11/10/2026
Das Laub, das am Samstag zusammengeharkt wird, könnte den Garten den ganzen Winter schützen. Im Sack landet ein kleines Ökosystem, das sich gerade darin einrichtet.
Jeden Herbst dasselbe Ritual: Rechen, Sack, Biotonne. Der Rasen sauber, die Beete leer, die Erde n***t. Sieht ordentlich aus – aber die Natur verliert dabei am meisten.
Die Laubschicht unter Bäumen und Sträuchern ist kein Dreck. Sie ist Decke, Vorratskammer, Dünger und Baumaterial gleichzeitig.
Was die Laubschicht tut, auch wenn sie wie Unordnung aussieht
Sie isoliert den Boden. Laub wirkt wie eine Dämmschicht: Die Erde darunter friert langsamer und weniger tief durch. Staudenwurzeln, Blumenzwiebeln und Strauchfüße überstehen den Winter unter einer Laubdecke deutlich besser als auf n***tem Boden. Wer im Oktober Tulpen und Narzissen gepflanzt hat, legt Laub darüber – der beste und billigste Frostschutz, den es gibt.
Sie gibt Nützlingen ein Winterquartier. Marienkäfer, Laufkäfer, Florfliegen, Spinnen und Hunderte anderer Insektenarten überwintern in der Laubschicht. Ein einziger Siebenpunkt-Marienkäfer frisst in seinem Leben mehrere tausend Blattläuse. Weniger überwinternde Marienkäfer im Herbst bedeuten mehr Blattläuse im Frühjahr. Wer das Laub entfernt, entfernt die biologische Schädlingsbekämpfung gleich mit.
Sie schützt den Igel. Der Igel überwintert in einem Nest aus trockenem Laub in einer ruhigen Gartenecke. Wenn jedes Blatt weggeharkt wird, findet er kein Material für sein Winterquartier und muss in einen anderen Garten ausweichen. Und die Beete verlieren ihren wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen Nacktschnecken. Im Laub selbst leben außerdem die Regenwürmer, Käfer und Larven, von denen sich der Igel vor dem Winterschlaf die lebenswichtigen Fettreserven anfrisst.
Sie wird zu kostenlosem Dünger. Verrottendes Laub bildet Humus – die fruchtbare, krümelige, dunkle Schicht, die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Regenwürmer ziehen Blattstücke in ihre Gänge und verarbeiten sie direkt an den Wurzeln der Pflanzen. Wer jedes Jahr das Laub entfernt und stattdessen Dünger kauft, macht die teurere und schlechtere Version von dem, was die Natur kostenlos erledigt.
Sie liefert Nistmaterial. Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige und Heckenbraunellen polstern ihre Nester mit altem Laub und Moos. Ein Garten ohne Laub ist ein Garten ohne Nistmaterial – und im Frühjahr ein Garten ohne Vogelgesang.
Wo Laub bleiben darf und wo nicht
Unter Bäumen und Sträuchern liegen lassen. Dort gehört es hin – es ist der natürliche Kreislauf, den der Baum selbst in Gang gesetzt hat. Die Blätter fallen, verrotten, werden zu Humus, die Wurzeln nehmen die Nährstoffe wieder auf. Ein geschlossener Kreislauf, der ohne Eingriff funktioniert.
Auf Beete und Staudenrabatte verteilen. Eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Laubschicht auf den leeren Beeten schützt den Boden vor Erosion, Verschlämmung und Frost. Im Frühjahr ist das meiste verrottet; den Rest zur Seite schieben und aussäen.
Einen Laubhaufen in einer ruhigen Ecke aufschichten. Das ist das Igel-Winterquartier. Ein Haufen aus Laub und ein paar Ästen, mindestens fünfzig Zentimeter hoch, an einer geschützten Stelle – Heckenrand, Schuppenwand, unter einem Strauch. Von November bis März nicht mehr anrühren.
Vom Rasen wegharken. Das ist die einzige Stelle, wo Laub schadet: Eine dicke, nasse Laubschicht auf dem Rasen lässt kein Licht durch, hält die Feuchtigkeit und fördert Pilzkrankheiten. Der Rasen fault darunter. Lösung: Laub vom Rasen harken und unter die Sträucher oder auf die Beete schaufeln – es wird nicht entsorgt, sondern umverteilt.
Laub von kranken Bäumen entsorgen. Wenn der Apfelbaum Schorf hat oder die Rosskastanie von der Miniermotte befallen ist, gehört das Laub in die Biotonne – nicht auf den Kompost, weil die Pilzsporen dort überleben und im nächsten Jahr erneut infizieren.
Was in Deutschland außerdem gilt
Gehwege und Bürgersteige müssen laubfrei gehalten werden – Verkehrssicherungspflicht. Nasses Laub auf dem Gehweg ist eine Rutschfalle und der Grundstückseigentümer haftet bei einem Sturz. Auf dem Gehweg harken, im Garten liegen lassen.
Laub verbrennen ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Kommunale Verordnungen und das Immissionsschutzgesetz verbieten das offene Verbrennen von Gartenabfällen in den meisten Gemeinden. Wer erwischt wird, riskiert ein Bußgeld.
Laubsauger und Laubbläser. In vielen Gemeinden gibt es Einschränkungen für die Benutzung – Lärm und Emissionen, besonders an Sonn- und Feiertagen. Und: Laubsauger töten Kleintiere, die sich in der Laubschicht befinden – Insekten, Spinnen, kleine Amphibien. Der Rechen ist leiser, schonender und braucht keinen Strom.
Das Blatt unter dem Baum ist kein Abfall. Es ist Decke, Vorratskammer, Dünger und Baumaterial in einem.