27/08/2026
Alles zurück auf Anfang ?
Es ist gar nicht so einfach, einen Vor-Bericht zu schreiben, wenn man das Vor-Spiel nicht gesehen hat und keinen Vergleich ziehen kann. Aber auch ein Schreiber braucht mal Urlaub und Abstand vom Fußballplatz. Und andererseits ist es vielleicht auch gar nicht so entscheidend, genau dieses eine Spiel verfolgt zu haben und zu analysieren, was funktioniert hat und was nicht. Im Fall der SpVgg Saalestadt ist in diesem Jahr eine Partie genauso bedeutend wie die vorherige oder die nächste. Eine Partie muss genauso schnell aufgearbeitet oder abgehakt werden wie jede andere, das gilt auch für die Niederlage in Obernsees am letzten Samstag, und es muss nach vorne geblickt werden in Richtung des Heimspiels an diesem Samstag gegen den SV Mistelgau (Anstoß um 14 Uhr in Schwarzenbach). Wenn es gegen den einen Verein aus dem Ort nicht geklappt hat, dann muss es eben gegen den Lokalkonkurrenten klappen, in einer Liga, in der aktuell immer noch alles möglich zu sein scheint. Wer hätte denn zu Saisonbeginn geglaubt, dass Ende August Claudio Eismann nicht mehr Trainer beim FSV Bayreuth ist, dass sich Vereine wie der BSC Saas oder der 1.FC Trogen ziemlich bis enorm schwer tun oder dass die Saalestadt trotz bisher nur sechs Punkten im Fall eines Sieges am 8. Spieltag direkt Anschluss an den SVM finden könnte? Noch ist nichts gefestigt, so scheint es, nur dass die Mistelgauer wieder einmal nicht ganz locker aus den Startblöcken gekommen sind, ist keine ganz so große Überraschung. Mit Ausnahme der letzten Spielzeit brauchten sie in der Bezirksliga immer etwas Anlauf, um richtig ins Rollen zu kommen, in dieser Saison mag es daran liegen, dass nach sieben Jahren unter Trainer Heiko Gröger ein neues Team an der Seitenlinie verantwortlich ist: Philipp Schmidt kam aus Waischenfeld, Frank Rauh aus Altenplos – sie kennen die Liga, aber sie mussten erst einmal die Mannschaft kennenlernen, die ebenfalls einige Veränderungen erfuhr: Stürmer Hannes Schwender ging nach Neudrossenfeld, Torwart Friedrich hörte auf, auch andere bekannte Namen wie Hannes Ebert oder Felix Ganster fehlen im diesjährigen Kader. Dafür kam mit Patrick Körber ein anderer Torjäger vom FC Fichtelgebirge, Yannik Motschenbacher und Luca Dressel wechselten von der SpVgg Bayreuth II nach Mistelgau, Florian Förster bringt Bayernliga-Erfahrung aus Neudrossenfeld mit, reichlich Nachwuchsspieler stießen ebenfalls zur Mannschaft. Verändert, aber nicht verschlechtert? Die Bewertung der Spielzeit 26/27 wird beim SVM womöglich noch einige Zeit dauern und das mit einer hohen Messlatte, denn immerhin gelang dem Verein mit der Aufstiegsrelegation zur Landesliga ein enormer Erfolg, auch wenn es dann knapp nicht reichte gegen den 1.FC Lichtenfels. Vielleicht musste die neue Spieler-Trainer-Kombination erst auf Touren kommen, wobei die Auftaktgegner nicht ohne waren (FSV, Mitterteich, BSC Saas, Waischenfeld); dann folgte ein 6:1-Kantersieg gegen Trogen, ein beachtenswerter Erfolg in Katschenreuth und zuletzt ein 0:0 zuhause gegen Röslau – der erste Punktverlust der Vorwärts-Elf überhaupt. Unterm Strich heißt das: mit Mistelgau ist wohl doch wieder zu rechnen, Körber und Motschenbacher haben bereits ihre ersten Treffer für den neuen Verein erzielt, auch David Langlois war schon dreimal erfolgreich. Die Neuen funktionieren, die „Alten“ wie Reutlinger, Schuster, Schmidt, Hertel, Krug etc. spielen weiter eine wichtige Rolle im Gefüge – sollte am Rand der Fränkischen Schweiz nicht eher spät geurlaubt werden, kommt da schon ein ordentliches Kaliber auf die Saalestädter zu. Aber wer ist das nicht in diesen Tagen und Wochen für die Saalestadt – dabei geht es nicht darum, dass die SpVgg chancenlos wäre und keine Aussichten auf Erfolg hätte, aber einen Gegner, den man im Vorbeigehen schlägt, wird man heuer, in dieser Liga, in der (noch) alles möglich ist, nicht finden. Ihre beiden bisherigen Erfolge gegen Kirchenlaibach/Speichersdorf und Selb hat die Mannschaft erarbeitet, erkämpft und auch ein Stück weit erspielt, wie selbstverständlich kamen sie aber nicht. Was alle wussten und auch so öffentlich klar machten, zeigte sich in den vergangenen Wochen: die Kombination aus Einstellung und Aufstellung muss stimmen. Aspekt Nummer 1 wird erfüllt, Aspekt Nummer 2 konnte in Obernsees mitten in der Urlaubszeit irgendwann wohl nicht mehr ausreichend kompensiert werden. Noch ist August, noch werden in allen Vereinen Spieler zeitweise fehlen, weil auch sie die Distanz brauchen können, um danach wieder durchzustarten. Trainer sind dann gefordert, gemeinsam mit den Akteuren, die zur Verfügung stehen, die beste Lösung zu finden, um erfolgreich sein zu können. Auch auf Nicolai Hauptmann wird diese Aufgabe an diesem Wochenende zu kommen, vielleicht ist es hilfreich, wieder vom Anfang her zu denken, also die letzten drei Spiele oder sogar das ganze erste Saisonviertel auszublenden und mit den Grundtugenden neu zu beginnen, die der Mannschaft zu Beginn der Spielzeit viel Lob einbrachten und sie auch gegen starke Gegner nicht chancenlos erscheinen ließen. Ein solcher Gegner ist definitiv Mistelgau, freie Köpfe könnten daher ein Element sein, um positiv zu überraschen. Der Schreiber jedenfalls ist wieder da und kann bestätigen: nach zwei Wochen ohne ist ein Wochenende mit Fußball doch ein ganz schönes!