05/07/2026
In einer drückend heißen Sommernacht von 2002 hallten in Split nicht nur die Wellen gegen die Mole, sondern auch das rhythmische Dröhnen kleiner Handballschritte in der Halle von HRK Krilnik. Dort rannte ein 16-Jähriger über den Parkettboden, den Blick entschlossen, den Ball in seiner kraftvollen Linken. Jakov Gojun wusste damals nicht, dass diese humble Halle sein Sprungbrett in die Weltspitze sein würde.
Die ersten Jahre waren kein glatter Pfad: RK Split winkte ab, ein junger Verteidiger, dem man nicht zutraute, ins Senioren-Team zu passen. Also blieb Jakov seiner Heimat treu, kämpfte in der Zweiten Liga Süd – Platz drei mit Krilnik, dann Rang neun mit Solin. Niederlagen. Ungezügelter Ehrgeiz. Jeder missglückte Wurf schmeckte wie Salz auf frisch aufgerissener Haut, aber er formte ihn.
2004 dann der Umzug nach Rijeka zu RK Zamet. Die Mannschaft taumelte im Mittelfeld, die Trainer wechselten, und einmal jagte ihn ein ominöser Führungskräftetausch aus seiner Komfortzone. Doch genau hier, zwischen enttäuschten Fans und überraschenden Siegen gegen Zagreb, schälte sich sein Stil heraus: kompromisslose Abwehr, harte Blocks, Blicke, die Stürmer einschüchterten. Bald nannte man ihn den „Verteidigungsminister“ Kroatiens. Und plötzlich war da auch die Einladung zur U-18 – Gojuns erster Funke auf der internationalen Bühne.
Siscia, Zagreb, Madrid, Paris, Berlin und schließlich zurück in Zagreb: Jede Stadt brachte neue Farben in sein Leben. In Sisak wuchsen aus defensiver Härte offensive Blitze – Saisontreffer von fünf, sieben, acht Toren. In Zagreb, dem Olymp unter Kroatiens Vereinen, sammelte er nationale Titel wie Muscheln am Strand: drei Meisterschaften, drei Cupsiege, Champions-League-Auftritte unter Flutlicht. Der Wechsel zu Atlético de Madrid bedeutete: IHF Super Globe, Heiterkeit und plötzlich finanzielle Schieflage. Wie fühlt es sich an, wenn der große Klub bankrottgeht? Für ihn ein Schock, eine weitere Lektion in Unbeständigkeit.
Paris war eine Verführung aus Licht und Luxus, doch unter all den goldenen Pokalen stach das Bronze-Sammelsurium mit der kroatischen Nationalmannschaft heraus. Olympia 2012 in London – Bronze gegen Ungarn. Im Karussell der Stadien, das Torjubel und Enttäuschung gleichermaßen spuckte, machte er aus Abwehrmauern Kunstwerke und verdiente sich den Titel „bester Abwehrspieler“ bei zwei Europameisterschaften.
In Berlin, bei Füchse Reinickendorf, stand er erneut auf dem Super-Globe-Siegertreppchen. Doch nach Jahren auf Hochtouren spürte er das Ziehen der Familie: Kristina, die er 2014 in Split heiratete, und der kleine Sohn, der 2015 das Licht der Welt erblickte. Plötzlich waren Reisestrapazen harte Kontraste zum schützenden Kinderzimmer.
2018 schließlich legte er die Nationalmannschaftsrüstung ab – 168 Länderspiele, 80 Tore, ungezählte Kämpfe. Ein Abschied ohne Drama, fast leise. Er sagte, junge Talente stünden bereit und Kroatien lasse sich nicht auf seine Schultern allein bauen. Ein Statement, so nüchtern wie der kühle Hauch eines Wintermorgens über der Adria.
Heute, zurück in Zagreb, spürt Jakov Gojun noch immer die kühle Luft der Hallen, das Klacken seiner Schuhe auf Holz, den süßlich-metallischen Duft eines frischen Balls. Freunde aus allen Stationen – Hrvatin, Uzelac, Čavlović – grüßen ihn, und er lacht über die Jugendsünden, die rauen Debüts und die glorreichen Siege. Was bleibt nach zwanzig Jahren an der Spitze? Ein Mann, der aus kleinen Hallen kam und die Welt eroberte, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.
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