09/10/2026
Arthrose bedeutet nicht einfach, dass ein Gelenk „abgenutzt“ ist. Betroffen ist
das ganze Gelenk: Knorpel, Knochen unter dem Knorpel, Gelenkinnenhaut,
Bänder und die umgebende Muskulatur können beteiligt sein. Das erklärt auch,
warum Röntgenbilder, Schmerz und Alltagseinschränkungen nicht immer exakt
zusammenpassen.
Hilft Krafttraining? Für die Kniearthrose spricht die Evidenz klar dafür, dass es
Symptome und Funktion verbessern kann. Eine systematische Übersichtsarbeit
mit Meta-Analyse von 46 randomisierten Studien und 4.289 Teilnehmenden
fand gegenüber inaktiven Vergleichsgruppen moderate Verbesserungen bei
Beschwerden und körperlicher Funktion sowie eine Zunahme der Beinkraft.
Randomisierte Studien sind besonders aussagekräftig, weil sie Gruppen gezielt
vergleichen; sie beweisen aber nicht, dass jede Übung, Intensität oder
Trainingsform für alle gleich gut passt.
Wichtig ist die Einordnung: Krafttraining gilt nicht als Reparaturprogramm für
verlorenen Knorpel. Sein nachgewiesener Nutzen betrifft vor allem Schmerz,
Belastbarkeit und Alltagsfunktion. Leitlinien empfehlen deshalb therapeutische
Bewegung, einschließlich lokaler Kräftigung und Ausdauertraining. Ein
eindeutiger Sieger zwischen Kraft- und Ausdauertraining ist bisher nicht belegt;
ein direkter Vergleich fand keinen gesicherten Unterschied, die Evidenz dafür
war jedoch sehr unsicher.
Die Studien unterscheiden sich bei Übungen, Betreuung, Dauer und
Ausgangsbeschwerden. Viele Daten stammen zudem aus der Kniearthrose.
Praktisch zählt daher kein starres Standardprogramm, sondern ein an
Beschwerden, Funktion und Möglichkeiten angepasstes, regelmäßig
durchführbares Training. Bei neu auftretender starker Schwellung,
Blockierungen, Unfallfolgen oder rasch zunehmenden Beschwerden sollte die
Ursache medizinisch abgeklärt werden.