23/09/2026
Hecken bremsen das Wasser. Ohne sie sind die Hochwasser stärker und die Böden trocknen schneller aus.
Oben im Bild: eine Heckenlandschaft. Das Regenwasser trifft auf Heckenreihen, wird gebremst, versickert im Wurzelbereich und füllt das Grundwasser auf. Die Felder bleiben feucht, die Bäche steigen langsam.
Unten im Bild: dieselbe Region nach der Flurbereinigung. Keine Hecken, keine Bremse. Das Wasser schiesst über die nackte Fläche direkt in den Graben, reisst Boden mit und ist weg. Drei Wochen später ist derselbe Acker staubtrocken, weil nichts das Wasser gehalten hat.
In Deutschland hat die Flurbereinigung der 1960er bis 1980er Jahre grosse Teile der Heckenlandschaften beseitigt. In der norddeutschen Tiefebene, in den Mittelgebirgslagen und in den Flusstälern wurden tausende Kilometer Feldhecken gerodet, um grössere Schläge für Maschinen zu schaffen. Was dabei verloren ging, war nicht nur Lebensraum. Es war Wasserinfrastruktur.
Wie eine Hecke als Wasserfilter arbeitet. Eine Hecke, die quer zum Gefälle steht, wirkt wie ein Damm aus Wurzeln. Der Oberflächenabfluss bei Starkregen trifft auf das dichte Wurzelgeflecht und wird gebremst. Das Wasser versickert im Boden statt abzufliessen. Die Wurzeln leiten es in die Tiefe. Die Laubstreu am Boden verhindert, dass der Boden durch Regentropfen verschlämmt und undurchlässig wird. Nach einem früheren Beitrag dieser Reihe über die lebende Hecke schliesst dieses Thema den Kreis: Dieselbe Hecke, die dem Neuntöter einen Brutplatz und dem Igel ein Winterquartier bietet, reguliert gleichzeitig den Wasserhaushalt der gesamten Flur.
Warum der Herbst der richtige Zeitpunkt ist. Wurzelnackte Heckenpflanzen sind von Oktober bis März erhältlich und in dieser Zeit am günstigsten. Ein wurzelnackter Weissdorn oder eine Hainbuche kostet einen Bruchteil der Containerware. Der Boden ist im Oktober noch warm genug, dass die Wurzeln vor dem Winter einwachsen. Und die Pflanze braucht im ersten Winter keine Bewässerung, weil der Herbstregen und der Winterregen die Arbeit erledigen.
Was gepflanzt wird. Einheimische Sträucher und kleine Bäume, gemischt. Weissdorn (Crataegus monogyna) als Grundgerüst, dornig und dicht. Schlehe (Prunus spinosa) für die undurchdringliche Basis. Hainbuche (Carpinus betulus) als schnittverträglicher Lückenfüller, der auch im Winter Laub hält. Hasel (Corylus avellana) für schnellen Wuchs und die ersten Blüten im Februar. Feldahorn (Acer campestre) als kleiner Baum, der die Hecke überragt. Kornelkirsche (Cornus mas) für die früheste Blüte und die Herbstfrüchte. Hundsrose (Rosa canina) für Hagebutten und Insekten. Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) für die Herbstfärbung und die Vögel. Je mehr Arten, desto stabiler die Hecke und desto länger die Blütezeit über das Jahr.
Wie gepflanzt wird. Einen Streifen von mindestens anderthalb Metern Breite vorbereiten, besser zwei bis drei Meter. Den Boden nicht tief umbrechen, nur die oberste Schicht lockern. In Doppelreihe im Versatz pflanzen, Abstand etwa 50 Zentimeter innerhalb der Reihe, die Reihen 50 Zentimeter auseinander. Das ergibt nach zwei bis drei Jahren eine geschlossene, undurchdringliche Struktur. Sofort nach der Pflanzung mit einer dicken Schicht Hackschnitzel oder Stroh mulchen, zehn bis fünfzehn Zentimeter, über die gesamte Breite des Pflanzstreifens. Der Mulch ist das erste Glied der hydraulischen Kette: Er verhindert, dass der Boden durch Regen verschlämmt, hält die Feuchtigkeit und unterdrückt Unkraut im ersten Jahr.
Wo die Hecke stehen muss, damit sie hydraulisch arbeitet. Immer quer zum Gefälle, nicht parallel dazu. Eine Hecke, die den Hang entlangläuft, bremst nichts. Eine Hecke, die quer steht, fängt das Wasser auf seiner gesamten Breite ab. Auf grösseren Flächen mehrere parallele Heckenstreifen in Abständen von 50 bis 100 Metern, je nach Hangneigung.
Was die Hecke mit der Zeit von allein tut. Sie baut durch zurückgehaltenen Boden langsam einen kleinen Wall auf, eine natürliche Terrasse. Diesen Wall nicht einebnen. Er ist es, der das Wasser zusätzlich bremst und ihm Zeit zum Versickern gibt. In Schleswig-Holstein heissen diese Strukturen Knicks, in Niedersachsen Wallhecken. Sie sind seit Jahrhunderten Teil der Kulturlandschaft und heute als gesetzlich geschützte Biotope anerkannt.
Was nicht gepflanzt wird. Kirschlorbeer, Thuja und Leylandii-Zypresse haben in einer Feldhecke nichts zu suchen. Sie bieten keinen Nektar, keine Frucht und kein Insektenleben. Alles, was ökologisch und hydraulisch arbeiten soll, muss einheimisch und laubabwerfend oder halbimmergrün sein.
Wer im Oktober pflanzt, hat im dritten Herbst eine geschlossene Hecke, die Wasser bremst, Boden hält, Vö**ln Brutplätze gibt und den Wasserhaushalt der gesamten umliegenden Fläche verbessert. Man pflanzt nicht nur Sträucher. Man baut ein System, das die Klimafolgen für einen mitbewältigt.