05/07/2022
Liebe Freunde tropischer Inseln, die man am besten per Segelboot abklappert,
zu allererst hoffe ich, dass es euch allen aller bestens geht. Wir selber können uns kaum beklagen, obwohl mir das Nichtjammern als Österreicher ja naturgemäß schwerfällt. Und die global politischen Wirrnisse lasse ich mal außen vor.
Bevor ich jetzt ansetze, gleich mal die Bitte an jene, die keine Lust haben, sich in der verworrenen Prosa eines Segelgarnspinners zu verheddern, sich der letzten fünf interaktiven Absätze dieses Aufsatzes zu widmen. Ich bin nämlich gerade dabei, etwaiges Mitsegelinteresse für die nächste Saison Nov. 2022 bis April 2023 auszuloten.
Seit irgendwann im Mai dümpeln wir wieder in unserer Basis Tambobo bay (auch Bonbonon genannt) ganz im Süden der Insel Negros und geben uns diversen Boots- und sonstigen Projekten hin.
Tes steht immer wieder im Banne der Berge, wo sie zusammen mit ihren Eltern unter Mitwirkung der erweiterten Familie eine Farm betreibt. Bauernhof im Bergland von Negros. Wer jetzt glaubt, da dömpert man mal schnell mit dem Traktor drüber, die Ackerkrume für die Bananenstauden zu pflügen, unterliegt demselben naiven Irrglauben, der auch mein verweichlichtes Vorstellungsvermögen einst betörte. Erstens sind hiesige Hänge zu steil, um auch nur daran zu denken, mit irgendeinem Gefährt dort herumzurangieren, und zweitens sind sie vom täglichen nächtlichen Regen zu schlammig für eben dieses. Soll heißen, selbst zu Fuß ist es ein ständiger Kampf um würdige Haltung. Wenn man nicht gerade die Topwanderschuhe von Meindl und co. sein Eigen nennt, bewegt man sich am besten barfuß, denn nur so sind die feinen Nuancen des Untergrunds, an welche sich Zehen kraftvoll klammern wollen, zu erahnen. Dass man dabei immer wieder in morastvermatschte Wasserbüffelkacke stakst, wird ob der Zwecklosigkeit jeglicher Beschwerde als notwendiges Übel akzeptiert ja sogar ignoriert.
Ja genau, der Wasserbüffel, hierzulande Karabau genannt, ist es, der hier des Bauerns Last und Arbeit teilt. Der ist extrem geländetauglich, kostet kleine Bruchteile eines Traktors und muss nur mit allgegenwärtigem Kraut-duftenden Grünzeug befüllt werden, anstatt mit sauteurem Öl-stinkenden Diesel. Ach ja, und immer wieder mal eine kleine Schlammsuhle zur Erquickung (sonst überhitzen die und kollabieren), zur Not auch mal ein sprudelnder Klarwasserfluss aus höheren Berggefielden. Gerade letzteres macht den Einsatz dieses so urwüchsig anmutenden asiatischen Sinnbilds des Ackerbaus so sympathisch. Denn Akkorddenken im Sinne von so und so vielen Hektar an einem Tag, umgebaggert hätte ich jetzt fast gesagt, umgeackert, würde jedem philippinischen Bauern da oben einen hysterischen Lachanfall abverlangen.
Aber was red ich da, ich verrenn mich ja ganz. Wollte doch übers Segeln etwas Garn zwirnen.
Zurzeit regiert der SW-Monsun (südlich des Äquators wird er zum SO-Monsun…siehe Coriolis-Kraft) den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik, von Afrika bis hinaus nach Papua Neuguinea. Das ist hierzulande die weniger gute Zeit, Segel gen Himmel zu hissen. Das Wetter ist oft verwirrt, was auch die Herren der Wettervorhersagemodelle verwirrt und entsprechend zu verwirrten Situationen auf See oder vor Anker führen kann. Ein Tag Sonnenschein, nachts vielleicht Gewittersturm, morgens klar, mittags zugezogen, abends dicke Wolken, später klare Sterne, wieder Regendurchzug und so weiter und so fort. Halt etwas von allem, aber vieles unzuverlässig. Trotzdem kann man Segeln, aber immer mit dem wachsamen Auge der Vorsicht. Denn trotzdem gibt es immer wieder Wochen entspannten Sonnenscheins auf des Seglers liebstes Segelboot.
Und eine Sache gibt es dann sowieso, worauf man sich so einigermaßen verlassen kann. Als ich vor vielen vielen vielen Jahren an die Gestade der südostasiatischen Inselwelt gespült wurde, fragte ich einen ansässigen Segler, wie man eigentlich erkenne, ob der Monsun schon umgeschlagen hätte (von NO auf SW bzw. umgekehrt), also welcher Monsun jetzt eigentlich herrsche. Seine Antwort war kurz und lakonisch: „Von wo das Sauwetter herkommt.“ Soll heißen, bei SW-Monsun wählt man den Ankerplatz so, dass er eben gegen SW-Sauwetter geschützt ist. Na ja, jedenfalls keine schlechte Idee.
Aber ich verrenn mich schon wieder.
Ach ja, ab nächsten Oktober wird dann alles wieder anders werden. Der hierzulande Amihan genannte NO-Monsun wird zurückkehren. Sonne, blauer Himmel, schöne Brisen, Ankerplätze, die gegen NO geschützt sind…
Und ja, jetzt bin ich endlich dort, wo ich von Anfang an hin wollte. Ich muss nämlich eine Entscheidung bürokratischer Natur treffen; in reflexartiger Ablehnung hasse ich Entscheidungen bürokratischer Natur. Mitte November läuft mein Visum nach dreijährigem Aufenthalt auf den Philippinen ab.
Jetzt gibt es aber eine etwas kostspielige Variante, da noch ein Jahr zu verlängern. Nach langem langem langem Überlegen gibt es folgenden Entschluss meinerseits: falls sich Segelgäste für Segeltörns in der nächsten schönen Saison (Oktober 2022 bis April 2023) anmelden, werde ich mein Visum noch ein Jahr verlängern. Ansonsten würden wir Ende November ausklarieren und gen Westen ziehen.
Soll heißen, bitte gebt mir möglichst bald Bescheid, falls ihr eine Tour mit uns in Erwägung zieht. Die Abwicklung des erwähnten Visums dauert etwa drei Monate, entsprechend brauche ich etwas Vorlauf, das ganze einzuleiten.
Und damit ich mich jetzt nicht wieder in langwieriger Art in ein Thema verstricke, also schwafel, bis ich selber über meine eigenen Sätze stolpere, mach ich jetzt besser Schluss…obwohl da fällt mir noch was ein. Letztens waren wir doch mit dem Boot am Strand, einige der oben erwähnten Projekte zu absolvieren, und da hat es sich doch tatsächlich so ergeben…..nein, kleiner Scherz. Jetzt ist aber wirklich Schluss. Aber keine Frage, ich komm wieder in 8 Tagen….
Alles Liebe an euch alle, und lasst mich doch bitte wissen, ob ihr mit uns segeln wollt.
Robert, Marites, Luis der Minikäptn
Weiter Eindrücke und Infos unter www.sailandsee.com
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