig hatten viele jugoslawische Offiziere, die während des Krieges in deutschen Dörfern rund um Osnabrück, die Grafschaft Bentheim und das Emsland arbeiteten, ein völlig anderes Schicksal. Die deutschen Dörfer waren damals nahezu ohne Männer. Ehemänner und Väter befanden sich an der Front, in Gefangenschaft oder waren bereits gefallen. Auf den Höfen blieben Frauen, alte Menschen und Kinder zurück. Jemand musste das Vieh versorgen. Jemand musste die Felder bestellen. Jemand musste Heu einfahren und Holz hacken. So wurden viele jugoslawische Offiziere Teil des Alltags deutscher Dörfer. Ljubomir erinnerte sich daran, dass sein Vater erzählte, viele Offiziere besonders jene aus bäuerlichen Familien hätten lieber auf Bauernhöfen gearbeitet als im Lager zu bleiben. Doch ihm selbst und vielen seiner Kameraden wurde dies nicht erlaubt. Der Lagerkommandant lehnte ihre Bitte mit der Begründung ab, dies widerspreche der Genfer Konvention.
Gleichzeitig erinnerte sich Ljubomir an Geschichten aus dem Heimatdorf seines Vaters, Bečanj bei Mrčajevci, über jene Männer, denen dies tatsächlich erlaubt wurde. Einige kehrten nach dem Krieg nach Serbien zurück und modernisierten ihre Bauernhöfe nach deutschem Vorbild. Heu wurde nicht mehr in großen offenen Stapeln gelagert, sondern in besonderen Gebäuden so wie sie es in Deutschland gesehen hatten. Manche kamen erst Jahrzehnte später aus Deutschland in ihre Heimatdörfer zurück und gestanden ihren Familien erst dann, dass sie nicht aus Angst vor dem Kommunismus in Deutschland geblieben waren, sondern weil sie auf den Höfen, auf denen sie während des Krieges gearbeitet hatten, ein neues Leben begonnen hatten. Ljubomir erinnerte sich an die Geschichte eines Rückkehrers, der ein Foto seiner erwachsenen Tochter aus Deutschland mitbrachte von deren Existenz zuvor niemand gewusst hatte. Gerade diese Geschichten zeigen, wie komplex das Leben im Krieg tatsächlich war. Einen besonderen Platz in meinen Forschungen nehmen die Menschen ein, die ich persönlich kennenlernen durfte. Diese Begegnungen waren oft zutiefst emotional. Mehr als einmal habe ich erlebt, dass ein Mensch, der ruhig und stark wirkte, plötzlich in Tränen ausbrach, während er über seinen Vater sprach. Er weinte nicht wegen der Geschichte.
Er weinte wegen eines Menschen. Im August 2021 lernte ich Anna Tomforde kennen. Ihr Vater, Slobodan Dumanović, war ein jugoslawischer königlicher Offizier, der während des Krieges bei einer deutschen Familie im Raum Osnabrück arbeitete. Dort lernte er Annas Mutter kennen. Doch seine Tochter lernte er niemals kennen. Nach dem Krieg blieb Slobodan Dumanović als Offizier der britischen Armee in Deutschland. Den Aussagen der Familie zufolge dachte er lange darüber nach, nach Jugoslawien zurückzukehren. Im Jahr 1947 starb er an Tuberkulose und wurde auf dem Friedhof Eversburg in Osnabrück beigesetzt. Während meines Gesprächs mit Anna Tomforde war spürbar, wie lebendig diese Wunde bis heute geblieben ist. Sie sprach über einen Menschen, den sie niemals kennenlernen durfte, den sie jedoch ihr ganzes Leben lang in Fotografien, Dokumenten und Familiengeschichten gesucht hatte.
Ähnlich war es bei Peter Seliger. Erst später in seinem Leben erfuhr er, dass sein biologischer Vater ein serbischer Offizier namens Ljubomir gewesen war, der während des Krieges bei einer deutschen Familie gearbeitet hatte. Während unseres Gesprächs hielt Peter plötzlich inne und sagte leise:
„Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt … aber ich möchte wissen, wer mein Vater war.“ In solchen Momenten versteht man, dass dies weit mehr ist als historische Forschung. Es sind menschliche Schicksale. Besonders bewegend ist auch die Geschichte von Günter Hassemann. In dem Text „Der Vorleser spielt Akkordeon und liest Kindern aus der Bilderbibel vor“ wird beschrieben, wie ein jugoslawischer Offizier seiner Familie während des Krieges half. Dieser Offizier war nicht nur ein Arbeiter auf dem Hof. Er spielte Akkordeon, las den Kindern Geschichten aus der Bibel vor und wurde mit der Zeit Teil der Familie. Während Europa im Krieg brannte, las ein serbischer Offizier in einem deutschen Haus Kindern aus einer Bilderbibel vor. Als ich mit Günter Hassemann sprach, war deutlich zu spüren, wie viel ihm diese Erinnerungen noch immer bedeuten. Für ihn war dieser Mann kein Feind, sondern ein Mensch, der in einer Zeit voller Angst und Krieg Güte und Menschlichkeit zeigte. Gerade wegen solcher Geschichten dauert die Forschung bis heute an. Im Laufe der Jahre meldeten sich Nachkommen aus der ganzen Welt bei mir. Jemand schickt ein Foto seines Großvaters in Offiziersuniform. Jemand ein altes Schreiben aus Osnabrück. Jemand spricht zum ersten Mal über seinen Vater. Im Sommer 2025 erschien in Osnabrück und Chicago das Buch Wurzeln und Flügel. Dieses Buch hätte ohne die Hilfe der Nachkommen jugoslawischer Offiziere nicht entstehen können. Sie öffneten mir ihre Familienarchive und teilten mit mir ihre persönlichsten Familiengeschichten. Doch die Forschung ist nicht beendet. Immer noch melden sich neue Menschen. Neue Nachkommen. Neue Fotografien. Neue Erinnerungen.
Und in Osnabrück steht bis heute die letzte erhaltene Baracke des ehemaligen Lagers Oflag VI C – die Baracke 35. Als stummer Zeuge einer Zeit, in der Tausende jugoslawischer königlicher Offiziere zwischen Lagern und deutschen Dörfern lebten, zwischen Arbeit und Trauer, zwischen Krieg und Menschlichkeit.
🇩🇪 Auf dem Familienfoto der serbischen Familie Muzikravić aus dem Jahr 1938 sehen wir stehend Radonja Muzikravić, den ältesten Sohn, gemeinsam mit seiner Ehefrau Milka. Sitzend sind Blagomir Muzikravić (1912–1998), Mileva Muzikravić und Marko Muzikravić (1914–1945) zu sehen. Blagomir Muzikravić war später als jugoslawischer königlicher Offizier in deutscher Kriegsgefangenschaft im Oflag VI C in Osnabrück.
Dr. Željko Dragić
10.05.2026

Wollen Sie Ihr Service zum Top-Fitness-Studio in Osnabrück machen?

Klicken Sie hier, um Ihren Gesponserten Eintrag zu erhalten.

Lage

Kategorie

Telefon

Adresse


Osnabrück
49076