09/09/2026
Sehen organisiert Bewegung.
Bevor der Körper den nächsten Schritt setzt, sammelt er Informationen.
Die Augen helfen uns einzuschätzen, wo wir uns befinden, wie weit ein Ziel entfernt ist, wie sich eine Oberfläche verhält und was sich in unserer Umwelt verändert. Das Nervensystem verbindet diese visuellen Informationen fortlaufend mit Gleichgewicht und Körperwahrnehmung.
So beeinflusst der Blick, wo wir den Fuß aufsetzen, wie wir unser Gewicht verlagern und wie schnell wir auf eine neue Situation reagieren – beim Gehen ebenso wie beim Trailrunning, Skifahren, Klettern oder im Ballsport.
Doch der Blick ist nicht nur für die Steuerung von Bewegung wichtig. Er kann auch unsere Regulation unterstützen.
Unter Anspannung wird der Blick häufig enger und weniger variabel. Lösen wir die starre Fixierung, wechseln bewusst zwischen Nähe und Ferne und beziehen den seitlichen Raum wieder mit ein, erhält das Nervensystem mehr Informationen über die Umgebung. In einer sicheren Situation kann diese erweiterte Orientierung dazu beitragen, Wachsamkeit zu reduzieren und Ruhe zu unterstützen.
Das ist kein automatischer Schalter für Entspannung. Aber ähnlich wie der Atem kann auch der Blick eine Bedingung verändern, unter der Regulation möglich wird.
Augen, Kopf und Nacken arbeiten dabei eng zusammen. Eine wenig variable Blickorganisation kann deshalb auch für Nackenspannung, visuelle Ermüdung oder Kopfschmerzen relevant sein. Nicht jede Verspannung kommt von den Augen – doch bei einer ganzheitlichen Betrachtung sollte der Blick nicht fehlen.
Im Training geht es daher nicht um eine isolierte Augenübung. Entscheidend ist, wie Sehen, Atmung, Haltung und Bewegung miteinander verbunden werden.
Der Blick ist kein Zuschauer. Er ist Teil unserer Bewegungsorganisation.
Bewegung verstehen, bevor wir sie verändern.
Konzept und Inhalt: Mag. Rupert Gasser-Kogler
Bildgestaltung: KI-gestützt entwickelt für RUGAKO
VisuelleOrientierung