01/09/2026
Saison 1986/87
Schon während der Saison 1986 spürte Herbert, dass der Osella von Walter Franz aus Amberg nicht mehr konkurrenzfähig war. Wir waren uns einig: Ein moderneres Auto musste her. Bis zum Saisonende hatte sich bereits herumgesprochen: „Herbert Stenger sucht ein neues Auto!“ Unser Telefon stand nicht mehr still. Jeder wollte ihm einen Gruppe-C3-Rennwagen verkaufen und natürlich war jedes Auto das beste, schnellste und tollste.
Im November flog Herbert übers Wochenende nach Turin zu Osella, um sich die neuesten Modelle anzusehen. Als ich ihn am Sonntagnachmittag am Frankfurter Flughafen abholte, war er völlig begeistert: modernste Technik, alles TOP! Dann kam der große Haken: Allein das Chassis kostete 160.000 DM. Hätte ich nicht so fest im KÖNIG-Schalensitz gesessen, hätte es mich aus dem Sitz gehauen!
Im Auto wollte ich ihm die Begeisterung noch nicht nehmen. Zu Hause gab es erst einmal Kaffee und meinen legendären Käsekuchen. Dann sagte ich: „Herbert, von was träumst du? Bis wir beim ersten Rennen starten können, brauchen wir mindestens 220.000 DM. Wo soll das Geld herkommen? Von den Sponsoren? Eine Bank gibt dir dafür kein Geld. Und danach kommt die ganze Saison mit Europabergmeisterschaft und Deutscher Bergmeisterschaft. Ihr habt in unserer kleinen Werkstatt Tourenwagen gebaut, die zu den schnellsten in Europa gehörten. Warum soll das nicht auch mit einem C3 möglich sein?“
Herbert erklärte, dass ein Gruppe C3 eine ganz andere Hausnummer sei. Wie sollten er, Seppl und unsere Mechaniker so ein Auto bauen? Ich hatte eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen war ich wie immer um 7 Uhr die Erste in der Werkstatt. Als unser Installateur Seppl kam, sagte ich zu ihm: „Seppl, ihr müsst einen Zweisitzer bauen. Traust du dir das zu?“ Nach kurzem Überlegen sagte er: „Warum nicht.“
Ja! Ja! Ja! Genau das wollte ich hören.
Jetzt konnte es losgehen. Ohne Reißbrett und ohne Ingenieur-Wissen, wurde gemeinsam geplant und gebaut. Herbert, Seppl und unsere Mechaniker verließen sich auf Erfahrung, handwerkliches Können und Logik: „Wenn das so ist, muss das so funktionieren.“ Ich wurde fast täglich losgeschickt, um irgendwelche speziellen Teile zu besorgen. Stück für Stück entstand unser eigener Gruppe C3.
Im März 1987 war die Einweihung. Wir waren unglaublich stolz – und das Beste: Die Kiste lief! Das erste Rennen in Remerschen in Luxemburg war der erste Test. Natürlich musste die Technik noch verfeinert werden. Herbert hatte in der EBM einige Ausfälle. Im Mai entschloss er sich nach Rücksprache mit den Sponsoren, aus der EBM auszusteigen und die komplette Deutsche Bergmeisterschaft zu fahren.
Am Ende der Saison wurde Herbert mit unserem Eigenbau und unseren Mechanikern Deutscher Bergmeister!
Und dieses besondere Auto gibt es noch heute. Es wurde wunderschön restauriert und fährt aktuell noch in Italien – ein Stück unserer Rennsportgeschichte, das bis heute weiterlebt.